Die katholische Erlebniswelt, Papst und Kirche: Kinderfragen zum Fasten

Liborius Verlagsgruppe Bayerisches Sonntagsblatt Liborius Magazin Liboriusblatt
Donnerstag, 24. Mai 2012 Dagmar, Ester
Augenblicke|Das Magazin|Nachrichten|Wissen|Unser Glaube|Specials|Forum|E-Cards|Spiele

Etappen Ihres Lebens: Taufe | Kommunion | Firmung | Ehe | Trauer

Drucken | Versenden | Mail an die Redaktion

Fastenzeit

Wüste (Foto: istock)

 

Warum soll man auf Schönes verzichten?

Die Ordensfrau Schwester Jordana und der Jugendpfarrer Gregor Jansen beantworten Fragen von Kindern und Jugendlichen rund ums Fasten.

?: Seit wann gibt es das Fasten?
Schwester Jordana: Schon vor unserem christlichen Glauben haben die Menschen gefastet. In der Bibel wird zum Beispiel von der Stadt Ninive berichtet, dass die ganze Stadt fastete, um Gott umzustimmen, damit er die Stadt nicht zerstört. Und Gott hat die Stadt verschont.
Jansen: Früher haben die Menschen vor wichtigen Entscheidungen oder um Not vom Volk abzuwenden, ein Fasten ausgerufen. Und zwar aus ganz verschiedenen Motivationen: Oft ging es darum, die Gottheiten zu besänftigen oder eine drohende Katastrophe (die als göttliche Strafe interpretiert wurde) zu verhindern. Mit dem Fasten wollte man sich eine „göttliche Gegenleistung verdienen“.

?: Warum soll man überhaupt fasten?
Schwester Jordana: Fasten reduziert Körper und Geist auf Wesentliches. Heute fasten Menschen, um gesund zu werden, und aus religiösen Gründen.
Jansen: In alttestamentlichen Zeiten hatte Fasten oft mit Buße und Umkehr zu tun: Es geht nicht nur um Verzicht, sondern um die Änderung des Lebens, von der ich selbst und andere profitieren. Das ist auch der Hintergrund des Fastens im Christentum. Es geht darum, sich frei zu machen von Gewohnheiten, die mich sonst stark in Anspruch nehmen. Und es geht um Verzicht aus Solidarität mit Menschen, die weniger haben. Der Verzicht wird zum Teilen.

Der Wiener Jugendpfarrer Gregor Jansen und die Dominikanerin Schwester Jordana. (Fotos: privat)

?: Was bringt es, wenn man fastet?
Schwester Jordana:
Manche sagen, dass dann ihr Geist freier und ihr Körper fitter wird. Die Fastenzeit ist eine Chance, bewusst Dinge zu ändern, die mich stören und die meine Beziehung zu anderen Menschen und zu Gott belasten. Fasten als Chance sehen – das finde ich gut. Dann hat das nichts Schweres, sondern ich bekomme MEHR durch WENIGER. Beim Fasten aus religiösen Gründen zeigt man, dass man freiwillig zu etwas NEIN sagen kann, was sonst selbstverständlich zum Leben gehört. Man erhält so mehr Tiefe und Freiheit.
Jansen: Mit einem Satz: Fasten ist eine Veränderung von mir, die solidarisch die Welt verändert. Nicht weniger.

?: Gibt es Regeln für das Fasten?
Schwester Jordana: Je nachdem, wie man fastet, sollte man sich an Regeln halten. Es gibt verschiedene Arten des Heilfastens, die man aber immer mit einem Arzt absprechen sollte oder mit jemanden, der sich gut auskennt und aufpasst, dass der Körper nicht darunter leidet.
Jansen: Es gibt in der katholischen Kirche zwei „strenge Fasttage“: Aschermittwoch und Karfreitag. An diesen Tagen soll man sich auf eine Sättigung beschränken und auf Fleisch verzichten. Der Freitag ist bei vielen ein wöchentlicher Fasttag, an dem ebenfalls kein Fleisch gegessen wird. Darüber hinaus gibt es strengere Fastentraditionen, die oft in Orden entstanden sind.

?: Gilt das Fasten für alle Altersgruppen?

Schwester Jordana: Die Fast- und Abstinenztage sollen von gesunden Menschen bis 60 Jahre eingehalten werden. Von Kindern aber nicht.
Jansen: Es wäre fahrlässig, von einem Kranken zu verlangen, dass er sich mit Nahrung einschränkt. Grundsätzlich soll die Entscheidung zum Fasten immer freiwillig getroffen werden!

Fasten ist nichts Trauriges! Hier geht`s zu weiteren Antworten rund um die Fastenzeit.

Das Beste aus der katholischen Erlebniswelt