?: Wie stellen Sie sich eine gelungene Vorbereitung auf die Erstkommunion vor?
!: Die Vorbereitung sollte zum einen in der Schule und den Kinderkommuniongruppen, zum anderen in der Familie stattfinden. Ich plädiere dafür, dass die Kommunionvorbereitung auch von Eltern mitgetragen wird. Ein wesentlicher Bestandteil könnte dabei so aussehen: Jede Woche findet ein Familiengespräch statt, zum Beispiel zum Thema „Wandlung“. Dabei werden die wichtigen Inhalte der Erstkommunion im Familienkreis besprochen und können dann in den Gruppen noch einmal vertieft werden. Es bietet sich zum Beispiel an, wenn die Gemeinden, in denen Kommunionsgruppen sind, einen einheitlichen Themenplan aufstellen, an dem sich die Eltern orientieren können.
?: Was können die Eltern noch tun?
!: Das Wichtigste ist: Mit den Kindern in die Kirche gehen. Ansonsten stehen die Mädchen und Jungen am Tag der Kommunion vor dem Altar, der Pfarrer sagt, „Der Herr sei mit Euch“, und die Kinder wissen überhaupt nicht, was sie tun sollen. Wenn sie allerdings schon zuvor regelmäßig Eucharistiefeiern miterleben, ist das die beste Vorbereitung. Durch das Mitfeiern verstehen die Kinder Schritt für Schritt, um was es geht. In unserer Gemeinde beispielsweise kommen die Erstkommunionfamilien an vier Sonntagen zusammen, wo gemeinsam der Ablauf und die einzelnen Inhalte einer Eucharistiefeier mystagogisch erklärt werden. Und immer wieder sagen dann Eltern: Das hätte man uns früher auch so erklären müssen.
?: Sie hatten vorher gesagt, dass das Gespräch in der Familie zu einer guten Vorbereitung gehört. Aber oft ist es doch auch so, dass sich die Eltern selber nicht ganz sicher in den Glaubensfragen sind.
!: Das stimmt. Deshalb sind wir in unserer Gemeinde dazu übergegangen, dass Eltern in eine Elternkommuniongruppe gehen. Wir diskutieren dabei die relevanten Themen und sprechen über die religiösen Familiengespräche. Ich habe selber solch einen „Elterntreff“ geleitet und kann wirklich sagen: Das sind teilweise richtig kernige Diskussion. Und auf diese Weise werden die Eltern fundiert auf die Gespräche mit den Kindern vorbereitet.
?: Wie viel kann man den Kindern in den Gesprächen in der Familie zumuten? Gibt es Themen, die Sie weglassen würden?
!: Nein. Wir dürfen die Kinder nicht unterschätzen. Sicherlich muss die Sprache kindgerecht sein, aber das Niveau darf durchaus an der oberen Grenze liegen. In dem Buch „Gott mit neuen Augen sehen. Wege zur Erstkommunion. Familienbuch“ habe ich mit einem Team folgendes Schema entwickelt: Man beginnt mit einer Geschichte. Danach kommt eine passende Bibelstelle und schließlich geht man zur „Kindertheologie“, also einer kindgerechten Aufarbeitung der Fragen, über. Außerdem gibt es zu jedem Thema ein religiöses Basiswissen, das für die Eltern und die Kinder Anhaltspunkte gibt. Bei all dem ist mir ein Prinzip sehr wichtig: „Learning by doing“ – im Gespräch über die Themen verstehen Eltern und Kinder religiöse Inhalte besser.
?: Machen wir es konkret. Wie würden Sie das Thema „Wandlung“ anhand dieses Schemas erklären?
!: Ich würde mit der Geschichte beginnen, zum Beispiel so: Ein Kind kommt von der Schule heim und weint, weil es geärgert wurde. Die Mutter nimmt das Kind in den Arm und tröstet es. In diesem Kind geschieht Wandlung. Denn Wandlung ist immer eine Beziehungsaussage. Durch die Beziehung zur Mutter verändert sich das Kind, also konkret: Es hört auf zu weinen. So ist das auch mit Jesus. Wenn wir uns auf die Beziehung mit Jesus einlassen, „verwandeln“ wir uns. Und genau dieses Einlassen geschieht ja in der Erstkommunion. So wie sich die Jünger beim Letzten Abendmahl auf Jesus eingelassen haben, so werden auch wir durch die Begegnung mit ihm „verwandelt“: Uns steht der Himmel offen.
?: Aber sie haben damit noch nicht erklärt, was in der Wandlung mit der Hostie geschieht. Das wollen doch sicher viele Kinder wissen?
!: Absolut. Letztens habe ich von einem Kind aus Berlin Folgendes gehört: Ein Klassenkamerad hatte ihm vorgeworfen, dass es ein Menschenfresser sei. Klar: Dann würde man „Kommunion“ komplett falsch verstehen. Es geht nicht chemisch und Blut und Fleisch. „Leib und Blut Jesu“ meint mehr: Als Jesus im Abendmahlssaal die Worte gesprochen hat „Nehmet hin esset, DAS „ meinte er nicht seinen materiellen Körper, sondern sich selbst. Es geht um seine Sendung als Sohn Gottes, sein Leben, sein Sterben und seine Auferweckung für uns. Im Augenblick der Wandlung wird Jesus geistig so real präsent, wie er im Abendmahlsaal für seine Jünger anwesend.
?: Wie früh kann man damit beginnen? Ist das momentane Alter von acht oder neun Jahren gut?
!: Ich denke schon. Die Kirche richtet sich danach, ob die Kinder normales Brot von eucharistischem Brot unterscheiden können. Aber: Generell mit der Erschließung der Gottesbeziehung kann man nicht früh genug anfangen, eigentlich schon in der Schwangerschaft: Das Kind segnen, mit dem Kind sprechen, das Kind Gott anvertrauen. Wenn die Kinder geboren sind, sollte man ihnen immer wieder dasselbe Lied vorsingen und ihnen ein Kreuzzeichen auf die Stirn machen. Das Kind muss nicht von Anfang an verstehen, um was es geht, aber es entwickelt eine Vertrautheit mit solchen religiösen Handlungen. Wenn die Kinder dann so zwei Jahre alt sind, kann die Familie zusammen erste Gebete lernen. Etwas später könnte man mit den Kindern „Tageschau“ machen: Was war schön heute schön, was nicht. Und das dann in ein freies Gebet fassen. Kinderbibeln mit anspruchsvollen Bildern und Geschichten haben auf Kinder eine nachhaltige Wirkung.
?: Zurück zur Erstkommunion: Wie lange sollte so eine Kommunionsvorbereitung für die Kinder dauern?
!: Ich bin ein entschiedener Gegner einer Erstkommunionvorbereitung im Zeitraffer. Acht Wochen sind einfach zu wenig. Wenn man es mit Kindern gut meint, darf man sie nicht mit einer kurzen und oberflächlichen Vorbereitung abspeisen. Man darf Kinder religiös und liturgisch nicht im Regen stehen lassen.
?: Was würden Sie zur Erstkommunion schenken?
!: Das kann man nicht pauschalisieren. Ein Fahrrad oder andere nützlichen Sachen sind absolut in Ordnung. Aber ich fände es sehr wichtig, dass die Kinder auch religiöse Geschenke bekommen.
?: Und wie wichtig ist das Erlebnis der Erstkommunion für den späteren Glauben?
!: Ganz entscheidend. Wenn die Kinder da schon beeindruckt sind vom Leben in der Kirche haben, ist das eine wichtige Basis für später. Und wenn ich höre, dass Gemeinden für eine tiefer gehende Vorbereitung keine Zeit haben, dann frage ich mich: Wofür soll denn dann eine Gemeinde Zeit haben? Die Erstkommunion ist die größte Chance Eltern und Kinder Kirche erfahren zu lassen! Und diese Chance zu verpassen, steht keiner Gemeinde zu.
Interview: Simon Biallowons
Prof. Dr. Albert Biesinger (60) lehrt seit 1991 an der Universität Tübingen, sein Spezialgebiet ist die Religionspädagogik. Professor Biesinger veröffentlichte zahlreiche Bücher zum Thema Erstkommunion wie "Gott mit neuen Augen sehen. Wege zur Erstkommunion. Familienbuch" oder "Verbinde dich mit dem Himmel! Ein Geschenkbuch für Kinder mit der Gebetsschnur vom Berg Athos". Auf der Homepage www.familienkatechese.de finden Sie weitere Informationen