Das Evangelium nach Lukas
Der Evangelist Lukas wird von der Tradition als Begleiter des Paulus beschrieben. Er soll Arzt gewesen sein, wahrscheinlich aus Antiochien. Lukas hat auch die Apostelgeschichte, die sich im Neuen Testament an die vier Evangelien anschließt, geschrieben. Die Tatsache, dass Lukas als Begleiter Paulus skizziert wird, erinnert ein wenig an das Markusevangelium. Auch dort wird eine Autorität, Petrus, herangezogen, um das Evangelium zu legitimieren.
Lukas lässt die Geschichte Jesu in drei großen Abschnitten spielen: Galiläa, die Reise nach Jerusalem und Jerusalem selber. Er stellt dabei Jesu Wirken in den großen Kontext, also erwähnt das Auftreten Johannes des Täufers und gibt konkrete zeitliche Angaben wie Jesu Alter bei seinem Auftreten, die Verknüpfung der Geburt Jesu mit der Volkszählung oder die Angabe des damaligen Statthalters. Es gibt dabei einen beträchtlichen Unterschied zu den beiden anderen Synoptikern: Lukas schreibt ein historisch orientiertes Literaturwerk, das sich speziell an christliche Leser richtet. Wie für ein damaliges literarisches Werk üblich, beginnt das Evangelium mit einer Widmung. Lukas schreibt, wie bei der Apostelgeschichte auch, für einen „Theophilus“. Es soll eine fundierte Grundlage bieten, damit Theophilus sich „von der Zuverlässigkeit der Lehre“ überzeugen kann, in der er unterwiesen wurde. Dennoch ist der Stil keinesfalls so „belehrend“ abgefasst, wie das zum Großteil bei Matthäus geschieht. Lukas verwendet literarische Kunstformen, damals durchaus üblich für Geschichtswerke. Dabei merkt man deutlich, dass Lukas als Arzt gebildet und in der griechischen Kultur und Sprache bewandert ist. Er verwendet kaum aramäische Wörter, sondern legt viel mehr auf griechische oder lateinische Termini Wert. Wir hatten gesagt, dass Lukas ein geschichtlich orientiertes Werk schreibt. Das heißt aber nicht, dass er eine neutrale Biographie im Sinn hat. Sein Werk ist ein Evangelium und will als solches den Leser mitreißen und den Glauben vertiefen.
Lukas setzt zu diesem Zweck auf eine klare Botschaft: Jesus ist der Heiland der Welt. Er will zeigen, dass die Botschaft Christi universal für alle Völker gilt. Diese entgrenzte Botschaft betont Lukas immer wieder. Das heißt, dass Lukas noch mehr Wert als die anderen Evangelien darauf legt, zu zeigen, dass Jesus allen Menschen hilft. Überhaupt ist das Bild Christi als Anwalt der Sünder, Außenseiter und Verzweifelten bei Lukas so präsent wie in keinem anderen Evangelium. Exemplarisch dafür sei das Gleichnis von der Drachme und vom verlorenen Sohn (Lk, 15, 8ff) zu nennen. Und noch eine wichtige Besonderheit weist das Evangelium nach Lukas auf: Es spricht als einziges auch von der Himmelfahrt Christi, die anderen beschränken sich auf die Auferstehung.
Lukas war wie erwähnt syrischer Arzt. Er verfasste den Text in erster Linie für gebildete Heidenchristen, die genaue Kirche oder Gemeinschaft bleibt allerdings unklar. Der Urtext ist wohl auf Griechisch geschrieben worden.