Das Alte Testament im Überblick

Vier große Abteilungen gibt es im Alten Testament. Sie gliedern die insgesamt 46 verschiedenen Bücher in mehr oder weniger einheitliche Blöcke. Allerdings fällt die Einordnung bisweilen nicht ganz leicht, weil viele Bücher und Schriften nachträglich bearbeitet oder verändert wurden

Das Alte Testament beginnt mit den fünf Büchern Mose. Man nennt sie auch den „Pentateuch“. Sie gelten als eine feste Einheit, aber gehen wohl nicht auf einen Verfasser zurück, auch nicht auf Mose, wie lange angenommen wurde. Der Pentateuch heißt bei den Juden Tora und ist der wichtigste Bestandteil der hebräischen Schrift.

Das Buch Genesis

Die Welt wird geschaffen und der Mensch aus dem Paradies vertrieben: Gleich im ersten Buch der Bibel überstürzen sich die Ereignisse. Wir erfahren alles über unsere Herkunft als Geschöpfe Gottes und warum es Leid und Tod in der Welt gibt. Und wir können lesen, wie Gott erst mit Noah nach der Sintflut und dann mit Abraham einen Bund schließt. Am Ende des Buches wird die Geschichte Josephs erzählt, der vom einfachen Sklaven in Ägypten zum einflussreichen Berater des Pharaos aufsteigt.

Das Buch Exodus

Verzweifelung und Elend prägen den Beginn dieses Buches, der Leser leidet mit den Nachkommen Jakobs in der ägyptischen Sklaverei. Die Knaben werden ermordet, um die Israeliten niederzuhalten. Ein Sklavenjunge allerdings wächst unerkannt in der Familie des Pharaos auf, wird von Gott berufen und führt am Ende die Israeliten aus der Gefangenschaft: Mose ist der erste große Prophet der Israeliten. Am Ende gibt Gott ihm zwei legendäre Steintafeln: die Zehn Gebote (Dekalog).

Das Buch Levitikus

Was das Messbuch für die Katholiken, ist das Buch Levitikus für die Israeliten. Hier finden wir viele Anleitungen für Priesterweihen, Speiseopfer, bestimmte Feste oder auch Reinheitsgebote. Es geht Gott nicht darum, dem Menschen möglichst viel aufzubürden. Diese Vorschriften sollen, wie die Zehn Gebote auch, das Leben sichern und erleichtern.

Das Buch Numeri

Erst weitere Regeln, dann der Marsch durch die Wüste: Im Buch Numeri geht es zunächst richtig trocken zu. Schon bald beginnt Chaos auszubrechen, weil einige Leviten sich gegen Mose stellen. Über den Undank seines Volkes gerät Gott in Zorn, doch Mose stellt sich vor seine Zeitgenossen. Gott verzeiht seinem Volk, führt sie weiter durch die Wüste und verhilft ihnen zum Sieg gegen feindliche Völker. Das Land wird verteilt und die Israeliten bereiten sich auf die Landnahme in Kanaan vor.

Das Buch Deuteronomium

Dieses Buch ist in erster Linie eine Sammlung von Reden Moses. Er weiß, dass sein Tod nahe ist, und gibt seinem Volk Gottes Anweisungen auf den Weg. Im ersten Teil finden wir beispielsweise eine leicht abgeänderte Wiederholung der Zehn Gebote. Moses ruft den Israeliten noch einmal Gottes Taten ins Gedächtnis und macht sie auf die Gnade des Herrn aufmerksam. Gott führt Mose auf einen Berg und zeigt ihm das Land, das er schon Abraham, Isaak und Jakob versprochen hatte. Und zum Abschied sagt er: „Ich habe es (das Land) dich mit deinen Augen schauen lassen. Hinüberziehen wirst du nicht.“ Dann stirbt der große Führer der Israeliten – und das Volk weint 30 Tage lang um den treuen Knecht Gottes.

Simon Biallowons

Viele Exegeten nennen die Bücher vom Buch Josua bis zum 2. Buch der König auch das „Deuteronomistische Geschichtswerk“. Der Grund ist, dass der Verfasser („Deuteronomist“) beim letzten Buch Mose, dem Deuteronomium anknüpft. Man merkt aber, dass das Werk aus vielen verschiedenen Quellen zusammengesetzt ist.

Das Buch Josua

Die Israeliten haben den Verlust Moses verwunden und machen sich unter der Führung Josuas daran, Gottes Weisung zu befolgen. Sie besetzen das Westjordanland, überqueren den Jordan und stehen schließlich vor Jericho. Jericho ist eine schier uneinnehmbare Festung, der Siegszug des Gottesvolkes scheint am Ende. Doch wieder einmal greift der Herr ein. Am siebten Tag blasen die Israeliten erneut zum Angriff, die Stadtmauern stürzen unter dem Hörnerschall und Kriegsgeschrei zusammen: Jericho ist besiegt. Auch danach werden die Neuankömmlinge immer wieder in Schlachten verwickelt, Josua besiegt 31 Könige und unterwirft nahezu ganz Kanaan. Schließlich stirbt auch Josua und der Rest des Buchers erzählt von der genauen Verteilung des eroberten Landes.

Das Buch der Richter

Die Richter sind charismatische Helden und Heerführer, die mit ihrer Tapferkeit die Israeliten immer wieder vor ihren Feinden retten. Es gibt „große“ und „kleine“ Richter und auch eine Richterin: Debora. Die Erzählungen aus dem Buch der Richter folgen immer dem gleichen Muster: Das Volk wendet sich von Gott ab, gerät in große Not und wird durch einen Richter und damit letztlich von Gott gerettet. Die Aussage ist klar: Wenn das Volk sich von Gott abwendet, droht ihm Unheil. Nur im Bund mit Gott dürfen sich die Israeliten sicher fühlen. Und noch eines können wir daraus lernen: So einfach und angenehm, wie die Landnahme noch zuvor im Buch Josua beschrieben wurde, verlief diese Zeit mit Sicherheit nicht.

Das Buch Rut

Diese Buch besitzt fast novellenartigen Charakter. Es funktioniert mehr als eine Überleitung, weniger wirklich als eigenständiges Werk. Der Zweck besteht darin, die Vorgeschichte der Dynastie Davids zu skizzieren. Hauptperson ist die Moabiterin Rut, die zu ihrer Schwiegermutter eines der berühmtesten Gottesbekenntnisse ausspricht: „Dränge mich nicht, dich zu verlassen und umzukehren. Wohin du gehst, dahin gehe auch ich, und wo du bleibst, da bleibe auch ich. Dein Volk ist mein Volk und dein Gott ist mein Gott.“ Das ist umso bedeutender, da Rut keine Israelitin ist. Rut gebiert später Obded, den Großvater Davids. Und auf diese Weise ist Rut eine Verwandte Jesu, in Mt. 1, 5 ff wird diese Abstammung erwähnt.

Das erste Buch Samuel

Den entscheidenden Schritt im ersten Samuel-Buch könnte man auf folgenden Nenner bringen: Israel tauscht das Gottesreich gegen ein Königreich ein. Der Prophet Samuel wird dabei als letzter Richter beschrieben, der vergeblich vor der Einführung eines Königtums warnt. Trotzdem salbt er den ersten König, Saul. Saul startet gut, bekommt bald Paranoia und trachtet schließlich einem seiner treuesten Untertanen nach dem Leben: David. David flieht und erhält Hilfe von Sauls Sohn Jonathan. David schließt sich erbitterten Feinden Sauls an, den Philistern. Trotzdem verschont er mehrmals Saul. Schließlich setzt der erste König der Israeliten seinem Leben selbst ein Ende. Nach einer vernichtenden Niederlage gegen die Philister – David beteiligte sich nicht an den Kämpfen – und der Ermordung seiner Söhne, tötet sich Saul mit seinem eigenen Schwert.

Das zweite Buch Samuel

Die beiden Samuel-Schriften bilden eine feste innere Einheit. Das zweite Buch setzt nämlich drei Tage nach Sauls Tod ein. Es erzählt vom Aufstieg Davids und wie er die Bundeslade – den heiligsten Gegenstand der alten Israeliten – in die neue Hauptstadt Jerusalem bringt. Doch auch Davids Aufstieg hat negative Folgen, der große König verliert das Maß. Um eine junge Frau für sich zu haben, schickt er ihren Mann in den Tod. David wird von Gott bestraft, verliert einen gerade geborenen Sohn und muss mitansehen, wie aus seinen Söhnen Amnon und Abschalom Todfeinde werden. Abschalom ermordet seinen Bruder und zettelt eine Verschwörung gegen David an. Der kann zunächst nur fliehen, bekommt am Ende doch wieder Oberwasser, muss aber dafür den Tod seines Sohnes Abschalom verkraften.

Das erste Buch der Könige

David hat wieder seinen Platz in Jerusalem eingenommen, doch der König ist alt und von den Anstrengungen aufgezehrt. Als er stirbt, bricht ein Streit um seine Nachfolge aus. Am Ende wird Salomo König – und seine Weisheit im berühmten „salomonischen Urteil“ legendär. Unter Salomo besitzt das Reich ungeheure Macht und Wohlstand, der König lässt einen herrlichen Tempel in Jerusalem bauen. Doch auch Salomo wendet sich von Gott ab und vergisst seine eigene Religion und Kultur. Nach dem Tod Salomos teilt sich das Reich in das Nordreich Israel und das Südreich Juda.

Das zweite Buch der Könige

Wie das erste Buch der König beginnt die zweite Schrift mit einer Darstellung der Geschichte der beiden Reiche. Dabei werden die jeweiligen Könige beschrieben und gegenseitig verglichen. Bis es zur großen Katastrophe kommt: Israel wird vom König von Assur erobert, die Bewohner werden verschleppt. Das Reich Juda kann sich nicht lange freuen, verschont geblieben zu sein. Das Ende des Buches bedeutet auch das Ende Judas: Die Truppen des Königs von Babylon, Nebukadnezar II., erobern die Hauptstadt Jerusalem und zerstören den Tempel.

Mit dem ersten Buch der Chronik beginnt ein anderes Geschichtswerk des AT, man nennt es das „Chronistische Geschichtswerk“. Dieses Werk scheint auf einen Verfasser zurückzugehen und umfasst die beiden Bücher der Chronik sowie die Bücher Esra und Nehemia. Der Verfasser zeichnet sich durch ein sehr einseitiges religiöses, weniger historisches Interesse aus. Dabei knüpft er keinesfalls am „Deuteronomistischen Geschichtswerk“ an, sondern schildert die Geschichte von Adam bis zur Heimkehr der Israeliten aus dem babylonischen Exil.

Das erste Buch der Chronik

Hier finden wir viele Elemente, die in den Büchern der Könige oder Samuels nicht auftauchen. Allerdings bemerken wir noch mehr als bei anderen Werken eine starke ideologische Färbung: David und Salomo werden als makellose Helden beschrieben, beispielsweise erwähnt der Autor den Ehebruch Davids nicht. Besonderer Wert wird auf die Beschreibung von Riten und Fragen des religiösen Lebens gelegt. Man vermutet daher, dass der Verfasser ein Priester war.

Das zweite Buch der Chronik

Die direkte Fortführung des ersten Chronik-Buches beschreibt die Geschichte bis zum Ende des Reiches Juda. Im Unterschied zu dem 2. Buch der Könige konzentriert sich der Autor nur auf das Südreich, während das Nordreich Israel und sein Untergang unerwähnt bleiben. In diesem Buch wird eine Tendenz immer klarer: Als Hüter und Garanten des Bundes mit Gott werden nicht mehr die Könige, sondern zunehmend die Priester angesehen – auch das ein Verweis darauf, dass der Autor aus der Priesterschaft stammt.

Das Buch Esra

Esra ist ein Priester, der im 7. Kapitel dieses Buches auftaucht. Davor schließt sich das Werk an die Chronik-Bücher an und erzählt, wie Perserkönig Kyros II. Babylon erobert. Danach dürfen die Israeliten aus dem Exil – das anders als es der Begriff „Gefangenschaft“ nahe legt, vermutlich keine brutale Verschleppung und Sklavenarbeit war – zurückkehren. Nach ihrer Rückkehr bauen sie in Jerusalem einen neuen Tempel. Seit langem wird wieder einmal das Pessachfest in Jerusalem gefeiert. Also das Fest, das an die Befreiung aus Ägypten erinnert. Die Botschaft: Der Herr hat das Volk wie damals in Ägypten auch aus der Knechtschaft in Babylon befreit. Mit dem Auftritt von Esra im 7. Kapitel bricht eine neue Zeit an. Der Priester ordnet das Leben in der Gemeinde in Jerusalem neu.

Das Buch Nehemia

Zusammen mit dem Buch Esra bildete Nehemia wohl ursprünglich eine feste Einheit. Nehemia ist ein babylonischer Jude, der als Statthalter von Jerusalem amtiert. Er lässt die Stadtmauern Jerusalems wiederaufbauen und bestätigt das Gesetz, das Esra erlassen hatte. Danach führt er viele Reformen durch und ordnet beispielsweise das Ruhehalten am Sabbat neu an. Wie schon in Esra ab dem 7. Kapitel wird auch hier die Ich-Form verwendet, daher tragen die beiden Bücher stark autobiographische Züge.

Nach dem Buch Nehemia endet das „Chronistische Geschichtswerk“ und es beginnt mit dem Buch Tobit eine Reihe weitere Geschichtsbücher, die unterschiedliche Stile und Ausrichtungen aufweisen.

Das Buch Tobit

Auch dieses Buch gleicht einer Autobiographie beziehungsweise Novelle. Tobit erscheint als sehr frommer, rechtschaffener Mann. Er gibt in der Gefangenschaft in Ninive Hungernden Brot und Nackten Kleider. Trotzdem erblindet Tobit und muss sich sogar von seiner Frau Hanna verhöhnen lassen: „Wo ist denn der Lohn für deine Barmherzigkeit und Gerechtigkeit? Jeder weiß, was sie dir eingebracht haben.“ Gott allerdings hat Tobits Güte nicht vergessen und schickt seinen Engel Raphael. Und so hilft er Tobits Sohn Tobias ein Mittel gegen die Blindheit zu finden und belohnt am Ende Tobit doch noch für seinen Glauben.

Das Buch Judit

Eine Frau gegen den Rest der Welt. So könnte man das Buch Judit überschreiben. Es handelt davon, wie die Witwe Judit zur Retterin der Israeliten wird. Der Assyrer Holfernes belagert Betulia und bedroht so Judits Heimat. Der Feldherr will allen Belagerten bei seinem Sieg ein Auge ausstechen – doch dazu kommt es nicht: Judit schleicht in das Lager des Generals und köpft Holofernes. Die Assyrer geraten in Schrecken und brechen die Belagerung ab, das Volk aber bejubelt Judit als Retterin.

Das Buch Ester

Im Zentrum dieses Buches steht Ester, die Gemahlin des Perserkönigs Achaschwerosch (Xerxes). Sie kann gerade noch verhindern, dass ihr Volk von den Persern ermordet wird. Und sie schafft es sogar, die Feinde ihres Volkes zu besiegen und den Israeliten Sicherheit zu geben. In Erinnerung an diese Rettung wird das Purimfest eingeführt. Übrigens: Von den letzten fünf Geschichtsbüchern gehört nur dieses Werk auch dem jüdischen Kanon an.

Das erste Buch der Makkabäer

Die Zählung der beiden Makkabäerbücher ist kompliziert. Denn eigentlich hängen sie nicht direkt zusammen, da beide unterschiedliche Verfasser haben. Der erste Autor jedenfalls hat ein sehr ausgefeiltes Geschichtswerk geschaffen, das beim „gottlosen“ König Antiochus IV. beginnt und mit dem Tod des Makkabäers Simon endet. Dazwischen erleben wir zahlreiche Kämpfe, ehe die Israeliten ihre Freiheit erringen können. Und auch hier sagt die Bibel: Gott lässt sein Volk nicht im Stich.

Das zweite Buch der Makkabäer

Das zweite Werk behandelt eine weitaus kürzere Zeit als das erste. Nur etwas sechs Jahre dauert die Geschichte, ehe sie mit dem Sieg der Makkabäer über den feindlichen Feldherr Nikanor zu Ende geht. Im Gegensatz zum ersten Makkabäerbuch finden wir hier viele Wundererzählungen und beinahe fantastische Ausschmückungen. Eine Anmerkung am Rande: Es gibt noch zwei andere Makkabäerbücher, die allerdings nicht in den Kanon aufgenommen wurden.

Simon Biallowons

Der dritte große Teil des AT ist wohl der bunteste. Er setzt sich aus Liedersammlungen, Sprichwörtern und Weisheitsschriften zusammen. Am bekanntesten sind dabei wohl zwei Bücher: Die Psalmen und das Buch Ijob.

Das Buch Ijob

Die Geschichte von den Leiden des Ijob gehört zu einer sehr eigenartigen Gattung des Alten Orients: zu der so genannten Weisheitsliteratur. Das Besondere ist, dass die Weisheitsbücher traditionell Salomo zugeschrieben wurden. Nur das Buch Ijob, das bekannteste dieser Gattung, wurde nie mit Salomo in Verbindung gebracht. Der Name stammt von der Hauptperson, dem frommen Ijob. Er wird vom Teufel, der als himmlischen Staatsanwalt Gott herausfordert, auf die Probe gestellt. Ijob verliert seinen Reichtum, seine Söhne und Töchter und zum Schluss sogar fast sein eigenes Leben. Doch bei all dem bleibt er Gott treu und wird so zu einem der stärksten Bilder für unerschütterliches Vertrauen. Sein wohl berühmtester Satz: „Der Herr hat gegeben, der Herr hat genommen; gelobt sei der Name des Herrn.“

Die Psalmen

Ein Psalm ist ein geistliches Lied. 150 gibt es davon in der Bibel, wir finden sie in der Sammlung der Psalmen. Diese Sammlung wurde nach der Rückkehr aus dem Babylonischen Exil bis 70 n. Chr. als festes Liederbuch verwendet. Die Inhalte sind ganz verschieden: Es gibt zum Beispiel Klagelieder, Vertrauenslieder, Danklieder oder auch Hymnen. Diese Lieder sind über die Jahrhunderte entstanden, ein einheitliches Datum gibt es nicht. Genauso wenig wie einen einzelnen Verfasser. Die Tradition reicht wohl bis zu David zurück, wir kennen aber keinen einzigen Verfasser ganz genau.

Das Buch der Sprichwörter

Dieses Buch besteht aus mehreren Spruchsammlungen. Im Zentrum stehen zwei Sammlungen von „Sprüchen Salomos“. Die Sprüche werden nicht nur im NT sehr häufig zitiert, sondern sind auch heute noch beliebt und bekannt. Zum Beispiel: „Hochmut kommt vor dem Fall.“ Oder „Wer anderen eine Grube gräbt, fällt selbst hinein.“

Das Buch Kohelet

Was bedeutet „Kohelet“? Wir wissen es bis heute nicht eindeutig. Auch der Verfasser ist ungeklärt, wenngleich die Schrift selber Davids Sohn, also wohl Salomo, als Autor angibt. Allerdings passt das zeitlich nicht – und das ist nicht das Einzige, was uns heute Schwierigkeiten bereitet: Die Bindung der Welt an Gott ist im Buch Kohelet extrem hoch, der Gedanke der menschlichen Freiheit scheint kaum zu existieren. Elend, Leid, Not: All das wird als sekundär betrachtet, da von Gott her die Welt „schön“ ist. Das mag im Grundsatz stimmen, doch die zum Teil ungeheuer fatalistischen Gedanken sind heute nur schwer zu akzeptieren.

Das Hohelied

Literarisch gesehen eine Perle, exegetisch betrachtet eine harte Nuss: Das Hohelied gehört zu den schwierigsten Bestandteilen des AT. Autor, Aufbau und Abfassungszeit sind allesamt umstritten. Besonders der Inhalt ist unklar: Handelt es sich um Liebesdichtung, heidnische Kultlieder oder wird das enge Verhältnis Gottes zu seinem Volk beschrieben? Wir wissen es nicht sicher. Dennoch scheint besonders der Vergleich Braut – und Bräutigam als Allegorie für die Verbindung zwischen Gott und seinem Volk wichtig. In diesem Licht betrachtet macht das Hohelied eine wunderbare Aussage, die im NT durch die Verbindung Christus – Kirche bestätigt wird: Gott liebt und sorgt für uns.

Das Buch der Weisheit

Es ist das jüngste Buch des AT und scheint von einem hellenistischen Juden geschrieben worden zu sein. Der erste Teil dreht sich um die Bedeutung von Weisheit, wobei Weisheit hier eher mit „Frömmigkeit“ zu übersetzen wäre. Die Quintessenz: Hier auf der Welt mag der Tor noch über den Weisen triumphieren. Nach dem Tod allerdings wird der Weise für seine Weisheit, also Frömmigkeit, belohnt.

Das Buch Jesus Sirach

Dieses Werk stellt eine Ausnahme im AT da: Wir kennen hier mit letzter Sicherheit den genauen Verfasser. Und warum? Weil das Buch die Unterschrift „Kolophon“ trägt. Die Abfassungszeit war um 180 v. Chr. Ansonsten ist Jesus Sirach weit weniger klar, die Struktur besteht aus vielen losen Sprichwörtern, Gedichten und Lebensweisheiten. In der alten Liturgie war dieses Werk nach den Psalmen das am meisten verwendete alttestamentliche Buch.

Simon Biallowons

Die Bücher der Propheten sind in zwei Gruppen unterteilt: Nach ihrem Umfang werden Jesaja, Jeremia mit Baruch, Ezechiel und Daniel als „große“, die restlichen als „kleine“ Propheten bezeichnet. Natürlich gab es schon vor diesen Schriftpropheten andere Propheten. Aber von ihnen sind meist nur wenige Worte überliefert. Umso bedeutender sind diese Schriften, die das Volk Israel immer wieder an seine Aufgaben und Pflichten erinnern sollen. Die Propheten sind die großen Lehrer und Gottesboten des AT.

Das Buch Jesaja

Der Kern der Botschaft Jesajas besteht aus einem der bekanntesten Sätze der Bibel: „Glaubt ihr nicht, so bleibt ihr nicht.“ Jesaja drückt damit seine Überzeugung aus, weniger auf militärische oder politische Bündnisse zu setzen, als allein auf Gott. Von Jesaja stammt auch die Verheißung, dass Gott einen Messias als Friedensfürsten aus dem Geschlecht Davids schicken wird. Allerdings ist bei diesem Buch einige Vorsicht angebracht: Die echten Worte Jesajas finden wir nur in den ersten 39 Kapiteln. Danach wechselt der Prophet, die Exegese spricht von einem Deuterojesaja. Dieser dürfte der Führer eines prophetischen Kreises im Babylonischen Exil (um 555 v. Chr.) gewesen sein, während der erste Jesaja bereits gegen 700 v. Chr. gestorben war. Die auffälligste Stelle ist in diesem Teil das „Gottesknechtlied“, Deuterojesaja benutzt immer wieder den Begriff Gottesknecht – später wurde Christus so bezeichnet. Hier wird es auf Deuterojesaja selbst angewendet, man vermutet, dass der Prophet von den Babyloniern hingerichtet wurde. Doch damit ist das Buch Jesaja noch nicht zu Ende: Ein dritter Jesaja, der Tritojesaja, tritt in den Kapiteln 55 bis 66 auf. Dieser Teil war gegen 250 v. Chr. abgeschlossen. Dort geht es vor allem um Ermutigungen und Warnungen, die für die aus dem Exil heimkehrenden Isrealiten bestimmt waren.

Das Buch Jeremia

Über sein Leben wissen wir am besten Bescheid, seine Worte sind klar überliefert: Jeremia ist einer der bekanntesten Propheten. Er stammt aus einer Priesterfamilie in der Nähe Jerusalems und wird schon früh als Prophet berufen. Jeremia predigt bis zu einer Reform gegen heidnische Kultpraktiken, zieht sich zurück und tritt einige Zeit später wieder auf den Plan. Aufgrund seiner Kritik wird er immer wieder verfolgt, selbst seine eigene Familie stellt ihm nach. Jeremia zweifelt, will seinen Auftrag ablehnen, doch ringt sich am Ende dazu durch, weiter Gott zu dienen. Die Konsequenz: Jeremia wird verhaftet und weggesperrt. Erst als die Babylonier Jerusalem einnehmen, wird Jeremia befreit. Er darf zunächst in Jerusalem bleiben, muss allerdings mit seinem Volk – und entgegen seinem Rat – nach Ägypten auswandern. Hier findet er schließlich seinen Tod.

Die Klagelieder

Poetik ist in diesem Buch angesagt, es wird unterteilt in fünf Gedichte. Früher nahm man allgemein an, dass Jeremia der Verfasser gewesen sei. Heute allerdings wird das stark bezweifelt. Das strenge Versmaß hat der Prophet wohl kaum angewandt.

Das Buch Baruch

Diese Schrift gehört inhaltlich eng zu dem Buch Jeremia, Baruch ist nämlich der Sekretär des Jeremia. Allerdings werden Baruch sehr viele verschiedene Schriften zugeschrieben, die oft zu unrecht – und so ist es auch bei diesem Buch. Der wahre Verfasser ist nämlich unbekannt, aber er scheint für dieses Werk verschiedene Texte und Schriften komponiert zu haben.

Das Buch Ezechiel

Eines der schwersten Werke im AT ist das Buch Ezechiel. Schwer deshalb, weil der Text nur schlecht überliefert ist. Dazu bestehen erhebliche Unsicherheiten bezüglich Autor und Entstehungszeit. Heute nimmt man meistens Folgendes an: Ezechiel wird als Priester von den Babyloniern ins Exil verschleppt. Dort kündigt er für Jerusalem ein schreckliches Gericht an. Wenig später stirbt seine Frau – ein Schicksalsschlag der Ezechiel unfassbar hart trifft. Er vergleicht diesen Schmerz mit dem Schmerz des ganzen Volkes über den Verlust Jerusalems. Nach dem Untergang der alten Hauptstadt kämpft Ezechiel gegen die Verzweifelung seiner Landsmänner und verheißt die Gnade Gottes. Wann und wie Ezechiel gestorben ist, weiß man nicht. Die Legende, er sei von seinen Landsleuten für eine Predigt erschlagen worden, kennt das Christentum nicht.

Das Buch Daniel

Das Buch Daniel ist ohne Frage eines der berühmtesten Prophetenbücher. Die Szene, als Daniel in der Löwengrube überlebt und gar die wilden Tiere zähmt, ist legendär. Ebenso die Erzählung, wie er dem Feuertod entgeht, weil die Flammen ihm nichts anhaben können. Daniel avanciert zuvor vom einfachen Gefangenen zum Traumdeuter und Berater des babylonischen Königs Nebukadnezar. Unter dem neuen König Darius entgeht er wie gesagt dem Tod in der Löwengrube. Daniels Prophezeiungen sind sehr endzeitlich gestimmt. Besonders bekannt ist die Vision der vier Weltreiche, die durch vier wilde Tiere symbolisiert werden.

Das Buch Hosea

Der Prophet Hosea stammt aus dem Reich Israel. Er kritisiert in erster Linie die heidnischen Kulte, die bei den Israeliten aufblühen. Er wirft dem Volk vor, den Bund mit Gott zu verraten und benutzt dafür das Bild des Ehebruches. Seine Warnungen verhallen ungehört, 722 v. Chr. unterwerfen die Assyrer Israel. Es scheint, als sei Israel für seinen „Ehebruch“ bestraft worden. Nach Hosea gibt es allerdings Hoffnung: Gott wird den Ehebruch verzeihen, wenn sein „Weib“ Israel zu ihm zurückkehrt.

Das Buch Joel

Über dieses Büchlein wissen wir nur sehr wenig. Man nimmt an, dass der Text für einen Bitt- und Bußgottesdienst anlässlich einer schweren Heuschreckenplage entworfen wurde. Die Plage deutet Joel als Bild für ein endzeitliches Gottesgericht.

Das Buch Amos

Dieses Werk ist das erste echte Prophetenbuch. Amos tritt dabei als eine Art Anwalt des kleinen Mannes auf. Er selber war wohl Landwirt südlich von Betlehem. Amos mahnt als Prophet in erster Linie soziale Ungerechtigkeiten und religiöse Missstände an.

Das Buch Obadja

Ein Kapitel und nur zwei Themen: Das Buch Obadja ist sehr schlicht aufgebaut. Es besteht aus einem Heilsorakel für das Königreich Juda und polemisiert gegen das verfeindete Edom. Was besonders auffällt: Die ersten zehn Verse sind mit Jer 49,7 – 22 identisch.

Das Buch Jona

Jona ist der älteste Prophet, der seinen Platz im AT hat. Allerdings ist dieses Büchlein kein eigentliches Prophetenbuch, sondern eher eine Ansammlung verschiedener Legenden. Die bekannteste erzählt, wie Gott Jona in die Stadt Ninive schicken will, um den Bewohnern eine letzte Warnung zu geben. Jona will aber nicht, versucht auf einem Schiff zu entkommen und landet schlussendlich im Bauch eines Wales. Die Botschaft: Gott ist überall. Wir können uns ihm nicht einfach entziehen. Aber noch wichtiger: Gott wird hier als versöhnlicher Gott dargestellt. Denn als die Bewohner von Ninive die Warnung hören, bereuen sie und Gott verzeiht ihnen.

Das Buch Micha

Micha ist ein Zeitgenosse Jesajas. Er wird nahe Jerusalem geboren, steht aber dem Leben in der großen Stadt sehr kritisch gegenüber. So prophezeit Micha den Untergang des Tempels und muss sich deshalb heute des Vorwurfes erwehren, er sei ein reiner Schwarzmaler gewesen. Das stimmt aber so nicht: Das letzte Kapitel handelt von der „Zuversicht Jerusalems“ und schreibt: „Zwar sitze ich in der Finsternis, aber der Herr ist mein Licht.“

Das Buch Nahum

Bei religiösen Feiern mahnt er, droht den Feinden und spricht seinem Volk gut zu: Nahum ist ein so genannter „Kultprophet“. Bekannt sind seine Spottreden über Assyrien und dessen Hauptstadt Ninive. Sie sind der Hauptbestandteil des Buches, das kurz vor oder nach dem Untergang Ninives geschrieben wurde.

Das Buch Habakuk

Auch Habakuk ist wohl ein Kultprophet, die Form des Buches könnte man wie bei Nahum als „prophetische Liturgie“ bezeichnen. In der Mitte steht dabei ein Dialog Habakuks mit Gott, auf den fünf „Wehe“ über einen Unterdrücker folgen. Das Ende bildet ein Gebet des Propheten.

Das Buch Zefanja

Über sein Leben ist nichts bekannt, dennoch dürfte sein Büchlein authentische Reden und Worte enthalten: Zefanjas Werk besteht hauptsächlich aus Gerichtsreden und Umkehrpredigten. Außerdem warnt der Prophet immer wieder feindliche Völker und verheißt Jerusalem eine Hoffnung und Rettung.

Das Buch Haggai

Haggais Leben ist historisch relativ gut belegt, er kommt mit Serubbabel und dem Hohepriester Josua um 530 v. Chr. aus dem Babylonischen Exil nach Jerusalem. Seine vier Prophetenworte drehen sich alle um den Tempel, er plädiert für einen möglichst raschen Wiederaufbau.

Das Buch Sacharja

Wie sein Zeitgenosse Haggai setzt auch Sacharja auf einen schnellen Tempelbau. Auffällig ist, dass der Prophet wohl einige Erwartungen in den Davidnachkommen Serubbabel setzt und ihm dementsprechend positiv beschreibt. Außerdem: Während der erste Teil des Buches noch klar gegliedert in Mahnungen, Verheißungen und eine Weisung über das Fasten ist, bereitet der zweite Teil einige Probleme. Die Autorenschaft ist völlig unklar, die Exegese tut sich daher schwer mit einer inhaltlichen Einordnung.

Das Buch Maleachi

War es ursprünglich überhaupt ein eigenes Buch? Diese Frage stellt sich die Bibelforschung heute noch. Auch der Titel scheint eher ein Übersetzungsfehler denn ein wirklicher Prophetenname zu sein. Jedenfalls dürfte das Buch Maleachi im ausgehenden 6. oder im 5. Jahrhundert v. Chr. entstanden sein. Der Inhalt handelt von sechs so genannten „Disputationsworten“, die den Mangel an Ehrfurcht vor Gott anprangern. Außerdem wird die Wiederkunft des Elija verheißen.

Simon Biallowons