„Ich taufe dich im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“
Die Taufe ist also aus katholischer Sicht enorm wichtig. Das wird nicht zuletzt durch die besondere Zeremonie deutlich: Dabei gießt der Zelebrant dreimal Wasser über den Kopf des Täuflings und sagt: „Ich taufe dich im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.“ Der Täufling oder die Eltern und Paten bekennen danach ihren Glauben und widersagen dem Bösen. Wir werden also im Namen des dreifaltigen Gottes getauft und gesegnet. Gleichzeitig schwören wir dem Bösen ab. Damit stellt das so genannte „Initiationssakrament“ für den Täufling einen ganz persönlichen, radikalen Neuanfang dar. Er wird in den Tod Christi hineingetauft. Was soll das heißen? Schließlich hört sich „in den Tod hineintaufen“ wenig verlockend an. Das bedeutet vereinfacht gesagt, dass das alte Leben aufgehoben wird. Christus musste in den Tod gehen, um von den Toten auferweckt und im Himmel verherrlicht zu werden. Durch seinen Tod und die Auferstehung hat Jesus aber nicht nur für sich, sondern auch für uns das ewige Heil erworben. Er ist der Erstgeborene, wir werden an seiner Auferstehung teilhaben. Und genau diese Teilhabe schenkt uns die Taufe. Sie tötet unsere alte Sündhaftigkeit ab und entreißt uns der Macht des Todes. Das bedeutet „in Christi Tod hineinsterben“. Unser altes Leben stirbt, damit wir ein neues Leben beginnen. Dieses Leben wird uns durch die Taufe und damit die Gnade Gottes geschenkt. Diese Gnade äußert sich zu Beginn in vielen Dingen: Wir werden zum Beispiel auf einen Heiligen getauft, mit dem wir in der Gemeinschaft der Kirche auf eine besondere Weise verbunden sind. Noch wichtiger: Durch die Taufe können wir andere Sakramente und damit weitere „Geschenke“ Gottes empfangen.
Durch die Taufe werden wir in die Gemeinschaft der Gläubigen aufgenommen
Die Taufe stellt die Aufnahme in die Gemeinschaft der Gläubigen dar. Dabei wird dem Täufling mehr noch als Geld und Kuscheltiere ein besonderes Geschenk gemacht: Gott spendet seine Gnade, er setzt uns auf den rechten Pfad und gibt uns eine Landkarte sowie das nötige Schuhwerk mit – jedoch müssen wir den Weg selbst gehen. Wir haben durch die Taufe Anteil an der Auferstehung Christi und sind nur so von Tod und Erbsünde befreit – aber damit haben wir noch lange keinen Freibrief für unser Leben bekommen.
Mit der Taufe sind wir Bruder oder Schwester Christi und Sohn oder Tochter Gottes in einem besonderen Status. Wir werden nämlich durch den Heiligen Geist eng und für immer mit Gott verbunden. Und diesen Status müssen wir immer wieder bestätigen. Es reicht nicht, zu sagen: Ich habe die Taufe bekommen und jetzt wird ohnehin alles gut. Da kann ich mich doch locker zurücklehnen. Die Taufe ist keinesfalls nur für das Heil des einzelnen da. Wir sind als Christen in den Leib Christi – also die Kirche – eingegliedert und haben dadurch Anteil an dem kollektiven, für die ganze Kirche erwarteten Heil. Doch wir müssen eben als Glieder dieser Kirche auch unseren Beitrag leisten. Die Taufe macht uns zu Zeugen und Repräsentanten Christi – das ist nicht nur eine Gnade, sondern auch eine Verpflichtung. Die Verpflichtung, diese Gemeinschaft gut und segensreich zu vertreten. Sie so zu gestalten, das auch andere Menschen „dazugehören“ wollen. Genau das besagt eine der zentralen Taufhandlungen, der Effata-Ritus. Dabei berührt der Priester Mund und Ohren des Täuflings und spricht: „Effata“, also „Öffne dich!“
Die Taufe schenkt und öffnet uns für die Gnade Gottes
Das bedeutet: Die Taufe öffnet uns für die Gnade und Liebe Gottes. Aber sie verlangt eben auch, dass wir offen bleiben für die Botschaft Christi und für unsere gesamte Umwelt. Das ist nämlich auch fester Bestandteil, wenn man „dazugehören“ will: Man muss offen für die anderen sein. Wer nur in der Ecke steht, bleibt dort allein. Wer aber „dazugehören“ will, muss sich engagieren und zu seiner Gemeinschaft bekennen. Nur so hat Kirche als Gemeinschaft einen Sinn. Als lebendige Gemeinschaft eines lebendigen Gottes.
Simon Biallowons