Die katholische Erlebniswelt, Papst und Kirche: Was geschieht im Gehirn beim Beten?

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Samstag, 11. Februar 2012 Anselm
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glaubenslust – Der Tag


Wie ein guter Freund

Wenn wir beten, ist Gott uns nah. Was für gläubige Christen ein eine Lebenserfahrung ist, hat der dänische Neuropsychologe Dr. Uffe Schjødt von der Universität Aarhus in einer Studie wissenschaftlich nachgewiesen. Er beobachtete, was sich bei Christen während des Gebets im Gehirn abspielt und stellte fest: Das Zwiegespräch mit Gott entspricht der Unterhaltung mit einem guten Freund. Im Interview erklärt er, was den Unterschied zwischen einem Gebet und Wünschen an den Weihnachtsmann ausmacht.

Foto: Fotolia/Marcel Moolij
Wissenschaftler: "Die Begegnung mit Gott ist viel realer als bisher angenommen wurde" (Foto: Fotolia/Marcel Moolij)

Herr Schjødt, was haben Sie in Ihrer Studie untersucht?

Wir haben die Gehirnströme von 20 jungen dänischen Christen während eines persönlich formulierten Gebets mittels einer funktionellen Magnetresonanz-tomographie beobachtet. Dabei stellten wir fest, dass während des Gebets die gleichen Gehirnströme auftreten wie während eines Gesprächs mit einer lebenden Person, der man eigene Gefühle und Meinungen zugesteht. Auch wenn Gott natürlich nicht wie ein Mensch antwortet, wissen Gläubige, dass er ihnen zuhört. Die Begegnung mit Gott ist also viel realer als bisher angenommen.

Gott ist für Christen also eine reale Person?

Genau. Um dieses Ergebnis zu bestätigen, ließen wir die Probanden Wünsche an den Weihnachtsmann richten. Der Unterschied zum Gebet war deutlich: Gott wird als reales Gegenüber empfunden, während der Weihnachtsmann als reine Fiktion wahrgenommen wird. Hier waren Gehirnströme zu sehen, wie sie auch von leblosen Objekten oder Computerspielen ausgelöst werden.

Gibt es Unterschiede zwischen persönlichen und ritualisierten Gebeten?

Ja. Bei standardisierten Gebeten wie dem Vater Unser werden diejenigen Gehirnregionen angesprochen, die für Auswendiggelerntes zuständig sind. Das konnten wir nachweisen, indem wir die Testpersonen anschließend einen Kinderreim aufsagen ließen. Dabei ließen sich keine Unterschiede im Gehirn feststellen.

Gilt dieses Ergebnis nur für Christen?

Wir gehen davon aus, dass in Religionen, in den Gott als Person wahrgenommen wird – wie auch im Islam oder dem Judentum – die gleichen Gehirnregionen angesprochen werden. Die Kultur spielt hier keine Rolle. Bei Anhängern von Religionen, die lediglich an übernatürliche Kräfte glauben, wie beispielsweise Buddhisten, werden diese Gehirnregionen während des Gebets weniger aktiv sein.

Welches Fazit ziehen Sie aus Ihrer Studie?

Unsere Studie beweist weder die Existenz Gottes, noch entlarvt sie Gott als Hirngespinst. Was wir allerdings sicher sagen können, ist, dass die Beziehung zu Gott der zu einer realen Person stark ähnelt.

Wie ist es bei Ihnen selbst: Beten Sie?

Nein, ich bin nicht religiös. Aber ich bin auch kein Atheist. Ich meine, es ist unmöglich zu beweisen, ob Gott existiert oder nicht. Zwar hat die Wissenschaft noch keine Anzeichen für irgendwelche übernatürlichen Kräfte gefunden. Aber wenn ich jemals Zeuge eines Wunders werden würde, würde ich wohl religiös werden. Ich kann also verstehen, warum religiöse Menschen glauben: Weil sie eine starke Gotteserfahrung erlebt haben.

Vor kurzem hat eine andere Studie herausgefunden, dass gläubige Menschen besser mit Schicksalsschlägen wie Arbeitslosigkeit oder Scheidung umgehen können. Was denken Sie darüber?

In Zeiten persönlicher Krisen kann Glaube sehr hilfreich sein. Aber es kann auch das Gegenteil eintreten, vor allem bei übertriebenen Verhaltensweisen wie Märtyrertum, Zölibat oder Askese.

Interview: Natalie Stowasser (30.4.09)

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