?: Warum soll ich dieses Vertrauen haben? Was habe ich denn davon, dass Jesus auferstanden ist?
!: In den Texten des Apostel Paulus gibt es die Idee, dass am Ende der Geschichte dieser Auferstandene alles in sich aufnimmt. Das heißt: Jeder Mensch, ob Atheist, Buddhist, Hinduist oder Christ, reift im Laufe seines Lebens – ob er das ahnt oder nicht – hinein in diesen auferstandenen kosmischen Christus. Und so wird Christus am Ende die Vollendung der Welt und der Schöpfung sein. Das ist ein wunderbares Bild für jeden Menschen. Karl Rahner hat es einmal so formuliert: „Bisher saßen im Herzen der Welt Tod und Vergeblichkeit. Seit der Auferstehung ist im Herzen, im Innersten der Welt, Christus, der Auferstandene und mit ihm das Leben und die Liebe.“
?: Aber wenn ich mich umsehe, merke ich recht wenig von dieser Erlösung, von dieser Liebe im Herzen der Welt.
!: Das hat damit zu tun, dass wir eine Geschichte von der Geburt bis zum Tod haben. Das ist eine Reifungsgeschichte. Wir sind im Grunde unserer Existenz durch die Auferstehung bereits erlöst und geheilt. Aber eben noch nicht völlig. Wir sind noch dabei zu werden, was wir sind.
?: Das klingt sehr abstrakt. Wie soll das einem Menschen im Leid Hoffnung geben?
!: Es gibt sehr viele Menschen, die durch so viel Leid in die Enge getrieben sind, dass sie entweder auf das Nichts hoffen, weil das das Ende ihres Leids wäre. Oder diese Menschen hoffen auf eine Umwandlung, durch die sie dann in eine gute Welt gelangen. Für uns ist das die Auferstehung. Die Osterbotschaft ist deshalb für Menschen, die bei aller Verzweiflung ihren letzten Grundoptimismus nicht verloren haben, wie ein Strohhalm. Ein Strohhalm, an dem wir uns festhalten können.
?: Sie haben davon gesprochen, dass die Auferstehung Hoffnung gibt, weil das Leben nach dem Tod nicht zu Ende ist. Was soll das für ein Leben sein?
!: Man kann sich das wohl nur schwer vorstellen. Aber es gibt einige Anhaltspunkte, bei denen ich sage: Darauf will ich nicht verzichten. Das Leben nach dem Tod muss irgendetwas mit der Geschichte des jeweiligen Menschen auf dieser Erde zu tun haben. Und so gesehen wird das Leben meiner Meinung nach in der anderen Welt durchaus Erinnerungen an die diesseitige Welt besitzen, aber es wird nicht einfach eine Fortsetzung sein. Was aber konkret sein wird, können wir getrost erwarten.
"Ich muss nicht alles erledigt haben, was auf dieser Erde möglich ist"
?: Wir glauben, dass wir „ganze“ Person, als Leib und Seele auferstehen.
!: Dieses Denken spielt heute in der Theologie wieder eine große Rolle: Leib und Seele gehören beim Menschen so zusammen, dass man sich den Menschen gar nicht anders vorstellen kann. Und ich glaube fest, dass der ganze Mensch ein Leben nach dem Tod findet. Wenngleich dieses Leben völlig anders sein wird, als jetzt. Wir haben dann auch einen ganz anderen Leib. Dieser Leib kennt keine Krankheit, keine Gebrechen mehr: Tod und Trauer werden nicht mehr sein.
?: Es geht also nicht um eine Reparatur des alten Körpers, sondern um eine komplette „Neuanfertigung“...
!: So kann man das ausdrücken.
?: Aber wenn wir nach der Auferstehung einen ganz anderen Leib haben, ist doch die Frage: Was hat der auferstandene Mensch wirklich noch mit mir selber zu tun?
!: Da gibt es in den großen Weltreligionen unterschiedliche Bilder. Die asiatischen Religionen meinen, dass der Mensch so etwas sei wie ein Tropfen, der wieder zurückfällt in das Meer des All-Einen. Wir Christen glauben, dass die Einmaligkeit des Menschen in seiner Freiheit, Würde und Größe unvergänglich bleibt und daher dieser eine Mensch, der hier auf Erden gelebt hat, sich in Ewigkeit als solcher wieder erkennen wird. Viele Leute sagen beispielsweise: Ich möchte mit den geliebten Menschen auch im Himmel verbunden sein. Das geht aber nur, wenn wir unsere Identität behalten. Und ich glaube, dass solch eine Hoffnung begründet ist.