Die katholische Erlebniswelt, Papst und Kirche: Kinder im Gottesdienst - wie kann man sie einbinden ?

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Donnerstag, 24. Mai 2012 Dagmar, Ester
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Kinder in der Kirche

Streitpunkt: Kinder in der Kirche

Stundenlang sitzen und leise sein – das ist nichts für Kinder. Der Streit um Kinder in der Kirche spaltete schon Gemeinden. Welche Lösungen Pfarrer finden und wie Kinder den Gottesdienst interessant erleben können.

Ein kleines Mädchen unterhält sich laut mit seiner Mutter – mitten im Gottesdienst. Der Pfarrer fühlt sich gestört. Nach seiner ersten Bitte um Ruhe fragt er die Mutter der Dreijährigen, ob sie die Predigt übernehmen wolle. Die Frau verlässt weinend den Gottesdienst. Es kommt zum Streit in der Gemeinde: Die einen sind nicht bereit, die Predigt wegen eines quengelnden Kindes stören zu lassen.

Eklat in der Kirche – Vorfall spaltete Gemeinde

Die anderen fordern mehr Verständnis von dem Geistlichen. Rund 40 der 500 Gottesdienstbesucher folgen Mutter und Tochter aus der Kirche. Der Streit im Gottesdienst, der sich 2009 auf Sylt zugetragen hat, spaltete tatsächlich die Gemeinde. Dass der Vorfall so viele Gemüter erhitzte, zeigt, dass Kinder und Kirche immer noch nicht selbstverständlich zusammenpassen.

Wenn der Gottesdienst zur Qual wird

Viele Eltern, die ihre Kinder im Glauben erziehen möchten, erleben, wie schnell der Gottesdienstbesuch zur Qual wird: Wenn sich ihr Kind langweilt und laut wird, ist das den Eltern unangenehm. Sie versuchen verzweifelt, es zu beruhigen, oder sie gehen hinaus und verpassen die Predigt.

Das muss nicht sein, finden Pater Korbinian und Gemeindereferentin Sabine Leitl. Jeden Sonntag laden beide zur Kindermesse in die Münchner St.-Bonifaz-Basilika ein. „Hier sollen Eltern und Kinder ein geistliches Zuhause finden“, sagt Pater Korbinian. Die Lieder, die Katechese, die ganze Form der Messe will gezielt Kinder ansprechen. Sie sollen dadurch den Weg in die Gemeinde finden und erste Schritte des Glaubens tun.

Ist eine Kindermesse die Lösung?

Tatsächlich zieht jeden Sonntag eine Schar von etwa 30 Ministranten in die Kirche St. Bonifaz. Während der Messe verrichtet jeder von ihnen einen Dienst, egal wie klein dieser erscheinen mag: das Kreuz oder die Kerze tragen, den Messwein bringen oder die Kollekte einsammeln. Aber auch die übrigen Kinder werden eingebunden. Mitten in der Messe gehen sie zum Altar, wo zuvor ein weicher Teppich ausgerollt wird. Dort erleben sie den Katechismus mit Bewegungsliedern und Ratespielen. Beim Vaterunser kommen die Eltern dazu, und alle begleiten gemeinsam das Gebet mit Gesten. Auch bei den freien Fürbitten darf sich jeder einbringen. „Bei den ganz Kleinen kommt oft nur ein Wort heraus, später trauen sie sich, in ganzen Sätzen zu sprechen“, sagt Leitl.

Dass dabei oft Unruhe, Lärm und manchmal auch Gezänk unter den Kindern herrschen, stört keinen. „Es tut sich nicht die Erde auf, wenn ein Kind auf dem Boden liegt und schreit“, sagt die Gemeindereferentin. Für Pater Korbinian ist der Geräuschpegel nichts Außergewöhnliches mehr. Er feiert die Messe seit acht Jahren so und ist stolz darauf, dass viele Familien die offene Atmosphäre schätzen.

Familien schätzen offene Atmosphäre

Genau aus diesem Grund kommen auch Michael und Inge Nausch mit ihren vier Kindern zu St. Bonifaz. „Der klassische Sonntagsbraten fällt bei uns aus“, sagt Vater Nausch. Fast jeden Sonntagmorgen fährt die Familie 30 Kilometer aus Pliening nach München. Und das schon seit über 14 Jahren. „In unserer Heimatgemeinde gibt es höchstens ein paar Kinderlieder im Jahr“, kritisiert Nausch. In St. Bonifaz dagegen haben seine sieben und zwölf Jahre alten Söhne Spaß. Ebenso seine 14-jährige Tochter, die dort ministriert. Und falls die zweijährige Lea doch einmal zu laut weint, haben die Eltern die Möglichkeit, den Gottesdienst über Lautsprecher in der Werktagskirche zu verfolgen.

Es tut sich nicht die Erde auf, wenn ein Kind schreit

Ein anderes Konzept bietet jeden zweiten Sonntag die Münchner Gemeinde St. Ursula an. Seit über zehn Jahren besuchen die kleinsten Kirchgänger den Kinderbibelgarten. Während ihre Eltern in Ruhe der Predigt folgen, bringen ehrenamtliche Mitarbeiter das Kirchenjahr spielerisch den Kindern nahe. Stefanie Kelly ist eine von ihnen. Ihre Themen findet sie vor allem in den anschaulichen Geschichten des Alten Testaments: „Die Geschichte über die Arche Noah oder den heiligen Christophorus, der das Christuskind über den Fluss trägt, finden die Kleinen besonders spannend.“

„Jedes Kind muss seine eigene  Welt der Bibel entdecken“ Stefanie Kelly, ehrenamtliche Mitarbeiterin des Kindergartens in St. Ursula, München

Damit die Kinder ihre Phantasie benutzen können, arbeitet Kelly viel mit Tüchern und Puppen. Dazu trägt sie die biblische Erzählung in einfacher Sprache vor und regt Kinder zum Spielen, Malen oder Basteln an. „Es ist wichtig, dass jedes Kind seine eigene Welt der Bibel entdeckt“, betont Kelly.

Junge aktive Gemeinde

Pfarrer David Theil freut sich über seine junge aktive Gemeinde. „Über 100 Taufen jährlich finden in St. Ursula statt“, sagt er stolz. Manchmal entdecken Erwachsene erst durch ihre Kinder den Glauben selbst ganz neu. Und Kinder, die sich einmal in der Kirchengemeinde wohl fühlen, sind die aktiven Gemeindemitglieder von morgen.

Julia Walker

Interview: „Gottesdienste sind nicht zu langweilig“

Angela Reinders, Diplom-Theologin, Mutter von drei Töchtern und Autorin des Buches „Kinder brauchen Gott“, zum Thema religiöse Erziehung

Was bringt religiöse Erziehung?

Als Eltern hat man es in der Hand, welche Werte man seinen Kindern mit auf den Weg geben möchte. Wer sein Kind religiös erzieht, zeigt ihm, dass es mehr im Leben gibt als nur Konsum, mit dem es ja auch früh konfrontiert wird. Ich habe bei meinen Kindern die Erfahrung gemacht, dass sie durch den katholischen Glauben Antworten auf Fragen finden, auf die Gleichaltrige nichts zu erwidern wissen – etwa auf Fragen nach dem Tod.

Wie kann man Kindern Glauben vermitteln?

Da helfen kleine Rituale im Alltag: Ein Kreuzzeichen auf die Stirn machen, wenn das Kind morgens aus dem Haus geht, abends oder am Mittagstisch gemeinsam beten, Bilderbücher anschauen, die Geschichten aus der Bibel erzählen.

Ab welchem Alter kann man Kinder mit in den Gottesdienst nehmen?

Unsere Älteste ist an einem Sonntag geboren. Zwei Wochen später habe ich sie schon mit in die Kirche genommen. Grundsätzlich sind Kinder nie zu klein dafür. Wie viel sie tatsächlich von einem Gottesdienst mitbekommen und in Erinnerung behalten, ist aber schwer zu sagen. Das ist von Kind zu Kind verschieden. Und es ist auch von Pfarrer zu Pfarrer unterschiedlich, wie willkommen Kinder im Gottesdienst sind.

Was haben Sie getan, wenn ihre Töchter in der Kirche zu quengeln anfingen?

Meistens bin ich hinausgegangen. Man hat ja selbst nichts von der Messe, wenn man nur auf das Kind konzentriert ist.

Ist ein normaler Gottesdienst nicht viel zu langweilig für Kinder?

Nach meiner Erfahrung: Nein. Ich glaube, für Kinder ist das Ritualisierte sehr wichtig. Sie wollen ja auch immer wieder an den gleichen Ferienort fahren oder das Gleiche essen. Auch ein Gottesdienst bietet vertraute Routine. Wichtig ist, dass Eltern den Gottesdienstbesuch nicht als lästige Pflichtübung vermitteln, sondern als etwas, das den Sonntag besonders macht und ihnen selbst etwas bedeutet.

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Die Kommentare der Liborius-User:


von Stefan Neudorfer

am Dienstag, 11. Oktober 2011

Bei uns in Maria Ramersdorf (München) sind Kinder immer mit dabei und die Pfarrei sagt dazu: Kinder gehören zu uns.
So kommt es schon mal vor das ein Kind halt etas lauter ist und vielleicht sogar auf den Gang läuft. Ich finde es schön, zeigt es doch wie lebendig das Leben ist.
Deshalb gehe ich seit Jahren gerne mit meiner Tochter (6) in den Gottesdienst und es freut mich das es auch andere Familien mit dabei sind.

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