„Das ist ein falsches Verständnis der ,Unfehlbarkeit’. Viele meinen, dieses Dogma bedeutet: Der Papst ist generell unfehlbar, irrt sich nie und sündigt auch nicht“, so Pater Lipke. Tatsächlich komme das Dogma nur dann zur Anwendung, wenn der Papst „ex cathedra“, also „mit oberster Lehrautorität“ spricht. Das war in der Geschichte bisher einmal der Fall (1950: Papst Pius XII.).
„Der Größte unter euch soll werden wir der Kleinste, und der Führende soll werden wie der Dienende“, zitiert Pater Lipke aus dem Evangelium (Lk 22,26). „Das erinnert stark an die Worte, die Benedikt XVI. nach seiner Wahl zum Papst fand, er sehe sich als ,Diener im Weinberg des Herrn’. Das gilt als Anspruch, und wir alle wissen, dass wir versagen vor diesem Anspruch – Priester Bischöfe, aber natürlich auch Eltern vor ihren Kindern oder Vorgesetzte (auch wenn sie überzeugte Christen sind) vor ihren Mitarbeitern.“ Diese „Unheiligkeit“ der Kirche betont gerade Papst Benedikt XVI. immer wieder: Gott habe sich zerbrechlichen Gefäßen anvertraut. „Daß er mit der Kirche ein erschreckendes Risiko eingegangen ist. Er hat sich in Hände gegeben, die ihn immer wieder verraten. Und er hat uns die Möglichkeit gelassen, zu fallen und zu verfallen, so daß er dann gerade durch die unfähigen Werkzeuge hindurch dennoch immer wieder selber die Kirche erhalten muß.“
Ein Titel des Papstes laute, so Pater Lipke: Diener der Diener Gottes. So war es eigentlich nur konsequent, dass Benedikt XVI. in seinem Wappen die bis dahin übliche Tiara (Symbol der Macht) durch die Mitra, Zeichen des bischöflichen Dienstes, ersetzte. Der Bischof von Rom habe zwar eine besondere Position, „aber er ist auch nicht etwas völlig anderes als die anderen Bischöfe. Dies ist ein wichtiger Punkt, wenn es um die Ökumene mit den Orthodoxen geht.“