Die katholische Erlebniswelt, Papst und Kirche: Jakob

Liborius Verlagsgruppe Bayerisches Sonntagsblatt Liborius Magazin Liboriusblatt
Donnerstag, 24. Mai 2012 Dagmar, Ester
Augenblicke|Das Magazin|Nachrichten|Wissen|Unser Glaube|Specials|Forum|E-Cards|Spiele

Etappen Ihres Lebens: Taufe | Kommunion | Firmung | Ehe | Trauer

Drucken | Versenden | Mail an die Redaktion

Jakob

Foto: dpa

Der Ringer Gottes

Jakob ist der dritte der drei Erzväter. Obwohl er zu Beginn fies und hinterhältig wirkt, wird er zu Israel und zum Vater der berühmten Zwölf Stämme

Unsympathisch und unfair erscheint Jakob am Anfang in der Bibel. Seinem Bruder gibt er nichts zu essen, obwohl der hungrig vom Feld kommt. Stattdessen kauft er ihm das Erstgeburtsrecht, also das Erbe und die Vorrangstellung in der Familienhierarchie ab. Der Preis: Brot und ein Linsengericht. Jakob scheut nicht einmal davor zurück, seinen alten Vater zu täuschen: „Als Isaak alt geworden und seine Augen erloschen waren, sodass er nicht mehr sehen konnte, rief er seinen älteren Sohn Esau und sagte zu ihm: Mein Sohn! Er antwortete: Hier bin ich. Da sagte Isaak: Du siehst, ich bin alt geworden. Ich weiß nicht, wann ich sterbe. Nimm jetzt dein Jagdgerät, deinen Köcher und deinen Bogen, geh aufs Feld und jag mir ein Wild! Bereite mir dann ein leckeres Mahl, wie ich es gern mag, und bring es mir zum Essen, damit ich dich segne, bevor ich sterbe.“ Esau geht, um den Wunsch seines Vaters zu erfüllen. Seine Mutter Rebekka hat das Gespräch mitgehört und schmiedet einen Plan. Sie will, dass Esaus Bruder Jakob den Segen erhält. Einmal, weil Jakob ihr Lieblingssohn ist. Und zum anderen, weil damit eine alte Prophezeiung erfüllt werden soll. Rebekka sagt also zu Jakob: „Geh zur Herde und bring mir von dort zwei schöne Ziegenböckchen! Ich will damit ein leckeres Mahl für deinen Vater zubereiten, wie er es gern mag. Du bringst es dann deinem Vater zum Essen, damit er dich vor seinem Tod segnet.“ Das Problem: Jakob hat eine „glatte Haut“ und Angst, dass Isaak den Betrug durchschaut. Rebekka aber legt ihrem Sohn Felle von Ziegenböckchen über die Hände und den Hals, um so ihren Mann Isaak zu täuschen. Die List geht auf und Jakob erschleicht sich so den Segen. Als Esau zurückkehrt und den Betrug bemerkt, ist es zu spät. Er weint voller Wut und Enttäuschung, als Isaak zu ihm sagt: „Fern vom Fett der Erde musst du wohnen, fern vom Tau des Himmels droben. Von deinem Schwert wirst du leben. Deinem Bruder wirst du dienen. Doch hältst du durch, so streifst du ab sein Joch von deinem Nacken.“ Esau schwört Rache – und Jakob flieht aus Beerscheba nach Haran.

Jakob als Erzvater garantiert, dass die Gnade Gottes weitergeben wird

Auf der Flucht übernachtet Jakob eines Tages auf freiem Feld und hat folgenden Traum: Er sieht eine Treppe, die bis zum Himmel reicht. Auf ihr steigen Engel auf und nieder und ganz oben steht Gott. Er sagt: „Ich bin der Herr, der Gott deines Vaters Abraham und der Gott Isaaks. Das Land, auf dem du liegst, will ich dir und deinen Nachkommen geben. Deine Nachkommen werden zahlreich sein wie der Staub auf der Erde. Du wirst dich unaufhaltsam ausbreiten nach Westen und Osten, nach Norden und Süden und durch dich und deine Nachkommen werden alle Geschlechter der Erde Segen erlangen.“ Der Traum Jakobs von der Himmelsleiter ist für Juden ein weiterer Beleg dafür, dass ihr Volk auserwählt ist von Gott. Jakob als dritter Erzvater garantiert sozusagen, dass die Gnade Gottes weitergeben wird und der Bund zwischen Gott und Volk weiter besteht.

Das wird noch deutlicher in einer anderen Szene: Jakob ringt mit einem Unbekannten. Der Unbekannte ist Gott, und Jakob ringt so lange mit ihm, bis der Tag anbricht. Da sagt Gott zu ihm: „Nicht mehr Jakob wird man dich nennen, sondern Israel (Gottesstreiter); denn mit Gott und Menschen hast du gestritten und hast gewonnen.“ Diese Begegnung ist das letzte Mal, dass ein Mensch direkt in Kontakt mit Gott tritt. Sie zeigt, wie wichtig Jakob für das Judentum ist. Vor allem aber geht der Traum von der Himmelsleiter in Erfüllung, die Söhne Jakobs bilden die berühmten Zwölf Stämme, die Stämme Israels. Das bedeutet: Jakob erhielt das Erstgeborenenrecht und den Erstgeborenensegen, er tritt also rechtlich an die Stelle Esaus. Nach dem Kampf gibt Gott Jakob den Namen Israel. Und so ist der Erstgeborene in der Reihe Abrahams und Isaaks Israel.

Der Erlöser kommt aus dem Hause Juda

Mit dem Tod Jakobs endet das erste Buch Mose. Jakob hatte, weil sein Sohn Josef zum Berater Ägyptens aufgestiegen war, seine letzten Jahre in Ägypten verbracht. Doch jetzt will Jakob nach Hause und in der Heimat begraben werden. Und zwar in der Höhle von Machpela bei Chewron, dem Grab, das Abraham für seine gesamte Familie gekauft hatte. Kurz bevor der Patriarch stirbt, segnet er seine zwölf Söhne. Zu Juda sagt er: Juda, dir jubeln die Brüder zu, deine Hand hast du am Genick deiner Feinde. Deines Vaters Söhne fallen vor dir nieder. Ein junger Löwe ist Juda. Vom Raub, mein Sohn, wurdest du groß. Er kauert, liegt da wie ein Löwe, wie eine Löwin. Wer wagt, sie zu scheuchen? Nie weicht von Juda das Zepter, der Herrscherstab von seinen Füßen, bis der kommt, dem er gehört,  dem der Gehorsam der Völker gebührt.“ Diese Stelle ist für viele Juden deshalb so wichtig, weil damit verkündet wird, dass der Erlöser – der Messias – aus dem Hause Juda kommen wird. Aus diesem Grund gibt es in vielen Synagogen Darstellungen von Löwen: das Zeichen Judas und die Hoffnung auf den Messias.

Simon Biallowons

Das Beste aus der katholischen Erlebniswelt