An meinem linken Ringfinger steckt seit dem Tag meiner Ewigen Profess (als ich Gott und dem Orden mein JA auf Lebenszeit gegeben habe) ein Ring. Er ist für mich das Zeichen meiner Verbundenheit mit Gott und dem Orden. Immer wieder werde ich gefragt, ob es ein Ehering wäre. Nein ist es nicht, aber doch irgendwie.
Ungern nur vergleich ich meinen Ordensstand mit einer Ehe, aber ab und zu hat meine Leben mit Gott durchaus Parallelen dazu. Nach 21 Jahren in „Beziehung zu Gott“ fühle ich mich manchmal wie lange verheiratet. Selbstverständlich miteinander, einander kennend, geliebt, aber auch entfremdet und ohne Worte, manchmal halt zu selbstverständlich.
„Die Fastenzeit ist für mich wie ein Rettungsring für mein christliches Leben“
Das Verliebt sein habe ich hinter mir. Jetzt geht es ums miteinander leben, aushalten, frisch halten. Und da kommt mein Ring wieder ins Spiel. In ihm ist nämlich eingraviert: „Suche Gott“. Mir war bei meiner Profess bewusst, dass ein Leben mit Gott nicht immer einfach wird. Nicht immer himmelhochjauchzend und leicht. Und ich wusste, dass, wenn ich das Suchen aufhöre, ich aufhören würde, Gott zu finden und meine Beziehung zu ihm nur so dahinplätschern würde. So erinnert mich der Ring immer wieder daran, was ich eigentlich wollte.
Die österliche Bußzeit, die mit Aschermittwoch begonnen hat, ist ein bisschen wie der Ring an meinem Finger. Eine Erinnerung in Zeitformat, sozusagen. Ich habe den bewussten Raum, meine Beziehung zu Gott und zu den Menschen aufzufrischen und mich zu erinnern, was ich in der Taufe zugesprochen bekam.
Durch ein Mehr an Beten, Tun für andere, Offenheit meinem Nächsten gegenüber oder eben durch ein Weniger an Dingen, die meine Beziehung und meine Sensibilität stören. Wieder wissen warum und an wen ich glaube und was Gott von mir will. Die 40 Tage der Fastenzeit betrachte ich für mich als einen Rettungs-Ring für mein christliches Leben. Damit meine Gottesbeziehung wieder voller Kraft, Überzeugung und Freude ist.