Die katholische Erlebniswelt, Papst und Kirche: Der fünfte Teil des Neuen Testaments: Die Offenbarung des Johannes

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Donnerstag, 24. Mai 2012 Dagmar, Ester
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Offenbarung des Johannes

Der fünfte Teil: Die Offenbarung des Johannes


Kaum ein Buch genießt einen so schlechten und finsteren Ruf wie die Offenbarung des Johannes. Die meisten Menschen kennen es nur als die Apokalypse und tragen dabei vor allem düstere Gedanken im Hinterkopf. Immer wieder haben die bildgewaltigen Texte Literaten und Filmemacher inspiriert. Eines der berühmtesten Beispiele ist „Der Name der Rose“ von Umberto Eco. Die vordergründige Handlung besteht aus einer Mordserie in einem Kloster. Das Muster: Die sieben Posaunen aus der Offenbarung des Johannes

Der erste Engel bläst die Posaune. Der Himmel öffnet sich und es fallen Hagel, Feuer und Blut auf das Land. Wo das Blut das Gras trifft, vernichtet es alles Grün. Ein Drittel aller Bäume werden verbrannt, ein Drittel des ganzen Landes ist zerstört. Und dann bläst der zweite Engel seine Posaune...
Es sind solche dunklen Bilder, die dem Menschen die Offenbarung des Johannes fremd machen. Die Bilder sind schauerlich und schrecklich. Bisweilen glaubt man, in einem biblischen Splatter-Movie gelandet zu sein. Ein Movie, das durch übermächtige Gewalten bestimmt wird, zwischen denen der Mensch hilflos auf den Ausgang des Kampfes abwarten muss. Liest man die Zeilen, so scheint das Ende der Welt kurz bevor zu stehen.

Ermutigung während der Verfolgung

Für den Verfasser – es ist umstritten, ob dieser identisch mit dem Apostel Johannes ist – und seine Zeitgenossen ist genau das die Situation. Man vermutet heute, dass die Schrift gegen Ende der Regierungszeit des Kaisers Domitian angefertigt oder zumindest in der nun vorliegenden Form zusammengestellt wurde. Unter Domitian gibt es lokale Christenverfolgungen und so richtet sich die Offenbarung an sieben Gemeinden in Kleinasien. Für diese scheint tatsächlich das Ende der Welt nicht mehr weit weg, wenngleich von großen und systematischen Christenverfolgungen nicht die Rede sein kann. Doch unter Domitian wird der Konflikt zwischen der Obrigkeit und den Christen immer deutlicher. Im 13. Kapitel, eines der berühmtesten, steigen zwei Tiere aus dem Meer. Das erste Tier hat zehn Hörner, sieben Köpfe, bekommt vom Drachen (Satan) die Macht übertragen und „öffnet sein Maul, um Gott und seinen Namen zu lästern, seine Wohnung und alle, die im Himmel wohnen.“ Dieses Tier ist eine klare Anspielung auf die römischen Machthaber, die „mit den Heiligen kämpfen und zu besiegen.“ Das zweite Tier dient dem ersten so, wie das erste Tier dem Drachen, also Satan, dient. Die gesamte Passage weist auf die Bedrohung durch Rom und die Erwartung eines Kampfes zwischen Christentum und Rom/Heidentum, zwischen Gut und Bösen, zwischen Gott und Satan hin. Das Ende ist berüchtigt und enthält eine der berüchtigsten Zahlenkombinationen der Geschichte: 666!

Zahlen als wichtige Symbole

Überhaupt spielen Zahlen in der Offenbarung eine große Rolle, die Querverweise und symbolischen Anspielungen nehmen immer wieder Bezug auf die verschiedensten Bibelstellen. Der Verfasser scheint sehr von Daniel und anderen prophetischen Büchern inspiriert, berühmt ist zum Beispiel das Bild der „Hure Babylon“ als Allegorie für die Gegner der Gläubigen, besonders natürlich Rom.
Die nahe Orientierung an den prophetischen Büchern des Alten Testamentes hat einen besonderen Grund: Die Offenbarung ist das einzige prophetische Buch des Neuen Testamentes. Heißt das also, dass dieses Buch ausschließlich ein Blick in die Zukunft, ein düsterer Verweis auf das nahende Ende ist? Nein! Zunächst einmal muss grundsätzlich klargestellt werden: Die Offenbarung des Johannes soll keine Angst verbreiten. Sie wurde geschrieben, um Hoffnung und neue Kraft zu geben, die momentane Krise durchzustehen. Der Sieg des Guten über das Böse  steht für den Verfasser fest. Der Grund: Jesus Christus. Durch seine Menschwerdung und Auferstehung wird das Übel in der Welt den kürzeren ziehen. Mit dieser Auffassung bestätigt Johannes den christlichen Charakter des Buches und räumt Vorwürfe aus, es handele sich um ein unchristliches Werk eines prophetischen Sehers. Die Tatsache, dass Johannes mit seinem Werk die Glaubensbrüder in Kleinasien ermutigen will, ist dabei gar nicht hoch genug einzuschätzen. Natürlich zieht die Offenbarung, eine erschreckende Bilanz, wenn sie verkündet: „Wer zur Gefangenschaft bestimmt ist, geht in die Gefangenschaft. Wer mit dem Schwert getötet werden soll, wird mit dem Schwert getötet. Hier muss sich die Standhaftigkeit und die Glaubenstreue der Heiligen bewähren.“

Am Ende siegt das Gute über das Böse

Doch am Ende der Apokalypse steht ganz klar: „Dann sah ich einen Engel vom Himmel herabsteigen; auf seiner Hand trug er den Schlüssel zum Abgrund und eine schwere Kette. Er überwältigte den Drachen, die alte Schlange - das ist der Teufel oder der Satan -, und er fesselte ihn für tausend Jahre.“ Und dann, über das Leben im „himmlischen Jerusalem“: „Es wird keine Nacht mehr geben und sie brauchen weder das Licht einer Lampe noch das Licht der Sonne. Denn der Herr, ihr Gott, wird über ihnen leuchten und sie werden herrschen in alle Ewigkeit.“

Simon Biallowons

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