Er lebte in völligem Frieden mit sich, seinem Partner und der Natur. Diesen Urstand hat der Mensch verloren, als er von den Früchten des verbotenen Baumes aß. Diese Allegorie aus dem Buch Genesis besagt: Gott hat die Welt perfekt geschaffen – der Mensch ist schuld, dass er nicht mehr in diesem Urstand lebt. So soll die Erzählung vom Paradies einmal erklären, weshalb es Leid auf der Erde gibt. Und sie soll zeigen, dass der Ursprung des Menschen gut ist und seine Zukunft (siehe unten) gut sein wird.
Kommen wir ins Paradies?
Viele hoffen auf das Paradies. In der Bibel findet sich immer wieder die Verheißung dieses Ortes. Jesus selbst verspricht einem der zwei Verbrecher, die neben ihm gekreuzigt werden: „Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein.“ Damit ist aber nicht das „verlorene“ Paradies gemeint, sondern das, was man Himmelreich oder Gottesreich nennt. In diesen Begriffen wird die Hoffnung des Menschen deutlich: ein Leben mit und bei Gott. Deshalb sagt Jesus im Johannesevangelium: „Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen.“
Der Himmel ist kein Ort, sondern in erster Linie ein bestimmter Zustand. Dieser Zustand ähnelt zwar dem, den der Mensch auch im Paradies hatte. Also ein Leben ohne Krankheit und Tod, versöhnt mit sich und anderen Menschen, und in einer ungestörten Verbindung mit Gott. Und dennoch: Es geht nicht um eine Rückkehr in alte Gefilde, sondern um eine ganz andere, ganz neue Art von Paradies – eben das Reich Gottes.
Gibt es ein Paradies auf Erden?
Nein. Trotzdem gab es gerade im Mittelalter diese Vorstellung. So war der Glauben an ein „neues Jerusalem“ weit verbreitet. Diese Vorstellung geht zurück auf eine Stelle aus der Offenbarung des Johannes. Dort wird das neue Jerusalem detailliert beschrieben. Diese Angaben sind sehr genau, von den zwölf Grundsteinen bis hin zu einer hundertvierundvierzig Ellen hohen Mauer. Während der Kreuzzüge diente der Traum vom neuen Jerusalem als Motivation für die Soldaten. Später griffen auch die Münsterschen Täufer diese Vorstellung auf. Mit dem Paradies aus der Genesis oder dem Himmelreich hat das jedoch nichts zu tun. Denn so sagt Jesus: „Mein Königtum ist nicht von dieser Welt.“
Simon Biallowons