Die katholische Erlebniswelt, Papst und Kirche: Sind Katholiken bessere Menschen?

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Donnerstag, 24. Mai 2012 Dagmar, Ester
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Fragen und Antworten

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Die Zahl der Kirchenaustritte steigt in den letzten Jahren. Warum treten Menschen aus? Pater Stephan Lipke SJ von der Glaubensorientierung St. Michael in München steht in Kontakt mit Menschen, die einen Ein- oder Austritt erwägen: Lesen Sie hier die Top-Gründe, die Menschen zum Austritt bewegen – und was die Kirche zu darauf zu entgegnen hat!

 


„Katholiken und andere Kirchgänger halten sich für bessere Menschen“

„Diesen Vorwurf hört man tatsächlich immer wieder“, weiß Pater Lipke, „dazu kann man klar sagen: Die Kirche weiß, dass nur Gott ein Urteil über das Innere der Menschen fällen kann. Nur Gott weiß, wer ein guter Mensch ist. Entsprechend sagte Augustinus: ,Viele, die drinnen sind, sind draußen, und viele, die draußen sind, sind drinnen.’ Aber: Wir glauben schon, dass das regelmäßige Beten, das Empfangen der Kommunion und die Beichte einen Menschen verändern können. Sie können helfen, ihm zum Guten zu entwickeln. Wer sich mit dem Leben, den Worten und den Taten Jesu verbindet, kann Jesus ein wenig ähnlicher werden. Das, glauben wir, geschieht in den Sakramenten. Es geschieht aber nicht, wenn jemand das bloß äußerlich mitvollzieht, sondern nur wenn er mit dem Herzen dabei ist. Oder wie Paulus sagt: ,Wenn ich in Menschen- und in Engelszungen redete,
hätte aber die Liebe nicht,
wäre ich ein dröhnendes Erz und eine klingende Schelle’“ (1 Korinther 13,2).

 

„Die Kirche unterbindet die Meinungsfreiheit“

„Die Kirche befürwortet, dass jeder seinem Gewissen folgt. Jeder ist frei, seine Meinung zu sagen, auch im Inneren der Kirche. Mehr noch: Es ist sogar Pflicht des Katholiken, die Kirche auf Fehlentwicklungen aufmerksam zu machen“, so Pater Lipke. Benedikt XVI. betont entsprechend in „Dogma und Verkündigung“, der einfache Glaube der lebendigen Kirchen habe Instanzcharakter. Unter Umständen erfasse er „den Kern zentraler als es die in viele Einzelschritte und Einzelkenntnisse zerteilte Reflexion tut.“

Natürlich müsse man aber unterscheiden, erläutert Pater Lipke: „Etwa kann man völlig unterschiedlicher Meinung sein, ob die Ernennung eines Bischofs die richtige Entscheidung war. Es gibt aber, wenn man so will, eine ,Grenze’ der Meinungsfreiheit, wenn es nämlich um die Identität eines katholischen Christen geht. Jeder ist frei, nicht an Jesus als Sohn Gottes zu glauben, aber dann muss man auch eingestehen, dass man kein katholischer Christ ist.“ Von dieser Einschränkung mache die Kirche gelegentlich Gebrauch, wenn etwa einem Theologieprofessor die Lehrerlaubnis entzogen wird: „Er kann sagen, was er will, aber nicht, wenn er dabei vorgibt, im Namen der Kirche zu sprechen. Hier kommt auch eine Exkommunikation in Frage – allerdings wirklich nur in sehr, sehr drastischen Fällen“, so Pater Lipke.

 

„Ich glaube nicht alles, was die Kirche sagt und tut“

„Man muss nicht alles verstehen, was die Kirche tut. Und man darf, ja muss sie vielleicht auch mal kritisieren. Allerdings: Man darf auch seine Mutter kritisieren, würde sie aber nicht in aller Öffentlichkeit durch den Dreck ziehen, auch wenn ich ihr hinter verschlossenen Türen noch so deutlich die Meinung sagen muss.“ Insofern sei nicht die Freiheit, sondern die Liebe der höchste Wert für Christen, betont Pater Lipke. Ein Christ solle von seiner Freiheit nicht Gebrauch machen, um zu zerstören, sondern um zu helfen. Dazu gehört für ihn auch ein kritischer Umgang mit den Medien und sich genau zu informieren: „Wenn alles wahr wäre, was die Medien über die Kirche verbreiten, könnte ich auch nur schwer hinter ihr stehen“.

Das Entscheidende sei, den Inhalt des Glaubens zu bekennen und dazu zu stehen. „,Ich glaube an Gott, den Schöpfer des Himmels und der Erde’ bedeutet etwa: Ich muss nicht jede alte Vorstellung übernehmen, wie genau und dass die Erde in sechs Tagen erschaffen wurde. Aber dass sie durch Gott erschaffen wurde, darum geht es.“

 

„Ich gehe ohnehin nie in die Kirche, also kann ich ebenso gut austreten.“

Die Tore der Kirche stünden jedem offen, betont Pater Lipke, und zwar immer. „Man sollte außerdem bedenken, ob es nicht Situationen gibt, in denen die Kirche wieder an Bedeutung gewinnt.“ Eine solche „Situation“ ist für viele die Hochzeit: Ist nicht zumindest einer der Partner katholisch, ist eine katholische Hochzeit nicht möglich. Ähnliche Schwierigkeiten ergeben sich, wenn das Kind getauft werden soll, dies lasse sich aber durch die Paten auffangen, sofern diese katholisch sind „Tatsächlich ist dies der häufigste Anlass für Ausgetretene, wieder in die Kirche einzutreten: wenn sie ein Patenamt übernehmen wollen.“ Ausgetretene können auch keine Sakramente mehr empfangen und bekommen in der Regel kein kirchliches Begräbnis.

An diesen Etappen des Lebens – Taufe, Hochzeit, Begräbnis , auch aber bei Schicksalsschlägen und in der Zeit der Trauer zeige sich für viele dann doch: Die Kirche ist ein wichtiger Bestandteil des Lebens.

 

Interviews: Antonia Groll




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