Die katholische Erlebniswelt, Papst und Kirche: Last-Minute-Fasten

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Donnerstag, 24. Mai 2012 Dagmar, Ester
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Fastenzeit

Wüste (Foto: istock)

Bald ist die Fastenzeit zu Ende – und all die guten Vorsätze haben nur wenige Tage angehalten. Kann ich meinen Fastenvorsatz trotzdem noch halten? Schwester Jordana gibt Last-Minute-Fastentipps

Foto: dpa
"Bei Gott hängt kein Termin-kalender": Schwester Jordana OP.

 

In zwei Wochen ist die Fastenzeit zu Ende – ich habe aber noch gar nicht angefangen zu fasten. Bin ich deswegen ein schlechter Katholik?

Oh, dann wäre ich auch einer. Und ich glaube dem würde Gott nicht zustimmen. Anfang der Fastenzeit waren da so gute Vorsätze und ein paar habe ich auch umgesetzt bekommen, aber wenn ich ehrlich bin, hatte ich mehr von mir erwartet. Aber Gott sei Dank hängt bei Gott kein Terminkalender. Der sieht auf unser Herz. Und wenn er damit zufrieden ist und darin Liebe findet, dann ist es ihm glaube ich sehr egal ob wir fasten oder nicht. Und wer sich erlaubt, andere zu verurteilen, nur weil sie nach Außen hin nicht so viel „fromme Dinge“ tun, der hat Gott nicht verstanden. Im Evangelium steht auch, wenn du fastest, dann salbe dein Haupt – keiner soll es dir anmerken, es genügt, wenn Gott es sieht.

Muss ich mehr fasten als die anderen, wenn ich später anfange?

Sollten Sie schneller fahren, wenn Sie zu spät sind? Lieber nicht, das kann gefährlich werden.
Dass Sie überhaupt daran denken, dass es ja höchste Zeit wäre, wenn man die Fastenzeit als solche nutzen will, das ist ja schon mal super! Das Bewusstsein, dass ich ein Bedürfnis habe, für Gott etwas zu tun, ist ein guter Anfang. Den kann man aber auch nach Ostern machen – eigentlich immer. Bewusstes Leben und auch immer wieder mal bewusster Verzicht – ist eine Aufgabe für das ganze Jahr. Also immer mit der Ruhe. Das Datum haben die Menschen gemacht.

Muss ich unbedingt in der Fastenzeit auf etwas verzichten, wenn ich aufrichtig Buße tun will?

Nein. Mein geistlicher Begleiter sagt mir immer wieder „nichts MÜSSEN Sie“. Aber das eine kann das andere begünstigen. Sie sind eingeladen bewusster zu leben, auf Dinge zu verzichten um wieder näher zu Gott zu kommen. Neue Wege zu gehen – umzudrehen, wenn man sich verrannt hat. Sehen Sie die Fastenzeit – auch wenn sie jetzt nicht mehr so lange dauert, als eine Einladung an. Einladung Gott näher kennen zu lernen. Denn aus keinem anderen Grund ist Jesus die 40 Tage in die Wüste gegangen… Gott zu suchen und nahe zu sein.

In den vergangenen Wochen habe ich es nicht geschafft, meinen Fastenvorsatz zu halten. Haben Sie Tipps, wie ich es wenigstens in den letzten beiden Wochen noch schaffe?

Die gebe ich mir dann auch selber: einfach anfangen. Und ganz wichtig: sich nicht selbst verurteilen, wenn man etwas nicht geschafft hat. Das Jahr ist lang genug.

Halten Sie selbst immer die ganze Fastenzeit durch?

Ich habe immer Schwierigkeiten mit der Fastenzeit gehabt. Aber nachdem ich verstanden habe, dass es um ein „näher zu Gott“ geht, fällt es mir leichter auch auf Sachen zu verzichten. Nicht aus sportlichem Ehrgeiz heraus „das schaffst du und musst es dir beweisen“ sondern aus eine Bedürfnis heraus. Und wenn ich es nicht schaffe, dann lerne ich vor allem eines: barmherzig mit mir zu sein. Denn: Gott urteilt nicht über unsere Fähigkeit zu fasten. Er mag uns – ohne Leistung und Gegenleistung. Weil er uns so sehr liebt gibt es Karfreitag, gibt es Ostern. Darüber sollten wir uns freuen. Ähnlich wie in der Adventszeit, wo wir uns auf die Geburt freuen. Eine Vorbereitungszeit um das Geheimnis, das Geschenk besser zu verstehen – das ist die Fastenzeit.

Interview: Katharina Traxel

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