Ich kenne Mütter, die reagieren allergisch auf das Wort „Muttertag“. Auf einen Tag im Jahr, an dem sie im Bett frühstücken sollen oder den Tisch gedeckt vorfinden, Blumen oder gemalte Bilder bekommen. Sie sagen: „Ich brauche keinen extra Tag, das ist Heuchelei, was soll das? Alles nur Kommerz.“
Es ist Kommerz, keine Frage. Ein guter Tag für Blumengeschäfte und Restaurants. Aber dann sollten wir auch Weihnachten abschaffen und Ostern und Geburtstage und manch anderes Fest, welches mit viel Aufwand gefeiert wird. An Gottes Stelle würde ich mich ebenfalls beschweren, wenn nur einmal im Jahr daran gedacht würde, dass Jesus geboren wurde oder am Kreuz starb und von den Toten auferstand. Wir brauchen jedoch Zeiten des besonderen Gedenkens – so funktionieren wir. Gedenktage für Wichtiges, was nicht vergessen werden darf.
Das ist auch der Wunsch hinter solchen „Allergien“: Ich möchte, dass mein Muttersein wertgeschätzt und anerkannt wird. Zum Beispiel dadurch, dass die Gesellschaft einer Mutter gerechte Chancen auf dem Arbeitsmarkt einräumt oder ihre Mutterschaft anerkennt und daraus ein Anspruch auf Rente erwächst.
Muttertage wären zu ersetzen durch ein Nachdenken darüber, welche Rolle Frauen in unserer Gesellschaft haben. Diesen Müttern – und es wäre unfair, würde ich die Väter vergessen – obliegt es, Kindern, die später Entscheidungen über unser Land treffen werden, ein Zuhause zu schaffen, in dem sie Liebe, Sicherheit und Geborgenheit erfahren. Das brauchen Kinder, damit sie Erwachsene werden, die unsere Gesellschaft tragen und bereichern. Also: ein Lob allen Müttern … und Vätern! DANKE! Und auf dass der diesjährige Muttertag Anstoß für ein Umdenken gibt und Handlungen folgen, die Mütter wirklich hochleben lassen.