Lange blonde Locken, ein blütenweißes Kleid und barfuß. So stelle ich mir Sterntaler vor. Und so habe ich mich dann auch auf unserem Märchen-Sommerfest im Kinderdorf verkleidet. Ab und zu hat man mich mit einem Engel verwechselt, aber die meisten haben das Sterntalermädchen als solches erkannt. Verkleidung: geglückt.
Freudigen Herzens schenken gelingt nicht immer
An meiner Sterntalerhaltung hingegen muss ich noch ein wenig arbeiten. Das Mädchen hat selbstlos alles verschenkt, was es besaß. Fast nichts behielt es für sich. Und alles schenkte es mit einem freudigen Herzen leichtmütig weg und ließ sich von der Not des anderen Menschen berühren, die ihm immer größer erschien als seine eigene … und ich grummele schon, wenn jemand meinen Joghurt versehentlich gegessen hat. Aber eine Sache verbindet mich besonders mit der Märchenfigur: Mir ist schon vieles in den Schoß gefallen – einfach so. Meinem Erleben nach direkt vom Himmel: Menschen, die mir Freunde werden, neue Aufgaben, die mich erfüllen, Talente und Fähigkeiten, die ich an mir entdecke, Geldspenden für unser Kinderdorf und Sonnenstrahlen an Traurig-Tagen. Dinge und Erfahrungen, die mein Leben unbezahlbar reich machen und die oft unerwartet über mich hereinbrechen, so dass ich sie nur noch aufsammeln muss.
In der Not helfen, ohne lange darüber nachzudenken
Eigentlich sollte mich das ermutigen, die Sterntalerhaltung vom Wegschenken zu übernehmen. Eine Haltung, die zutiefst christlich ist. Nicht an sich selbst denken. Nicht kleinlich haushalten mit meinem Besitz, sondern dem, der es braucht, in der Not beistehen – ohne nachzudenken. Und dadurch zur Beschenkten werden … direkt vom Himmel!!!
„Nicht kleinlich haushalten und dadurch zur Beschenkten werden“
Schwester Jordana