Wie kann man denn?
Mir wurde klar, dass viele Klischees und Vorurteile, die sich in mir zum Thema Ordensleben aufgebaut hatten, falsch waren. Letztlich geht es um nichts als Liebe. Das wichtigste Fundament, das uns alle im Kloster trägt, ist zunächst einmal die existentielle Erfahrung, dass wir von Gott bedingungslos geliebt sind. Diese Erfahrung lässt die Sehnsucht nach einer Antwort wachsen, zugleich auch die Sehnsucht, das eigene Leben immer mehr auf Gott auszurichten. Man ist unruhig, man will Schritt für Schritt weiter. Dieses Gefühl, persönlich angesprochen, gerufen zu sein, dieses Angerührtsein von Gott steht immer am Anfang. Das verbindet auch uns Schwestern untereinander. Die Entscheidung fürs Ordensleben ist eine Entscheidung für einen intensiven „Liebesweg“ mit Gott - und wo echte Liebe im Spiel ist, ist man nicht unfrei – ganz im Gegenteil.
Ihr erster Besuch im Kloster Arenberg, das heute sehr erfolgreich ein Gästehaus betreibt, hat sie in Ihrem Entschluss gefestigt, Ihr Leben ganz Gott zu widmen.
Ja, als ich Anfang 2003 das erste Mal herkam, war es aus mit mir. (Lacht) Eigentlich dachte ich damals gar nicht an einen Eintritt, es war vielmehr die Suche nach einer geistlichen Begleitung, die mich nach Arenberg führte. Doch hier lernte ich auf einmal Schwestern kennen, die eine tiefe innere Freude ausstrahlten und so gar nicht meinen Lieblings-Klischees entsprachen, die ich mir im Laufe der Zeit aufgebaut hatte. Im ersten gemeinsamen Chorgebet hatte „es“ mich dann voll erwischt, ich spürte, ich muss diese Spur weiterverfolgen, wenn ich ehrlich zu mir selbst sein will. Das tat ich dann auch, und je mehr ich mich mit den Evangelischen Räten der Armut, des Gehorsams und der Jungfräulichkeit beschäftigte, desto mehr erkannte ich: Das ist ein Weg, der wirklich in die Freiheit und ins Leben führen kann.
Erklären Sie uns das bitte genauer. Inwieweit kann Armut befreiend sein?
Zunächst einmal muss man sehr genau zwischen unfreiwilliger materieller Armut (die es auf jeden Fall zu bekämpfen gilt) und unserer freiwillig gelebten Armut unterscheiden. Keine von uns kann behaupten, in materieller Hinsicht wirklich arm zu leben. Wir haben alle zu Essen, sind abgesichert, wir haben alle ein warmes Bett zum Schlafen. Aber wir bemühen uns trotzdem, solidarisch mit den Armen zu sein und unser Leben so einfach wie möglich zu halten. Alles Wesentliche ist uns geschenkt, wir sagen „Danke“ für dieses Geschenk des Lebens. Die Haltung der Armut bedeutet viel mehr, uns unseres radikalen Verwiesen-Seins auf Gott bewusst zu sein. Im Laufe unseres Lebens häufen wir bewusst oder unbewusst eine Menge Reichtümer an, sei es in materieller oder auch in geistiger Hinsicht, die mehr lebenshindernd sind, als dass sie uns wirklich glücklich machen würden. So gilt es zum Beispiel auch den „Reichtum schlechter Erfahrungen“ immer wieder neu loszulassen statt sich daran festzubeißen. Immer wieder neu beginnen.