„Wenn doch die Christen nur etwas erlöster aussehen würden!“ Das sagte einst Friedrich Nietzsche – und ich finde, er hat Recht. Gut, für mich heißt „erlöster aussehen“ nicht, „Halleluja“ singend durch die Gegend zu ziehen und immer nur glücklich zu sein. Das geht gar nicht, und das würde auch Friedrich Nietzsche nicht darunter verstehen. Aber, wie erlöst sind wir denn und fühlen wir uns? Merken wir eigentlich, dass gerade Ostern ist, abgesehen davon, dass wir viele Ostereier essen und vereinzelte Schokoladenhasen auf unseren ersten Abbiss warten? Bleibt etwas hängen von der Auferstehungsfreude, die wir vielleicht ein wenig in der Osterliturgie verspürt haben, weil es ein feierlicher Gottesdienst gewesen ist und die Lieder, das Licht und die Texte uns etwas Leichtes und Fröhliches vermittelt haben? Was bedeutet das Fest überhaupt für mein Leben?
Erlöst zu sein und sich so zu fühlen, bedeutet für mich, zu wissen, dass nichts, aber auch gar nichts auf der Welt mich aus der Liebe Gottes purzeln lassen kann. Dass da jemand an meiner Seite ist, egal durch welche Lebensabschnitte ich auch gehe – schöne oder schwere. Dass keine Sünde so groß sein kann, dass Gott sie nicht vergibt. Und dass mein Leben unwiderruflich und untrennbar mit Gott verbunden ist und bleibt – auch nach dem Tod. Es bedeutet, frei zu sein von Angst: von der Angst zu versagen, nicht liebenswert oder ein schlechter Mensch zu sein.
Das glaube ich, das macht mir Mut und gibt mir Stärke, mein Leben so zu leben und zu genießen, wie es kommt. Das macht es leicht, Erlösung zu verspüren, und lässt mir dann doch schon mal das eine oder andere „Halleluja“ über meine Lippen kommen.
Also, Herr Nietzsche: Es wäre wirklich gut, wenn diese Osterbotschaft von Christen gelebt und in den Kirchen verkündet würde! Fangen wir also an!
Ihre Sr. Jordana