Laut Forsa-Umfrage hatten im Jahre 2007 mehr als elf Millionen Bundesbürger den Vorsatz, in der Fastenzeit auf bestimmte Nahrungs- und Genussmittel zu verzichten – wohlgemerkt: Sie hatten den Vorsatz. Seit 1983 gibt es mit der Aktion „7 Wochen ohne“ eine Fastenaktion der Evangelischen Kirche, an der sich inzwischen jedes Jahr über zwei Millionen Menschen beteiligen. Wozu das Ganze? Laut einer Emnid-Umfrage von 2001 fasten 40 Prozent der Deutschen manchmal, um als zuviel empfundene Kilos zu verlieren, 14 Prozent bisweilen, um ihr seelisches Gleichgewicht zu erlangen, 37 Prozent niemals – und neun Prozent „fasten manchmal aus
Nicht nur Verzicht, sondern Veränderung
Unterschiedliche Menschen verbinden unterschiedliche Ziele mit dem Fasten. Doch selbst das Fasten „aus religiösen Gründen“ bedarf der Erklärung. In den „Weisungen für die kirchliche Bußpraxis“ schreiben die deutschen Bischöfe über die Fastenzeit: „In dieser Zeit suchen wir Christen uns und unseren Lebensstil so zu ändern, dass durch Besinnung und Gebet, Verzicht, Werke der Nächstenliebe und Versöhnung untereinander Christus wieder mehr Raum in unserem Leben gewinnt.“ Es geht also um Veränderung, um unsere Veränderung. Gebet gehört dazu genauso wie Gerechtigkeit, damit das große Fastenziel erreicht wird: dass wir Christus in seinem Reden, Handeln, Fühlen, in seinem Leben ähnlicher werden. Wer die Fastenzeit lediglich auf einige Verzichtaktionen einschränkt, riskiert somit, die anderen Dimensionen dieser Zeit aus dem Blick zu verlieren.
Manche modernen Autoren versuchen, die Fixierung auf den Verzicht von Nahrungsmitteln und Süssspeisen aufzubrechen und zu weiten. Es gibt Verzicht, den wir nicht wählen, sondern der uns aufgezwungen ist. Wer sich in der Fastenzeit die Frage stellt „Was fehlt mir?“, wird genug Antworten finden. Da werden Dinge genauso wie Menschen in den Blick kommen – und vielleicht wird unter den Antworten auch Gott vorkommen. Andreas Knapp, Autor geistlicher Gedichte, hat diese Sicht des Fastens in einen wunderbaren Text gefasst: