Streiten Sie sich eigentlich auch mit Ihren Schwestern?“ – „Ich weiß nicht, welche Vorstellung Sie von Ordensfrauen haben,“ sage ich. „Aber wir sind Menschen, und da ist es nur gesund, wenn wir uns auch mal streiten.“ Zugegebenermaßen bin ich im Streiten nicht so besonders gut, aber ich bemühe mich darum, besser zu werden.
Ganz recht gehört. Ich strebe nicht danach, nur harmonisch miteinander zu leben, sondern mich auch auseinanderzusetzen mit Menschen, die anderer Meinung sind. Sogar Jesus hat das gemacht. Er führte Streitgespräche mit Pharisäern und Schriftgelehrten, war zornig und warf die Händler aus dem Tempel. Er hat klar seine Meinung vertreten und in Kauf genommen, wenn man sich mit ihm stritt. Das machte ihn glaubwürdig und vertrauenswürdig. Und das ist es auch, was ich mir momentan in meiner Kirche wünsche: sich streiten – über Strukturen, die Menschen einengen, Regeln, die nicht mehr passen, Formen, die leblos erscheinen. Dann gewinnen wir wieder Glaubwürdigkeit. Wenn wir miteinander ringen um das Richtige. Und beten um Gottes Geist, dass wir es erkennen.
Ich jedenfalls habe mir vorgenommen, mehr auf das zu hören und das zu vertreten, wovon ich überzeugt bin, auch wenn es andere stört. Aber in der Offenheit, auch das Gegenüber anzuhören. Wenn ich sage, was ich denke, egal ob es in den Rahmen passt oder nicht, dann kann ich etwas bewegen. Dann kann ich ermutigen für Ehrlichkeit und neue Hoffnung. Weil ich Mensch bin. Weil Kirche aus Menschen besteht. Menschen auf der Suche. Menschen, die sich trauen und letztlich vertrauen. Ihm, der uns den Geist gibt und sein Herz. Der ganz Mensch war und uns als Gott nahe sein will.