Die katholische Erlebniswelt, Papst und Kirche: Bibel und Koran - ein Vergleich

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Donnerstag, 24. Mai 2012 Dagmar, Ester
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Bibel und Koran

Die heiligen Bücher

Die Begegnung zwischen dem Christentum und dem Islam prägt unsere Zeit. Das Verhältnis krankt immer wieder daran, dass gegenseitig Missverständnisse und Unkenntnis vorherrschen. Ein gutes Beispiel sind Bibel und Koran. Die beiden heiligen Bücher werden immer wieder gleichgesetzt – dabei ist ihre Bedeutung für die eigene Religion sehr unterschiedlich

Im Koran steht das Wort Gottes geschrieben – wortwörtlich. So glauben es Muslime. (Foto: SXC)

Die Bibel und der Koran – diese Gleichsetzung wird dem tatsächlichen Verhältnis nicht gerecht. Für die Christen ist die Bibel das „Buch der Bücher“. Die Bibel ist hier das heilige Buch. Aber: Die Verbindlichkeit der Bibel besteht nicht darin, dass man ihr nicht widersprechen darf und die Worte unmittelbar und immer gelten. Der Bibeltext ist entscheidend für die eigene Urteilsbildung, aber er ersetzt sie nicht.
Die Bibel ist weiter die entscheidende Grundlage für den Glauben an Gott. Sie ist aber nicht Gottes Wort, sondern ein geschaffenes Buch. Das „Wort Gottes“ dagegen ist Christus.

Für die Muslime ist die Ungeschaffenheit des Korans absolut unanzweifelbar. Der Koran ist das Wort Gottes. Und zwar wortwörtlich. Nur Gott konnte solch ein Werk vollbringen, er ist der alleinige Autor des Korans. Der Inhalt des Korans wurde also ursprünglich von vielen Kreisen keineswegs als historisch bedingt aufgefasst, sondern als zeitlos gültig und in allen Punkten verbindlich. Diese Sicht (siehe unten) ist heute indes nicht mehr überall anerkannt.  
Wir sehen, die Gleichung Bibel – Koran ist nicht zutreffend. Denn vielmehr scheint es so: Was die Person Christi für das Christentum ist, das ist der Koran für den Islam.
Warum aber ist das wichtig? Weil damit die Auffassung der Offenbarung zusammenhängt. Gott hat sich im Koran unüberbietbar offenbart, es handelt sich um eine „Inlibration“ („Liber“ bedeutet im Lateinischen „Buch“). Im Christentum dagegen ist diese Offenbarung endgültig in der Menschwerdung Gottes erfolgt, in der „Inkarnation“.

Der Koran ist das unverfälschte Wort Gottes

An dieser Stelle zeigt sich übrigens ein großes Problem im Bezug auf einen Dialog der beiden Religionen. Während die historisch-kritische Exegese mit Quellenscheidung und τόποι-Untersuchungen in der christlichen Theologie unverzichtbar geworden ist, liegt eine solche Beschäftigung und Herangehensweise an den Koran den meisten Muslimen fern. Der bekannte Theologe und Koranexperte Hans Zirker hat dazu geschrieben: „Der Koran blickt zwar in die Vergangenheit zurück, hat aber nach muslimischer Einschätzung selbst keine historische Genese, der man fragend und forschend nachgehen könnte. Alles, was mit dem Koran übereinstimmt, ist Teil der ursprünglichen göttlichen Offenbarung; was sich davon unterscheidet, ist verfälscht.“
Allerdings muss man auch festhalten, dass es wichtige Deckungsgleichheiten gibt. Darüber beispielsweise, dass Maria eine Ausnahmestellung („Unbefleckte Empfängnis“, „Aufnahme in den Himmel“ etc.) unter den Menschen genießt, herrscht Einmut.
Aber in den abweichenden Stellen, greifen Verfechter einer sehr radikalen Interpretation des Korans oft auf den Vorwurf der Verfälschung zurückgreifen. Ganz nach dem Motto: „Früher, als ihr als „echte“ Christen noch an der Offenbarung Gottes nahe wart, hätte es keinen Grund zu streiten gegeben: Wir hätten dasselbe gemeint. Nun aber seid ihr nur deshalb anderer Meinung, weil die maßgeblichen Stellen für euch verfälscht sind. Als ein Beispiel mag hier die Gestalt Abrahams dienen. Der Islam misst ihm eine hohe Bedeutung bei, er soll sogar mit Ismael das Heiligtum in Mekka gegründet haben. Das Alte Testament in der Bibel, aus deren Inhalt ja Abraham eindeutig stammt, kennt diese Geschichte jedoch nicht. Trotzdem ist sie für die meisten Moslems wahr: Sie steht eben im Koran (Sure 2,125-128).

Eine Seite der berühmten Gutenberg-Bibel. (Foto: Public Domain)

Auch die christliche Deutung der Bibel muss überprüft werden

Allerdings muss man hier eines klar stellen: Es gibt in letzter Zeit absolut ernstzunehmende und stärker werdende Bestrebungen, entsprechende Koranstellen immer im Kontext zu sehen. So hat beispielsweise der Generalsekretär des Zentralrates der Muslime in Deutschland, Aiman Mazyek, auf die unterschiedliche Auslegung des Korans bezüglich des Selbstmordverbotes hingewiesen. Und Prof. Dr. Ömer Özsoy von der Universität in Frankfurt am Main hat festgestellt, dass nur etwa zehn Prozent dessen, was der Koran aussagen will, sich tatsächlich auch im Text finden lässt. Der Rest sei vor dem Hintergrund der jeweiligen Zeit interpretationsbedürftig.
Auch wir müssen kritisch auf das Bibelverständnis mancher Christen blicken. Die Kreationismus-Debatte ist das neuste und akuteste Beispiel für ähnliche Probleme. Auch wir, und das sollte jedem Christen fern jeglichem Hochmut bewusst sein, müssen unsere Positionen und religiösen Annahmen immer weder auf den Prüfstand stellen.

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