Patron der Kinder und Jugendlichen
Als Schulen und Universitäten sich im Spätmittelalter auszubreiten begannen, zogen viele junge Männer durch die Lande, um sich von berühmten Lehrern unterrichten zu lassen. das Herumziehen war nicht ohne Gefahr, wie eine Nikolaus-Legende berichtet: Drei fahrende Scholaren (Schüler) wurden von einem habgierigen Wirt umgebracht. Nikolaus erweckte die in ein Pökelfass gesteckten Jungen wieder zum Leben – und wurde zum Schutzpatron der Kinder und Jugendlichen. Auch hier ein Brauchtum: Am 6. Dezember wurden Kinderbischöfe gewählt; die Erwachsenen mussten vor ihnen erscheinen, sich für ihre Taten rechtfertigen und wurden von einem Knecht abgestraft. Leicht verändert, hat sich dieser Brauch in katholischen Priesterseminaren gehalten und ist vor einigen Jahren auch an der evangelischen Kirche St. Nikolai in Hamburg wieder eingeführt worden.
Der Brauch, den noch heute jeder kennt, entwickelte sich nach dem Dreißigjährigen Krieg, insbesondere mit dem Entstehen des Bürgertums: Der heilige Nikolaus kommt in die Familien und tritt als himmlischer Richter stellvertretend für Gott auf, indem er die Kinder nah ihren guten und bösen Taten fragt, die in seinem Goldenen Buch verzeichnet sind, das an das Buch des Lebens beim göttlichen Gericht erinnert.
Allerdings: der Nikolaus ist ein Heiliger – und also straft er nicht selbst. Das übernimmt Knecht Ruprecht, der sich aus einer thüringischen Teufelsmaske des Spätmittelalters zum bösen Begleiter des Nikolaus entwickelt hat – und bis heute für viele angstbesetzte Erinnerungen an den Nikolaus verantwortlich ist. Die Pädagogisierung aber straft die eigentliche Bedeutung des Nikolaus Lügen: Der Heilige ist Vorbild im Glauben und vor allem ein Kinderfreund, kein Kinderschreck. Er bringt Geschenke und straft nicht.
Auch dieser bis heute gepflegte Brauch des Schenkens am Nikolaustag (beispielsweise noch so in Holland, Spanien und USA) hat seinen Ursprung in einer Legende: der von den drei Goldkugeln. Unerkannt warf Nikolaus drei Mädchen heimlich je eine Goldkugel durchs Fenster, damit ihr Vater nicht gezwungen war, sie in die Tempel-Prostitution zu verkaufen. Die Kugeln nämlich bedeuten ein standesgemäße Heiratsmitgift. den Mädchen blieb damit sexuelle Ausbeutung und Verhöhnung erspart. Aus der Legende von den drei Kugeln – die in der christlichen Ikonographie das Erkennungszeichen des Heiligen Nikolaus geworden sind – entwickelte sich der Brauch, am 5. Dezember, dem Vorabend des Nikolaus-Tages, Schuhe vor die Tür zu stellen, die der Heilige dann ungesehen mit Süßigkeiten und anderem Naschwerk füllt.