Die katholische Erlebniswelt, Papst und Kirche: Jüdische Feste

Liborius Verlagsgruppe Bayerisches Sonntagsblatt Liborius Magazin Liboriusblatt
Donnerstag, 24. Mai 2012 Dagmar, Ester
Augenblicke|Nachrichten|Wissen|Unser Glaube|Specials|Forum|E-Cards|Spiele

Etappen Ihres Lebens: Taufe | Kommunion | Firmung | Ehe | Trauer

Drucken | Versenden | Mail an die Redaktion

Jüdische Feste

Die wichtigsten Feste des Judentums

Foto: dpa

Rosch ha-Schana

Rosch ha-Schana ist das jüdische Neujahrsfest, es wird am ersten Tag des Monats Tischri gefeiert. Tischri bedeutet so viel wie Anfang, es ist der erste Monat des allgemeinen jüdischen Kalenders und der siebte Monat des religiösen Kalenders (nach dem Gregorianischen Kalender wäre es Ende September oder Anfang Oktober). Nach jüdischer Deutung ist der erste Tag des Tischri der Tag, an dem Gott den Menschen geschaffen hat. Rosch ha-Schanah ist allerdings nicht nur der Tag des Anfangs, sondern auch der Tag der Befreiung. So glauben die Juden, dass an diesem Tag der Erzvater Josef aus dem Gefängnis entlassen wurde, in dem er zwölf Jahre lang unschuldig eingesperrt war. Rosch ha-Schana ist zudem das Fest der Umkehr, Erneuerung und der Tag des Gerichts. Es wird Bilanz gezogen, wie sich der Mensch im zurückliegenden Jahr verhalten hat. Dafür hat Gott drei Bücher: Das erste für die guten und gerechten Menschen, die dort eingetragen werden und damit das „Siegel des Lebens“ erhalten. Das „Siegel des Todes“ bekommen dagegen die bösen Menschen, sie stehen im zweiten Buch. Das dritte Buch schließlich ist für die Mittelmäßigen, die gute und schlechte Taten begangen haben. An Rosch ha-Schana wird aber eben nicht nur Gericht gehalten: Ein Mensch kann an diesem Tag – selbst wenn er das ganze Jahr hindurch gesündigt hat, den Weg der Teschuwa (Rückkehr) einschlagen. Deshalb beginnt nach dem zweitägigen Fest eine Bußzeit von zehn Tagen. Die „zehn ehrfurchtsvolle Tage“ der Reue und Umkehr werden mit Beten und Fasten verbracht.

Jom Kippur

Foto: dpa
Ein orthodoxer Jude bläst das Schofar – ein rituelles Instrument (Foto: dpa)

Nach den zehn ehrfurchtsvollen Tagen feiert das Judentum Jom Kippur, das Versöhnungsfest. Versöhnung hat dabei einen doppelten Charakter: Einmal die Versöhnung des Menschen mit Gott, aber auch die Versöhnung mit den Mitmenschen. Jom Kippur ist nach dem regelmäßigen Schabbat das wichtigste Fest des Judentums. Zugrunde liegt das Buch Levitikus, in dessen 16. Kapitel das Ritual des Versöhnungstages beschrieben wird. Demnach sollen die Gläubigen an diesem Tag fasten, beten und baden. Auch das Tragen von Leder ist verboten. Abgeleitet wird das aus der Passage im Buch Levitikus, in dem Gott Moses aufträgt, seinem Bruder Aaron zu befehlen: „Ein geweihtes Leinengewand soll er anhaben, leinene Beinkleider tragen, sich mit einem Leinengürtel gürten und um den Kopf einen Leinenturban binden. Das sind heilige Gewänder; deshalb soll er seinen ganzen Körper in Wasser baden und sie erst dann anlegen.“ Heute tragen viele Juden weiße Gewänder, ein Symbol der Reinheit und Unschuld.

Eine weitere Besonderheit: Im Judentum gibt es einen speziellen Gebetsmantel, den Tallit. Er ist weiß mit dunklen Streifen und weißen Fransen. Jungs erhalten ihn bei der Bar Mitzwa, Männer legen ihn im Morgengebet an. An Jom Kippur allerdings kommt der Tallit schon am Vortag im abendlichen Gottesdienst (oder auch beim Gebet zuhause) zum Einsatz. Im Gottesdienst wiederum ist das Schuldbekenntnis der wichtigste Teil, weil die Juden glauben, dass Jom Kippur nur dann wirklich ein Tag der Versöhnung mit Gott und den Mitmenschen ist, wenn man Reue fühlt und Reue zeigt. Das Ende von Jom Kippur wird, wie bei den meisten Festen üblich, mit dem Schofar bekannt gegeben. Das Schofar ist ein rituelles Musikinstrument, das einem Horn ähnelt und in Erinnerung an die Beinahe-Opferung des Isaaks verwendet wird. Damals nämlich schickte Gott einen Widder, den Abraham anstatt seines Sohnes opferte. Deshalb ist das Schofar einem Widderhorn nachempfunden. Nur an einem Tag ist das Blasen des Schofar verboten, am Schabbat.

Sukkot

Ebenfalls noch im Monat Tschri, fünf Tage nach Jom Kippur, wird Sukkot gefeiert. Das Laubhüttenfest dauert in Israel sieben Tage lang und erinnert an den Auszug der Israeliten aus Ägypten. Damals, so die Überlieferung, sollen die Juden in der Wüste in Laubhütten geschlafen haben. Deshalb wird bis heute der Brauch gepflegt, dass die Familien eine Laubhütte im Garten oder dem Hof bauen, dort zusammen essen, beten und wenn möglich sogar übernachten. Einem anderer Brauch zufolge werden Pflanzensträuße mit in die Synagoge gebracht. Diese Sträuße bestehen in erster Linie aus einem Palmzweig, drei Myrtezweigen, zwei Weidezweigen und einer Zitrusfrucht. Am letzten Tag von Sukkot gibt es in der Synagoge sieben Rundgänge, bei denen die Tora mitgetragen und gebetet wird. Die Gebete enden immer auf „Hoschiana!“ Aus diesem Grund wird dieser Tag auch Hoschana Rabba genannt.

Chanukka

Foto: ddp
Jüdisches Chanukka-Fest in Berlin (Foto: ddp)

Chanukka wird jedes Jahr vom 25. Kislew bis zum 2. Tevet begangen. Das entspricht den Tagen im November und Dezember unseres Kalenders. Anlass ist das Gedenken an die Wiedereinweihung des zweiten jüdischen Tempels in Jerusalem im jüdischen Jahr 3597. Damals wurde das erste Mal Chanukka gefeiert, weil der Heerführer Matitjahu zusammen mit seinen fünf Söhnen eine kleine jüdische Armee gegen den hellenistisch-syrischen König Antiochus ins Feld führte. Obwohl die jüdische Armee chancenlos schien, siegte Matitjahu, entfernte alle Götzenbilder aus dem Tempel, reinigte ihn und ließ ihn wiedereinweihen.

Chanukka ähnelt unserem Weihnachtsfest: Es versammelt sich die gesamte Familie zu Hause zu einem großen Festessen, es gibt Geschenke und Süßigkeiten. Außerdem ist es üblich, für Arme und Bedürftige zu spenden. Das Symbol des Festes ist die Chanukkia, der berühmte Leuchter. Er wird am Festtag angezündet, es gibt eine feste Regelung, in welcher Reihenfolge die Kerzen angesteckt werden. Dieser Brauch geht auf eine Geschichte zurück, die sich damals 3597 ereignet haben soll: So wollte Matitjahu nach der Wiedereinweihung des Tempels die Menorah, den siebenarmigen anzünden. Allerdings gab es nur noch eine kleine Vase koscheren Öls, die Menge hätte nur für einen Tag ausgereicht, allerdings darf das Licht der Menora nie verlöschen. Und so machten sich die Juden daran, neues Öl herzustellen. Es dauerte acht Tage – und durch ein Wunder brannte das Licht der Menora solange, bis das neue Öl fertig war.

Pessach

Foto: epd
Mazzen – das berühmte ungesäuerte Brot (Foto: epd)

Das Pessachfest ist für das Judentum von enormer Bedeutung. „Pessach“ bedeutet so viel wie „Überschreiten“ und erinnert an die Befreiung der Israeliten aus Ägypten. Es ist neben Schawout (Wochenfest) und dem Sukkot eines der drei Wallfahrtsfeste des Judentums. Gläubige Juden pilgern oft nach Jerusalem zum Tempelberg. In den sieben Tagen (außerhalb Israels sind es acht) darf ein Jude nichts Gesäuertes essen. Berühmt ist das ungesäuerte Brot, die Mazzen. Gesäuert ist ein Brot, wenn Weizen, Roggen, Gerste, Hafer oder Dinkel verwendet wurde. Dabei ist es nicht nur verboten, Gesäuertes zu essen: Streng genommen darf in einem jüdischen Haushalt während des Pessachfests nicht einmal Gesäuertes vorhanden sein. Das Suchen, Verbrennen oder Verschenken des „Chamez“ gehört zu den Pessachtagen dazu und dient der äußerlichen wie innerlichen Vorbereitung.

Weil in der Bibel steht, dass Gott die Erstgeborenen Ägyptens tötete, die erstgeborenen Kinder Israels aber verschonte, fasten alle erstgeborenen Söhne und die Väter von Erstgeborenen, wenn diese noch unter 13 sind, am Tag vor Pessach. Damit wollen die Gläubigen ihre Dankbarkeit Gott gegenüber ausdrücken.

Das eigentliche Pessachfest beginnt mit einem Abendgottesdienst, danach trifft sich die ganze Familie zum gemeinsamen Essen. Man nennt diesen Abend Seder. Er dient dazu, des Auszugs aus Ägypten zu gedenken. Damals sollen sich die Juden ebenfalls auf Anordnung Gottes im Familienkreis versammelt, Mazzen und Bitterkraut gegessen haben. Es wird der Kiddusch gesprochen, der Segensspruch des Judentums. Der anschließende Teil des Abends dient in erster Linie dazu, die Geschichte vom Auszug zu lesen und zu hören, gemeinsam zu singen und zu beten. Die Ordnung dafür steht in einem speziellen Buch, in der Haggada. Den Abschluss des Pessachfests wiederum bildet ebenfalls ein spezieller Abend: Dabei denkt und betet die Familie für ihre Verstorbenen. Wer keinen Angehörigen verloren hat, verlässt während dieses Gebetes, dem Jiskor, die Synagoge oder den Betraum.

Simon Biallowons 

Das Beste aus der katholischen Erlebniswelt