Die katholische Erlebniswelt, Papst und Kirche: Benedikt von Nursia

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Donnerstag, 24. Mai 2012 Dagmar, Ester
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Benedikt von Nursia

Der Gesegnete 

Klöster waren für das Mittelalter wichtige Orte. Die Grundlage für ihren Erfolg legte ein Mönch aus Italien: der heilige Benedikt (wörtlich: der Gesegnete) von Nursia (um 480 bis 547)

Ein Schrei erschüttert im 5. Jahrhundert die christliche Welt: „Die Hunnen kommen!“ Das Reitervolk aus Asien überzieht Europa mit Krieg, ihr Großkönig Attila verbreitet als „Geißel Gottes“ Schrecken. Nach seinem Tod unterwirft 491 Theoderich der Große Italien, 536 erobert der Feldherr Belisar das Land mit seiner Hauptstadt Rom für den oströmischen Kaiser Justinian I. zurück. Auch in der Kirche rumort es. Es gibt unterschiedliche Glaubensauffassungen zwischen Konstantinopel und Rom. Zwei Päpste erheben gleichzeitig Machtansprüche. Mitten in diesen Wirren wird auf einem kleinen Hügel zwischen Rom und Neapel ein Kloster gegründet, das das Christentum prägen sollte: Montecassino, die Geburtsstätte des Benediktinerordens.

Im Jahr 529 zieht ein ärmlich gekleideter Mann mit wenigen Getreuen den Hügel bei Montecassino hinauf. Es ist der Mönch Benedikt von Nursia, der für sich und seine Anhänger einen Platz sucht, an dem sie ihr Leben Gott weihen können. Das ist nichts Besonderes: Viele christliche Gruppen gründen damals Klöster. Auch gilt Benedikt keineswegs als Promi-Mönch. Er hatte zunächst als Eremit gelebt und danach mehrere wenig bedeutende Klöster im Tal von Subiaco gegründet. Niemand kann zu diesem Zeitpunkt ahnen, was aus Benedikt werden wird: der Begründer des mittelalterlichen Mönchtums, ein Heiliger.  Kurz nach der Klostergründung verfasst Benedikt seine berühmte „Regula Benedicti“, die Regel des heiligen Benedikt. Die 73 Kapitel sollen das Leben in Montecassino ordnen. Askese spielt im Unterschied zu zeitgenössischen Ordensregeln eine geringere Rolle, eher wird die Balance zwischen Gebet und Arbeit betont.

Benedikt stirbt am 21. März 547. Die Bewohner im Umland Montecassions verehren den Abt schon lange. Zum wichtigsten Heiligen des Mittelalters wird er aber erst durch Gregor den Großen. Der Papst schreibt Ende des 6. Jahrhunderts in seinen „Dialogen“ eine Biografie Benedikts, die dem Ziel dient, den Abt von Montecassino als Idealheiligen zu stilisieren. Ein Plan, der aufgeht: Die Benediktiner gewinnen in den folgenden Jahrhunderten an Einfluss, obwohl Montecassino zwischenzeitlich durch die Langobarden zerstört wird. Orden wie die Zisterzienser  etwa kopieren die Benediktusregel. Am Ende haben sich die Ideen der Benediktiner so durchgesetzt, dass statt des alten Mönchtums das so genannte „Benediktinertum“ die kommenden Jahrhunderte prägt. Das Mittelalter ist angebrochen.

Simon Biallowons

Das Lexikon der Heiligen

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