Warum ist Christi Himmelfahrt für uns ein fröhliches Fest? Eigentlich ist es doch traurig, dass Jesus die Menschen nun verlässt.
Für die Apostel war es auch ein bedrückendes Ereignis, sie ziehen sich betrübt zurück. Nach der Himmelfahrt ist Jesus nicht mehr erfahrbar. Erst zehn Tage später, an Pfingsten, erfüllt der Geist Gottes sie. Sie wissen, sie müssen das Werk Jesu weiterführen – nur deshalb gibt es heute das Christentum. Der Auferstandene hat den Aposteln aufgetragen: Geht hinaus in alle Welt und tauft alle im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. In diesem Zusammenhang, in dieser österlichen Zeit zwischen Ostern und Pfingsten, wird Christi Himmelfahrt zu einem frohen Ereignis.
Es ist wünschenswert, dass dieser Grundgehalt wieder mehr durchscheint: Leider geht das Bewusstsein für die eigentliche Bedeutung unter. Das spürt man als Priester und Gemeindeseelsorger: Für viele ist dieser Feiertag nur noch der „Vatertag“.
Welche Bedeutung kann Christi Himmelfahrt denn für das Leben jedes einzelnen Christen haben?
Die Hoffnung ist die, dass Jesus von der Endgültigkeit des Seins auf uns wirkt. Er ermutigt die Menschen. Er drängt sie, das, was er aufgetragen hat, zu vollziehen. „Liebt einander, so wie ich euch geliebt habe“: Diese Liebe sollen wir bezeugen. Das gilt für uns Ordensleute gegenüber der Gemeinschaft und den Gläubigen. Das gilt für Eltern gegenüber ihren Kindern, etc. Die Liebe des Auferstandenen strahlt auf uns aus und muss weitergegeben werden: mit den Stärken und Talenten, die Gott einem jeden von uns geschenkt hat.
Ist das auch ihr ganz persönliches Erleben von Christi Himmelfahrt?
Ja, ich feiere diese Liebe an Christi Himmelfahrt. Es kommt aber noch etwas für mich hinzu: Wenn jemand weggeht, gibt man ihm einen besonderen Auftrag mit. Ich gebe Jesus meine persönlichen Bitten mit. Und auch die Kirche ruft um gute Witterung, fruchtbare Ernte – auf dass die Bitte „Unser tägliches Brot gib uns heute“ in die Tat umgesetzt werde. Daher wird in vielen Gottesdienst an Christi Himmelfahrt auch der Wettersegen erteilt, eine besondere Bitte um das Gedeihen der Früchte und eine gute Ernte.
Interview: scj.de