Die katholische Erlebniswelt, Papst und Kirche: Engel: Gottes treueste Diener

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Donnerstag, 24. Mai 2012 Dagmar, Ester
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Geistreich

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Engel: Gottes treueste Diener

Für viele ist es leichter, an Engel als an Gott zu glauben. Dabei wissen wir nur wenig über diese geheimnisvollen Wesen 

Schrecken und Verderben soll er bringen. Eine ganze Stadt zerstören, ohne Mitleid und ohne Gnade. Und es gibt nichts, was ihn daran hindern könnte. Nicht die Tatsache, dass es die heilige Stadt Jerusalem ist, die vernichtet werden soll. Und schon gar nicht das Weinen und Betteln der Bewohner.
Er hat von seinem Herrn einen Befehl bekommen, allein das zählt. Solche Gestalten kennen die meisten Menschen ausschließlich aus dem Kino, und niemand will ihnen wirklich begegnen. Dabei ist dieses Wesen das, was Millionen Gläubige herbeisehnen: ein Engel. Seine Geschichte steht in der Bibel im zweiten Buch Samuel.

Fast drei von vier Deutschen glauben laut einer Forsa-Umfrage an Engel. Zum Vergleich: Zu Gott bekannten sich nur 64 Prozent aller Befragten. Engel sind in Mode. Eine Mode, die das Christentum schon lange kennt. Papst Benedikt XVI. erklärte beim Angelus-Gebet am 1. März 2009: „Wir würden das Evangelium um einen bedeutenden Teil verkürzen, wenn wir diese von Gott gesandten Wesen vernachlässigten, die seine Gegenwart unter uns verkündigen und eines ihrer Zeichen sind.“ Häufig berichten Menschen über Begegnungen mit Engeln. Die wenigsten meinen dann ein Wesen wie in der Eingangsszene. Dabei können Engel Retter und Rächer, Warner und Mahner sein. Mit ihren Aufgaben und Rollen beschäftigt sich eine spezielle Teildisziplin der Theologie, die Angelologie.

Engel sind unverzichtbar für das Christentum

Die Ausgangslage ist klar: Wie auch der Islam und das Judentum ist das Christentum fest überzeugt von der Existenz der Engel.

Hier bringen Engel die Jungfrau Maria in den Himmel. Das steht aber nicht in der Bibel

Der Katechismus der Kirche sagt: „Die Existenz der Engel ist eine Glaubenswahrheit.“ Und erklärt weiter: „Das bezeugt die Schrift ebenso klar wie die Einmütigkeit der Überlieferung.“ In der Bibel gibt es zahlreiche Stellen, die von Engeln erzählen. Jedoch wird im Alten Testament manchmal nicht deutlich, ob „Engel“ nicht in Wirklichkeit eine Bezeichnung für „Gott“ ist: Während Moses seine Schafe weidete, „erschien ihm der Engel des Herrn in einer Flamme, die aus einem Dornbusch emporschlug.“ Später heißt es: „Als der Herr sah, dass Mose näher kam, um sich das anzusehen, rief Gott ihm aus dem Dornbusch zu: Mose, Mose! Er antwortete: Hier bin ich.“ Aufgrund dieser und ähnlicher Passagen vermuten einige Bibelforscher, dass man zu Beginn den Begriff „Engel“ benutzte, um unterschiedliche Erscheinungsformen des einen Gottes zu erklären. Ein Rache-Engel symbolisierte vielleicht den zornigen Gott, Erzählungen von Schutzengeln drückten wohl die Hoffnungen auf den liebenden Schöpfer aus. Das Problem an dieser Erklärung: Wenn sie stimmt, dann würde es Engel als eigene Wesen gar nicht geben. Sie wären nur Masken Gottes, unter denen er uns erscheint. Im Neuen Testament sind die Aussagen deutlicher. Im ersten Kapitel des Lukasevangeliums schickt Gott seinen wichtigsten Boten, Gabriel. Er soll der Magd Maria eine Nachricht überbringen. Gabriel findet sie, erscheint und verkündet ihr: „Fürchte dich nicht, Maria; denn du hast bei Gott Gnade gefunden. Du wirst ein Kind empfangen, einen Sohn wirst du gebären: dem sollst du den Namen Jesus geben.“ Die Trennung von Gott und Engel ist hier ganz klar. Im Gegensatz zu den Schilderungen, wie die Engel aussehen. Hier warnt der Katholische Erwachsenenkatechismus: „Ohne Zweifel drückt die Schrift die Lehre von den Engeln weithin in mythologischen Sprachformen und in den Vorstellungen der damaligen Zeit aus. (...) Deshalb müssen wir mit Spekulationen über die Zahl, die Art, die Unterscheidungen und Ordnungen (Chöre) der Engel zurückhaltend sein.“ Stattdessen sagt der Katechismus nur: „Dass es geistige, körperlose Wesen gibt, die von der Heiligen Schrift für gewöhnlich ,Engel’ genannt werden, ist eine Glaubenswahrheit.“

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Wie heißt dieser Engel? Was unterscheidet ihn von den "normalen" Engeln? Und was hat es mit dem "gefallenen Engel" auf sich? Klicken Sie auf das Bild, um unsere Engel-Bildergalerie zu sehen!

Das ist seltsam. Wenn Engel keinen Körper haben, warum werden sie dann mit Haaren, Händen und Flügeln dargestellt. Die populärste Antwort: Engel sind Geistwesen, können aber Körper annehmen. So erzählt die Bibel die berühmte Geschichte von Abraham und drei Männern, die ihn besuchen. Abraham bietet seinen Gästen Butter, Milch und Kalbfleisch an, und die greifen gerne zu – obwohl die drei Engel sind. Solche Erzählungen sind anschaulich und problematisch zugleich. Sie verleiten dazu, Engel zu vermenschlichen.

Die Engel essen Butter und Fleisch und trinken Milch

Eine solche Vermenschlichung ist menschlich. Nur so können wir uns vorstellen, was Engel sein könnten. Das ist in Ordnung, solange klar bleibt, dass es sich um Versuche handelt, Überirdisches in irdische Kategorien zu fassen. Über weitere Eigenschaften der Engel haben Theologen zahlreiche Spekulationen an- und viele Thesen aufgestellt. Zum Beispiel glaubt der heilige Thomas von Aquin, dass die Engel keine Sinne haben, sondern nur mit dem Intellekt erkennen. Da sie keinen Körper haben, sind sie unvergänglich und unsterblich. Raum und Zeit spielen für sie keine Rolle. 

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Der "gefallene Engel": Lucifer. Man stellt ihn sich als Drache mit mehreren Häuptern und Hörnern oder auch als riesige Schlange vor

Und ihr Wille ist nicht so wankelmütig wie der menschliche, sondern steht zu einer einmal getroffenen Entscheidung.

Lucifer entscheidet sich gegen Gott und wird böse

Das hat im Fall von bösen Engeln verheerende Konsequenzen. Engel sind von Gott geschaffen. Das ist wichtig: Da die Engel Geschöpfe sind, besteht ein grundsätzlicher Unterschied zu Gott, der Schöpfer ist. Das bedeutet, dass ein Engel nie auf Augenhöhe mit Gott sein kann, mag er auch noch so mächtig werden. Das gilt auch für einen der berühmtesten Engel überhaupt, für Lucifer.

Auch er wurde von Gott geschaffen und war am Anfang gut und treu. Doch dann kehrte er sich gegen Gott und wurde aus freier Entscheidung böse. Und da der Willensentschluss der Engel so fest ist, lebt Lucifer seit dem „Höllensturz“ im Kampf gegen Gott.
Ein Kampf freilich, der nicht zwischen zwei gleichstarken Widersachern stattfindet. Denn Gott ist einzigartig in seiner Allmacht und Lucifer immer sein Geschöpf. Das
kann und wird sich nie ändern. An der Geschichte Lucifers lassen sich viele Eigenschaften der Engel aufzeigen. Sie sind von Gott als gute Geistwesen geschaffen, aber haben die Freiheit, sich gegen ihn zu wenden. Die Geschichte
Lucifers ist außerdem eng verknüpft mit der eines anderen Engels: Michael.
Er wird im Brief des Judas als „Erzengel“ bezeichnet, und nimmt im Himmel eine ähnliche Stellung ein wie Petrus auf der Erde. So wie Petrus die irdischen Gefährten Jesu anführt, steht Michael an der Spitze der himmlischen Heer scharen und symbolisiert die wichtigste Eigenschaft eines Engels: die unbedingte Treue zu Gott.

Die beiden anderen Erzengel haben ebenfalls spezielle Rollen. Zudem wurde lange Zeit der Erzengel Uriel verehrt, bis das im Jahr 745 beim Konzil in Rom verboten wurde.
Die Begründung: Uriel kommt nur im apokryphen 4. Buch Esra, nicht aber in der Bibel vor. Engel stellen den Kontakt zwischen Gott und den Menschen her.

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Der Erzengel Michael soll angeblich am Jüngsten Tag Seelen wiegen

Nach der Lehre der Kirche können Engel unseren Alltag beeinflussen. Der Glaube an die Schutzengel drückt genau das aus. Schutzengel müssen keine Retter in langen Gewändern mit goldenen Flügeln sein.
Aber es reicht auch nicht zu sagen, dass irgendwelche Mächte wirken. Im Christentum werden Engel als Personen aufgefasst, die sich von Menschen unterscheiden. Aber auch sie haben Persönlichkeit, eine Identität.
Dazu gehört es, einer bestimmten Klasse von Engeln anzugehören.

Schon immer wurden Engel in eine Hierarchie eingeordnet. Der berühmteste Versuch stammt von dem Gelehrten Dionysius Areopagita. Er schrieb im 6.  Jahrhundert seine legendäre „Himmlische Hierarchie“: Die Engel ganz oben sind fast direkt bei Gott. Ihre Aufgabe ist der Lobpreis Gottes, wie es die zweite Strophe des berühmten „Großer Gott wir loben Dich“ beschreibt: „Alles, was dich preisen kann, Cherubim und Seraphim stimmen dir ein Loblied an.“

Engel sind ein Zeichen dafür, dass Gott uns nicht alleine lässt

Die Engel auf der untersten Stufe sind dagegen ist am weitesten von Gott entfernt – und trotzdem nicht weniger wichtig.Im Gegenteil, sie sind uns Menschen bedeutender als Cherubim und Seraphim.Schutzengel, die ganz unten in der Hierarchie stehen, prägen am ehesten unser Leben. Das zählt für uns am meisten und ist daher auch das Wichtigste am Engel-Glauben: Engel sind Gestalten der Liebe und Güte Gottes. Es mag helfen, wenn manüber ihre genaue Beschaffenheit nachdenkt. Am Ende aber zählt vor allem das, was der Psalm 91 beschreibt: „Dir begegnet kein Unheil, kein Unglück naht deinemZelt. Denn er (Gott, Anm. d. Red.) befiehlt seinen Engeln, dich zu behüten auf all deinen Wegen. Sie tragen dich auf ihren Händen, damit dein Fuß nicht an einen Stein stößt.“

An Engel glauben, heißt letztendlich auch an die Liebe und Hilfe Gottes glauben. Sie sind Zeichen dafür, dass Gott uns nicht alleine lässt. So wie es Papst Benedikt
XVI. ausdrückt: „Ein Engel ist der persönliche Gedanke, mit dem mir Gott zugewandt ist, und so der Ausdruck da für, dass Gott auch um mich ganz unmittelbar bekümmert ist.“

Simon Biallowons




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Die Kommentare der Liborius-User:


von Cantate

am Donnerstag, 29. Juli 2010

Danke, Herr Biallowons, für den höchst informativen Bericht über die "Engel: Gottes treueste Diener".

Sie schreiben

"Fast drei von vier Deutschen glauben laut einer Forsa-Umfrage an Engel. Zum Vergleich: Zu Gott bekannten sich nur 64 Prozent aller Befragten. Engel sind in Mode."

Dazu meine Gedanken:
Auch wenn dasselbe Wort "Engel" gebraucht wird, so handelt es sich doch inhaltsmäßig um verschiedene Dinge.
Da sind zum einen die "kritischen" Christen, die in der Bibel meist "symbolisch gemeinte" Figuren herauslesen und sagen "Engel sind ein Symbol für die Liebe Gottes oder für die Liebe und die guten Taten der Menschen".

Dann sind da die vielen Menschen, die glauben, dass es Engel gibt - aber in esoterischem Sinne: Engel sind Naturgeister, Geistwesen, die auf uns einwirken, die aber NICHTS mit Gott zu tun haben ! Diese "Engel" haben angeblich "Namen" und werden in der Esoterik auch "angerufen" und "beschworen". Das alles ist aber im Bereich des Aberglaubens anzusiedeln.
Man muss also eher sagen: An die Engel im biblischen, christlichen Sinn glauben die wenigsten Menschen,
an die esoterischen Geistwesen im abergläubischen Sinn dagegen sehr viele.

Noch ein interessanter Gedanke dazu: Je mehr aus dem kirchlichen Bereich das Geheimnisvolle, das Mystische verdrängt wird, umso mehr suchen es die Menschen im außerkirchlichen Bereich.

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