Die katholische Erlebniswelt, Papst und Kirche: Nikolaus im Doppelpack

Liborius Verlagsgruppe Bayerisches Sonntagsblatt Liborius Magazin Liboriusblatt
Donnerstag, 24. Mai 2012 Dagmar, Ester
Augenblicke|Das Magazin|Nachrichten|Wissen|Unser Glaube|Specials|Forum|E-Cards|Spiele

Etappen Ihres Lebens: Taufe | Kommunion | Firmung | Ehe | Trauer

Drucken | Versenden | Mail an die Redaktion

St. Nikolaus

Foto: Imago


War Nikolaus ein Türke?

Nikolaus im Doppelpack: aus zwei mach einen. Der heilige Nikolaus der Legenden setzt sich aus zwei historischen Personen zusammen: dem Bischof Nikolaus aus Myra und dem gleichnamigen Abt von Sion, der am 10. Dezember 564 in Lykien, der Wirkungsstätte des heiligen Nikolaus,  gestorben ist

Seit einigen Jahren vermarktet sich die Türkei touristisch als Land des Glaubens und der Stätten des frühen Christentums. Wenn man da mit den echten Gebeinen des Nikolaus aufwarten könnte, dessen Wirkungsstätte Myra das heutige Demre an der türkischen Mittelmeerküste ist, um so besser. Als die Türkei deswegen 1997 die Rückgabe der Gebeine des in der westlich-römischen wie der Ostkirche beliebten und weltweit wohl bekanntesten christlichen Heiligen forderte, die im süditalienischen Bari aufbewahrt werden, entstand ein heftiger Streit. Der ist inzwischen beigelegt: Bari, Ruhestätte des Heiligen Nikolaus, und Myra, seine Wirkungsstätte, sind eine Städtepartnerschaft eingegangen.

Foto: Picasa

Die Frage nach der Nationalität ist zweitrangig

Der Streit um die Nikolausreliquien, die 1087 von italienischen Kaufleuten – durch Überführung, oder durch raub, je nach Sichtweise – aus Myra nach Bari gebracht worden sind, legt die Frage nahe: War Nikolaus ein Türke? Eher nein, sagen die Nikolausforscher. Geboren wurde Nikolaus in Patera in Griechenland. Und seine Wirkungsstätte Myra liegt in der kleinasiatischen Landschaft Lykien, die erst heute zur Türkei gehört. Doch die Frage nach der Nationalität des Nikolaus ist zweitrangig. Nationen nach heutigem Verständnis gab es zu Lebzeiten des heiligen Nikolaus, im dritten und vierten Jahrhundert, nicht. Viel interessanter ist die Frage, ob er denn wirklich gelebt hat.

Foto: Imago

Nach Auskunft der Forschung ist die wohl älteste Lebensbeschreibung des heiligen zwischen 750 und 850 in Konstantinopel entstanden, also etwa 400 Jahre nach seinem Tod. Historisch gesichert ist wenig. Der Befund des großen Nikolaus-Forschers Gustav Anrich in seiner monumentalen Untersuchung „Hagios Nikolaos“ von 1913/1917 ist ernüchternd: "Es kann einen Bischof dieses Namens gegeben haben. Es kann auch der 6. Dezember der tag seines Todes oder seiner Beerdigung gewesen sein. das sind Möglichkeiten, denen man sogar eine gewisse Wahrscheinlichkeit wird zugestehen müssen. Weiter ist nicht zu kommen."

Wirklich? Zwar ist der – im Wortsinne! – legendäre Nikolaus als fiktiv anzusehen, doch wurde er nachweislich aus zwei Personenzusammengesetzt: einerseits dem Bischof Nikolaus von Myra und andererseits dem gleichnamigen Abt von Sion, der Bischof von Pinora war und mit großer Sicherheit am 10. Dezember 564 in Lykien gestorben ist. Diese beiden historischen Personen verschmolzen in den Legenden, die ab dem 6. Jahrhundert erzählt wurde, zu dem bis heute bekannten wundertätigen Heiligen. Dem frommen Volk reichten Wahrscheinlichkeiten aus für Geschichten, die Trost und Hoffnung gaben. Offenkundig hat  ein myrensicher Bischof einen großen Eindruck hinterlassen, so dass man sich viele Geschichten über ihn erzählte, die auch heute noch beeindrucken; Geschichten, wie ein Bischof die Nachfolge des armen jüdischen Handwerkers Jesus im vierten Jahrhundert in Kleinasien lebte, wie er dessen Botschaft vom nahe gekommenen Reich Gottes verstand und in die Tat umsetzte.

 


Frankfurter Nikolausinitiative

Das Beste aus der katholischen Erlebniswelt