Dürfen sich Christen trotzdem vor dem Tod fürchten?
Ja, die Furcht vor dem Tod gehört zum menschlichen Leben. Man kann sie verdrängen, aber gerade die christliche Tradition und Offenbarung weist den Menschen immer wieder an die Unausweichlichkeit des Todes. Wer den eigenen Tod und seine Furcht davor nicht ernst nimmt, sondern sich mit religiösen Mitteln der eigenen Unsterblichkeit und Furchtlosigkeit versichern will, wird nicht verstehen, wovon christliche Hoffnung spricht.
Aber ist die Seele nicht unsterblich?
Die Trennung von Leib und Seele nach dem Tod und die Frage nach der Unsterblichkeit der Seele sind in der Bibel noch kein Thema. Das jüdische Denken betont die Einheit und Ganzheit des Menschen. Den ersten Christen brannten ganz andere Fragen unter den Nägeln: Sie rechneten anfangs mit dem baldigen Ende der Welt, der Wiederkunft Christi, die man sich mit verschiedenen Bildern ausmalte (Erscheinung Christi, Gericht, Ernte, Posaune, Kriege und Katastrophen im Vorfeld…). Als sich das Ende immer weiter verzögerte und die ersten Christen starben, begann man sich zu fragen, was mit den verstorbenen Christen bei der Wiederkunft Christi passiert. Die einzige gerechte Lösung konnte nur sein, dass sie dann auferweckt werden und diese Ereignisse nicht verpassen. Später verloren die Bilder von der unmittelbar bevorstehenden Endzeit begreiflicherweise an Bedeutung, man konzentrierte sich auf die Frage, was mit dem Einzelnen nach seinem Tod passiert.
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