„Man kann den Leuten nicht in den Kopf gucken“, sagt meine Kollegin. Fassungslos haben wir die schrecklichen Nachrichten der letzten Monate bei uns aufgenommen – im Nachbarort wird eine alte Frau ermordet, der Nachbarjunge, keine 19, war es. Ein paar Straßen weiter wohnte der mutmaßliche Mörder von Mirco, dem Jungen aus Grefrath.
Bin ich dem Mörder begegnet?
Die Leiche wird nach monatelanger Suche hier im Ort entdeckt – in einer Ruine, an der ich sehr oft vorbeifahre. Letztes Jahr läuft ein Mann im Nachbarort Amok und tötet drei Menschen … Das Böse gleich in der Nachbarschaft! Vielleicht bin ich dem Mörder Mircos begegnet – vielleicht dem Jungen, der die alte Frau getötet hat? Ich weiß es nicht – man kann den Menschen nicht ansehen, dass sie Böses tun werden.
Das wühlt auf und macht unruhig, ja ängstlich. Wie kann man da die Kinder auf den Schulweg schicken oder alleine zum Sport? Oder alte Menschen alleine wohnen lassen? Auf der anderen Seite werden wir nie die Kinder ausreichend schützen können. Man kann sie nicht ständig beaufsichtigen oder begleiten. Was ist das für ein Leben? In dieser Unsicherheit und dieser Angst werden hier alle Eltern leben müssen.
Wandle schlechte Gedanken in gute
Ich wende mich an Gott in dieser Angst: „Gott, beschütze du unsere Kinder. Sei du ihr ständiger Wegbegleiter. Und sei, Gott, vor allem bei all denjenigen, die Böses planen oder die sich selbst nicht unter Kontrolle haben. Wir können nicht in ihre Köpfe schauen, aber du kannst es! Schau auf sie und wandle ihre schlechten Gedanken in gute Gedanken. Schütze sie vor Taten, die andere schädigen. Lass sie nicht zu Mördern werden, nicht zu Missbrauchern und nicht zu Menschen, die andere quälen. Hilf uns Gott!“