„Das stimmt schlichtweg nicht. Von der Kirchensteuer etwa in München entrichtet sich rund ein Prozent an den Vatikan und die Deutsche Bischofskonferenz“, erklärt Pater Stephan Lipke SJ von der Glaubensorientierung St. Michael.
Deutsche Bischofskonferenz: Die Gelder helfen, die Aufgaben der Bischofskonferenz zu unterstützen oder auch die päpstliche Nuntiatur in Berlin zu finanzieren.
Vatikan: Ein Teil des Geldes wird für die dortigen Gehälter verwendet. „Es arbeiten ja ein paar Tausend Leute im Vatikan, man kann sich vorstellen, wie viele ,Hausmeister’, Küster, Sicherheitsbedienstete, Reinigungskräfte u. a. man allein für den Petersdom und die Vatikanischen Museen braucht“, so Pater Lipke. Die päpstlichen Behörden sind verhältnismäßig klein. In der Glaubenskongregation oder ähnlichen Behörden arbeiten hauptberuflich nur um die 20 Leute, inklusive Sekretärinnen, etc. Ein Teil der Kirchensteuer fließt außerdem in die Gehälter der dortigen Priester, die wesentlich niedriger sind als die Gehälter der deutschen.
Ein Großteil der Kirchensteuer wandert in die Erhaltung von Kunstschätzen, dazu zählen aber nicht nur alte Bilder, sondern auch die Instandhaltung der Kirchen. „Sie gehören somit wirklich uns allen. Hier erkennt man deutlich, dass die Kirchensteuer ein Beitrag zur Allgemeinheit ist. Es ist nicht allein Sache des Staates, sich um die Kirchen zu kümmern“, so Pater Lipke.
Ein weiterer Großteil fließt in Gehälter für Seelsorger und andere kirchliche Mitarbeiter sowie Caritas-Personal. Würde kein Geld aus der Kirchensteuer mehr in die Caritas fließen, würde diese zwar nicht zusammenbrechen – ihre Struktur in dieser Form aber könnte nicht bestehen bleiben: „Man müsste die Beiträge erhöhen und das Programm herunterfahren. Bei der Caritas sieht es ja so aus, dass ein gewisser Anteil beim Träger bleibt. Natürlich ist die Altenpflege kostenpflichtig. Die Schuldnerberatung hingegen ist gratis. Würde die Kirchensteuer wegfallen, müsste die Caritas bei jeder Aktivität das Grüne Licht vom Staat abwarten, ob die Sache auch refinanziert wird. Sie hätte keine Möglichkeit mehr, selbst aktiv zu werden“, so Pater Lipke. Für katholische Kindergärten und Schulen gilt übrigens: Etwa sieben Prozent der Kosten – je nach Bundesland – liegen bei der Kirche.