1. Eine glaubhafte Nachfolge Christi muss auch die Nachahmung seiner Lebensform bedeuten.
2. War Jesus ein trauriger, einsamer Mann, weil er nicht verheiratet war? Nein. Das unbedingte Vertrauen auf Gott kann gerade eine besondere Form der tiefen Lebensfreude bedeuten.
3. Ehe und Priestertum bedeuten beide ein gottgeweihtes Leben – mit seiner ganzen Lebensweise kann der Priester nicht auf beides setzen. Seine Hingabe wäre nicht mehr eindeutig, wenn er verheiratet wäre.
4. Was wäre, wenn der Priester die freie Wahl zwischen Zölibat und Ehe hätte? Domherr Christoph Casetti, Pressesprecher des Bistums Chur, sagte einmal in einem Interview mit kath.net: "Für den einzelnen Priester würde es schwieriger, sich für den Zölibat zu entscheiden und diese Entscheidung durchzuhalten, da mit einem Druck der Gemeinden zur Ehe hin zu rechnen wäre. Das jedenfalls war die Erfahrung der evangelischen Kirche."
5. Wir sind die Familie, die Pfarrkinder des Priesters! Es gibt niemanden zwischen uns. Er kann sich uns ganz widmen – und will ganz für uns da sein.
6. Natürlich gibt es auch praktische Vorteile: Es besteht nicht die Gefahr einer Scheidung, die womöglich auch die Gemeinde spalten könnte.
7. In der öffentlichen Diskussion wird der Zölibat, der ja Ehelosigkeit bedeutet, oft auf "Keuschheit" reduziert, die wider die Natur sei. Hiermit wird das Thema der Sexualität eigentlich überbewertet. Was an der Entscheidung, zölibatär zu leben, doch eigentlich zu bewundern ist: Er entscheidet sich für ein Leben ganz mit Gott. Und ganz für die Gläubigen. Wir alle kennen Priester, deren Klarheit, deren Wille uns deshalb ein großes Vorbild im Glauben sind.
8. Es gibt vielfältige Möglichkeiten auch für einen Verheirateten, sich in der Kirche zu engagieren: etwa als Diakon, dessen geistliche Ämter ja auch Verkündigung, Gottesdienst etc. einschließen: Sie dürfen beispielsweise Menschen taufen, trauen, einsegnen.
9. Ja, viele scheitern am Zölibat – aber ist das Grund genug, ihn abzuschaffen? "Die Mühsal, die Ehe wirklich zu leben, ist letztlich auch keine geringere", sagte Papst Benedikt XVI. einmal. Er sieht zwischen der Krise des Zölibats und der Krise der Ehe einen Zusammenhang.
10. Der Priester versteht unsere Beziehungsprobleme nicht, weil er selbst nicht in einer Partnerschaft lebt? Wenn wir das geistliche Gespräch suchen, geht es uns nicht darum zu hören: "Das geht mir auch oft so!" Wir suchen nach dem richtigen Weg, wir suchen nach Hilfe, die richtige Perspektive zu finden. Wir wollen hellhörig werden für das, was Gott uns sagen möchte.