Nach Auskunft der Forschung ist die wohl älteste Lebensbeschreibung des heiligen zwischen 750 und 850 in Konstantinopel entstanden, also etwa 400 Jahre nach seinem Tod. Historisch gesichert ist wenig. Der Befund des großen Nikolaus-Forschers Gustav Anrich in seiner monumentalen Untersuchung „Hagios Nikolaos“ von 1913/1917 ist ernüchternd: "Es kann einen Bischof dieses Namens gegeben haben. Es kann auch der 6. Dezember der tag seines Todes oder seiner Beerdigung gewesen sein. das sind Möglichkeiten, denen man sogar eine gewisse Wahrscheinlichkeit wird zugestehen müssen. Weiter ist nicht zu kommen."
Wirklich? Zwar ist der – im Wortsinne! – legendäre Nikolaus als fiktiv anzusehen, doch wurde er nachweislich aus zwei Personenzusammengesetzt: einerseits dem Bischof Nikolaus von Myra und andererseits dem gleichnamigen Abt von Sion, der Bischof von Pinora war und mit großer Sicherheit am 10. Dezember 564 in Lykien gestorben ist. Diese beiden historischen Personen verschmolzen in den Legenden, die ab dem 6. Jahrhundert erzählt wurde, zu dem bis heute bekannten wundertätigen Heiligen. Dem frommen Volk reichten Wahrscheinlichkeiten aus für Geschichten, die Trost und Hoffnung gaben. Offenkundig hat ein myrensicher Bischof einen großen Eindruck hinterlassen, so dass man sich viele Geschichten über ihn erzählte, die auch heute noch beeindrucken; Geschichten, wie ein Bischof die Nachfolge des armen jüdischen Handwerkers Jesus im vierten Jahrhundert in Kleinasien lebte, wie er dessen Botschaft vom nahe gekommenen Reich Gottes verstand und in die Tat umsetzte.
Frankfurter Nikolausinitiative