"Betest du eigentlich?" Als ein Freund ihm diese Frage stellte, dachte Meuser zunächst: "Keine besonders angesagte Frage unter Männern!" Was ihn gewissermaßen wie aus heiterem Himmel traf, sollte zum besten Rat werden, den er je bekommen hatte: Sein Freund animierte ihn zum Beten. "Meine Probleme wurden nicht kleiner, und doch gingen mir in verschiedener Hinsicht die Lichter auf", beschreibt er in seinem Buch "Beten – eine Sehnsucht".
Philosophisch, manchmal selbstironisch, immer wieder amüsant, vor allem aber sehr persönlich sind die Schilderungen, wie sein Gebet zu dem wurde, was es heute für ihn ist. Zu Beginn habe er Gott "mit einer endlosen Suada von Klagen und Bitten" überfallen: Ob das schon Gebet war, mag der liebe Gott entscheiden. Heute kommt es mir vor, als sei ich in ein fremdes Haus eingebrochen, habe mir Augen und Ohren zugehalten und mich mit Geräuschen bemerkbar gemacht."
"Beten macht glücklich"
Meuser will nicht den Eindruck vermitteln, ein "Meister des Gebets" geworden zu sein. Es gibt für ihn keine Rezeptur, außer vielleicht (mit Mutter Theresa): "Das Wichtigste ist die Stille." Der Urquell des Betens wiederum ist für ihn die Sehnsucht. Beten sei der schnellste Weg ins Universum, etwas zutiefst Natürliches, die tiefste Verbindung zwischen den Menschen ("indem ich für einen anderen Menschen bete, bin ich ihm näher, als wenn ich Sex mit ihm hätte"), Beten reinige und mache glücklich, Beten ermögliche den Widerstand gegen Versuchungen.
Sein Buch ist lesenswert, weil es ein ausführliches, fundiertes und leidenschaftliches Plädoyer für etwas heute fast Exotisches ist. Auf jeder Seite widerlegt Meuser den alten Irrtum, Beten und Religion dienten dem Menschen lediglich dazu, sich über die Wirklichkeit hinwegzulügen. "Im Gebet nehme ich Fühlung auf mit dem lebendigen Gott. Das geht. Und wenn es geht – was kann es Größeres im Leben geben?", fragt Meuser. Heute ist er es, der anderen aus heiterem Himmel die Frage stellt: "Betest du eigentlich?"
Buchtipp: "Beten – eine Sehnsucht", erschienen im Pattloch Verlag (2008), 192 Seiten, € 14,06.
Bernhard Meuser (Jahrgang 1953) ist Journalist und religiöser Schriftsteller, 1989 erhielt er den Katholischen Journalistenpreis.