Jeden Tag neue Schreckensmeldungen – aus Japan, aus Libyen. Und jeden Tag das gleiche Dilemma: Nach dem Lesen der Zeitung am Morgen gehe ich in den Alltag und am Abend nach den Tagesthemen in das gemütliche Bett. Das fällt mir nicht leicht, wenn ich daran denke, wie viele Menschen über diesen guten Alltag nicht verfügen, die keinen sicheren Ort zum Schlafen haben. Ja, „das Leben geht weiter“, so wie ich oft in dieser Zeit gehört habe. Ok, aber wie? Welche Konsequenzen ziehe ich?
Ein Impuls von „Ich rette die Welt!“
In einem Impuls von: „Ich rette die Welt!“, könnte ich auf Strom verzichten, na, jedenfalls auf einen Teil davon; oder ich möchte Menschen bei mir aufnehmen, damit sie sicher sind; selbst in die Krisengebiete fahren und Steine wegschaffen; Trauernde trösten. Und doch sitze ich an meinem Schreibtisch und tippe diese Worte in den Computer, der Strom verbraucht, und mache nicht wirklich viel aus meinen großen Ideen. Jemand will eine Situation mit einem Kind im Kinderdorf besprechen, mein Magen kündigt Hunger an, und ich überlege, was meine Mitschwester wohl zum Abendessen kochen wird. Der Alltag nimmt sich seinen Raum, ganz ohne mein Zutun. Mein Gehirn schaltet nur zu schnell (und zu gerne) auf „Normalität“ um. Vielleicht gut so, denn dann kann ich auch dem Menschen, der mir gegenübersteht, eine wirkliche Zuhörerin sein.
Denn dies ist der Unterschied zu „vorher“: Ich nehme diese alltäglichen Dinge wieder sehr bewusst wahr und auch sehr dankbar an. Und ich meckere weniger über „viel zu tun“ oder „ ist heute aber kalt“, ja selbst über die hohen Benzinpreise ärgere ich mich weniger, denn schließlich HABEN wir Benzin. Ich bin bewusster im Umgang mit Wasser, Strom und Nahrungsmitteln, auch mit meinen Beziehungen zu Menschen.
Und hoffnungsvoll denke ich an den Spruch: Wenn viele kleine Menschen an vielen kleinen Orten viele kleine Dinge tun, dann werden sie das Angesicht der Erde verändern!