Das Neue Testament

Der neue Bund

Das Neue Testament besteht aus weitaus weniger Teilen als das Alte Testament. Im Zentrum stehen die vier Evangelien, die uns vom Leben und Sterben Christi erzählen. Daneben ergänzen in erster Linie Briefe eine großartige Botschaft. Sie lautet: Gott hat einen neuen Bund mit uns geschlossen. Gott schickte uns seinen Sohn, um hier ein Stück vom Reich Gottes beginnen zu lassen. Das Neue Evangelium verkündet uns diese wunderbare Hoffnung. Und nimmt uns in die Pflicht: Wir sollen helfen, dieses Reich mehr und mehr zu verwirklichen. Hier auf Erden

Foto: pixabay
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Die Evangelien erzählen uns vom Leben und Sterben Christi. Es gibt vier offizielle, die „kanonischen“, Evangelien. Die so genannten „Apokryphen“ wurden von der Kirche nicht anerkannt. Bei den kanonischen Evangelien bilden Markus, Matthäus und Lukas die Gruppe der Synoptiker. Sie haben viele Überschneidungen und Übereinstimmungen. Eine Sonderform stellt das vierte Evangelium dar, dessen Verfasser Johannes eine etwas andere Anlage und Konzeption benutzt hat.

Ursprünglich wurde dieses Werk „Taten der Apostel“ genannt. Der Autor, Evangelist Lukas, wollte wohl zusammen mit seinem Evangelium ein geschlossenes Geschichtswerk anlegen. Zentrale Punkte sind das Pfingstereignis und die Aussendung der Jünger. Wir finden die Steinigung des ersten Märtyrers, Stephanus. Und wir erfahren etwas über das Leben der ersten Christen, wenn wir die Passagen über die Urgemeinde in Jerusalem lesen. Bei all dem merken wir schnell, was Lukas darstellen wollte: den Siegeslauf der Botschaft Christi. Das Evangelium kennt keine Grenzen, alle Völker sollen es hören. Dabei hat Lukas besonders der Heidenmission große Aufmerksamkeit geschenkt. Gleich dreimal wird in diesem Teil der größte frühchristliche Missionar, der Apostel Paulus, beauftragt. Die Apostelgeschichte endet mit der letzten Station des Paulus: in Rom.

Ohne Paulus ist der Aufstieg des Christentums zur Weltreligion kaum vorstellbar. Erst wurde er vom Christenhasser zum überzeugten Anhänger Jesu, dann missionierte er in weiten Teilen der damaligen antiken Welt und dann starb er für seinen Glauben als Märtyrer. Die „Paulinischen Briefe“ verschaffen uns einen Eindruck wie der große Apostel lebte, dachte und vor allem verkündete. Allerdings: Nicht alle Briefe sind wirklich von Paulus, manche wurden von Schülern geschrieben und einige sind verschollen. Trotzdem: Die Paulinischen Briefe sind unverzichtbarer Bestandteil der Botschaft des Neuen Testamentes

Es ist Anfang des Jahres 58 n. Chr., Paulus hält  sich in Korinth auf. Hier schreibt er, wohl zur Vorbereitung eines Besuches, den Brief an die Römer. Der Text ist wie eine Diskussion gegliedert und dreht sich in erster Linie um das Evangelium und Jesus Christus. Das hat einen Grund: So kann sich Paulus bei der noch unbekannten Gemeinde besser einführen. Auf diese Weise entsteht das sorgfältigste und tiefschürfendste authentische Schreiben des Paulus, das den liebenden Charakter des Christentums deutlich unterstreicht: „Bleibt niemand etwas schuldig; nur die Liebe schuldet ihr einander immer. Wer den andern liebt, hat das Gesetz erfüllt.“ Die Polemik anderer Briefe fehlt hier zum Großteil, Paulus legt fast schon eine theologische Abhandlung vor. Zentral ist die Frage nach dem Gegensatz der von Gott geschenkten und der von den Menschen erworbenen Gerechtigkeit. Zum Beispiel schreibt er, Luther beinahe vorwegnehmend: „Denn wir sind der Überzeugung, dass der Mensch gerecht wird durch Glauben, unabhängig von Werken des Gesetzes.“ Eine Stelle allerdings hat später unrühmliche Bekanntheit erlangt und wurde oft negativ ausgelegt: „Jeder leiste den Trägern der staatlichen Gewalt den schuldigen Gehorsam. Denn es gibt keine staatliche Gewalt, die nicht von Gott stammt; jede ist von Gott eingesetzt. Wer sich daher der staatlichen Gewalt widersetzt, stellt sich gegen die Ordnung Gottes, und wer sich ihm entgegenstellt, wird dem Gericht verfallen.“

Der erste Brief an die Korinther

Es ist die zweite Missionsreise, die Paulus in die bedeutende und geschichtsträchtige Hafenstadt Korinth führt. Das Leben hier gilt als skandalös, Orgien und Zügellosigkeit gehören zum guten Ton. Horaz beispielsweise hat ein berühmtes Zitat geprägt: „Nicht einem jeglichen wird es zuteil, nach Korinth zu gehen.“ Paulus gelingt es hier, eine ansehnliche Gemeinde zu gründen. Nach mehr als einem Jahr bricht Paulus auf und gelangt nach Ephesus. Von hier aus schreibt er diesen Brief. Anlass war eine Anfrage aus Korinth zu verschiedenen Punkten (zum Beispiel Fragen zur Ehe oder der Auferstehung). Die Besonderheit in Korinth ist, dass es unter den Christen vier Parteien gibt. Sie haben sich nach Missionaren benannt und Paulus mahnt, dass Christus und Gott allein die maßgeblichen Autoritäten sind. Dabei erhalten die Leser interessante Einblicke in das kulturelle und soziale Leben einer frühen christlichen Gemeinde.

Der zweite Brief an die Korinther

Die Zeit zwischen dem ersten und dem zweiten Korintherbrief gehört zu den dunkelsten im Leben Paulus. Zwar kann man die Ereignisse nicht ganz rekonstruieren, doch es gibt gut begründete Vermutungen: Wahrscheinlich erlebt Paulus bei einem Besuch in Korinth eine schwere Enttäuschung. Sie trifft ihn so hart, dass der Apostel einen – leider verloren gegangenen – „Tränenbrief“ schreibt. Doch kurz darauf kommt sein Schüler Titus und bringt gute Nachrichten. Der Brief hat gewirkt und die Korinther bedauern ihr Fehlverhalten. Im zweiten Brief an die Korinther drückt Paulus seine Freude über diese Entwicklung aus und bittet um die endgültige Abkehr von allem Heidentum. Danach fordert er die Leser auf, für die Gemeinde in Jerusalem zu spenden. Und zum Schluss rechnet er mit allen Gegner ab, rühmt sich – „notgedrungen“, wie er anmerkt –  selbst und kündigt seinen baldigen Besuch an. Die Echtheit dieser Zeilen gilt im Ganzen als verbürgt, nur einzelne Teile werden von manchen Experten als nachträglich hinzugefügt eingestuft.

Der Brief an die Galater

Als Paulus diesen Brief schreibt, steht seine gesamte Autorität auf dem Spiel. Er weiß, dass er handeln, dass er überzeugen muss. In den galatischen Gemeinden, die im Innern von Kleinasien liegen, versuchen judaistische Lehrer, das Evangelium zu diskreditieren und ihn zu verleumden. Sie hetzen, Paulus sei kein richtiger Apostel, habe keine Sendung von Jesus und das von ihm verkündete Evangelium sei ein gefährlicher Irrtum. Die Hetzprediger haben Erfolg, die Galater wanken in ihrem Glauben. Paulus reagiert: Kaum ein Brief ist so voller Zorn und Emotionen wie dieser, kaum ein Dokument erzählt von so persönlichen und biographischen Dingen. Schonungslos greift er seine Gegner an und redet den eigenen Schützlingen ins Gewissen. Der obligatorische Dank am Anfang und die Grußbestellung am Ende fehlen nur in diesem Brief. Ob der Brief direkten Erfolg hat, wissen wir nicht – sicher nur ist: Dieser Brief ist eines der wichtigsten Dokumente, um Paulus Kampf zu verstehen. Er tritt für das Zentrum des christlichen Glaubens, die Auferstehung Christi als Erlösung, ein. Dieser Kampf wird ihn den Kopf kosten – er beginnt auf das Schärfste im Galaterbrief.

Der Brief an die Epheser

In vielen Teilen erinnert dieser Brief an das Schreiben an die Kolosser. Trotzdem ist die genaue Verfasserschaft umstritten. Einige Exegeten lehnen das Schreiben als nicht authentisch ab. Dann allerdings stellt sich auch die Frage nach der Echtheit des Kolosser-Briefs. Inhaltlich fällt zum Beispiel die differenzierte Darstellung von Ämtern und Gemeindestrukturen auf. Vor allem aber drückt der Apostel aus, dass Juden wie Heiden in gleicher Weise für das Heil in Christus bestimmt sind.

Der Brief an die Philipper

Paulus befindet sich in Gefangenschaft, als er an die Gemeinde in Philippi schreibt. Die Gemeinschaft hatte der Apostel auf seiner zweiten Missionsreise gegründet, jetzt ist sie seine Lieblings-Gemeinde. Umso mehr freut es ihn, dass die Philipper, nachdem sie von Paulus Haft erfahren haben, ihm eine Geldspende überbringen lassen. Paulus bedankt sich sehr und schreibt über seine persönliche Lage. Der Apostel hofft, bald wieder in Freiheit zu sein und ermuntert zugleich die Philipper zur Einheit. Insgesamt aber übersendet Paulus einen Brief, der wenig bemängeln kann – Philippi ist nicht umsonst seine Lieblings-Gemeinde. Ob indes das Schreiben auf einmal entstand oder ein Puzzle aus einzelnen Schriften des Apostel ist, ist bis heute noch ungeklärt.

Der Brief an die Kolosser

Der Kolosserbrief gehört wie das Schreiben an die Philipper, Epheser und an Philemon zu den so genannten „Gefangenschaftsbriefen“, da sich Paulus nach eigenen Angabe damals in römischer Haft befand. An die Kolosser schreibt der Apostel, um einmal mehr gegen Irrlehrer zu wettern. Er fürchtet eine Vermengung von christlicher Botschaft mit jüdisch-gnostischer Lehre. Das Hauptproblem: Christus wird als Erlöser geleugnet. Deshalb finden wir hier eine sehr ausgeprägte Christologie (Lehre von Christus), die aber die Linie der Hauptbriefe beibehält. Die Besonderheit ist ein „Christus-Hymnus“ mit den berühmten wie grundsätzlichen Worten: „Er ist das Haupt des Leibes, der Leib aber ist die Kirche. Er ist der Ursprung, der Erstgeborene der Toten; so hat er in allem den Vorrang.“

Der erste Brief an die Thessalonicher

Thessalonich (Thessaloniki) liegt als Hafenstadt strategisch wichtig und hat zudem Anbindung an die berühmte Römerstraße Via Egnatia. Insofern findet Paulus eine sehr internationale und bunte Bevölkerung vor. Die reagiert indes unterschiedlich auf Paulus Verkündigung. Der Apostel landet so in Thessalonich bei den „Heiden“ einen weitaus größeren Erfolg als bei den Juden. Das ärgert die Juden, sie werden neidisch und versuchen Paulus und seinen Begleiter Silas festzunehmen. Paulus flieht und schreibt in Korinth den ersten Brief an die Thessalonicher – den ältesten paulinischen Brief. Seine Echtheit ist heute allgemein anerkannt. Aus diesem Brief erfahren wir, dass die Thessalonicher dem Evangelium die Treue halten, die Botschaft Christi weiterverkünden, aber immer wieder unter Anfeindungen zu leiden haben. Paulus ermutigt sie, erzählt von der Auferstehung der entschlafenen Christen und warnt die Thessalonicher vor Lastern wie Unzucht und Unehrlichkeit.

Der zweite Brief an die Thessalonicher

Dieser Brief geht auf einen dringenden Anlass zurück: In den neuen Gemeinden treten Irrlehrer auf, die das baldige Ende der Welt und das Jüngste Gericht ankündigen. Paulus widerlegt die Prophezeihungen und legt im „Lehrhaften Teil“ seine Auffassung von der Wiederkehr Christi dar. Dabei lesen wir auch vom großen Frevler – vom berühmt-berüchtigten Antichristen! Das Ende widmet sich dann wieder ganz den irdischen Dingen: Paulus rügt arbeitsscheue Gemeindemitglieder und hält sie an, auch für das Gemeinwohl zu arbeiten. Lange Zeit hatte man aufgrund des mittleren Teils über die Wiederkunft Christi die Echtheit dieses Briefes angezweifelt. Heute allerdings geht die überwiegende Zahl der Forscher von Paulus als Verfasser aus.

Die beiden Briefe an Timotheus und der Brief an Titus werden allgemein als Pastoralbriefe bezeichnet. Im Unterschied zu den vorangegangenen Schreiben richten sie sich nicht an die Gläubigen einer Gemeinde, sondern an deren Vorsteher. Aus diesem Grund finden wir dort auch immer wieder Stellen, wo der Lebenswandel von Diakonen, Priestern oder Bischöfen skizziert und angemahnt wird. Diese Briefe sind bei manchen Experten heute umstritten, die Echtheit wird nicht von allen bestätigt. 

Der erste Brief an Timotheus

Hat Paulus diesen Brief geschrieben? Diese Frage wird in der heutigen Forschung stark diskutiert. Jedenfalls stammt Timotheus aus Lystra und hat sich Paulus auf dessen zweiter Reise als Missionsgehilfe angeschlossen. In diesem Brief nun wird er aufgefordert Irrlehren zu bekämpfen, die Gemeinde zu strukturieren und die einzelnen Schichten und Generationen adäquat zu behandeln. Dabei finden wir interessante Stellen über die Erfordernisse für das Bischofsamt: „Deshalb soll der Bischof ein Mann ohne Tadel sein, nur einmal verheiratet, nüchtern, besonnen, von würdiger Haltung, gastfreundlich, fähig zu lehren; er sei kein Trinker und kein gewalttätiger Mensch, sondern rücksichtsvoll; er sei nicht streitsüchtig und nicht geldgierig.“

Der zweite Brief an Timotheus

Angst, Ungewissheit, Verzweiflung: Dieser Brief wird in einer menschlichen Extremsituation geschrieben. Paulus sitzt im Gefängnis in Rom und wartet auf seine Hinrichtung. Noch einmal will er Timotheus sehen, es ist sein letzter Brief an seinen geliebten Schüler. Paulus schreibt: „Der Herr wird mich allem Bösen entreißen, er wird mich retten und in sein himmlisches Reich führen. Ihm sei die Ehre in alle Ewigkeit. Amen.“ Danach trägt er Timotheus auf, verschiedene Personen zu grüßen – der große Apostel nimmt Abschied.

Der Brief an Titus

Titus war lange ein enger Vertrauter Paulus. Doch der hat diesen Brief wahrscheinlich gar nicht geschrieben. Trotzdem enthält das Schreiben wichtige Informationen: Wie im ersten Schreiben an Timotheus dreht sich der Brief vor allem um die Organisation von kirchlichen Strukturen, natürlich fehlen auch die Warnungen vor Irrlehrern nicht. Berühmt aber ist folgendes Zitat geworden, das so genannte „Lügner-Paradoxon“ des Epimenides aus Kreta: „ Einer von ihnen hat als ihr eigener Prophet gesagt: Alle Kreter sind Lügner und faule Bäuche, gefährliche Tiere.“

Der Brief an Philemon

Philemon ist ein wohlhabender Christ, den Paulus bekehrt hat. Er wohnt vermutlich in Kolossae. Der Anlass des Briefes ist ungewöhnlich: Philemon war der Sklave Onesimus entlaufen, der bei Paulus zunächst Asyl findet. Der schickt den Sklaven dann allerdings zu seinem Herrn zurück, nicht ohne Philemon zu einem freundlicheren Umgang mit Onesimus aufzufordern. Er solle ihn nicht als Sklaven behandeln. Sondern als lieben Bruder. Paulus sagt über Onesimus: „Denn vielleicht wurde er nur deshalb eine Weile von dir getrennt, damit du ihn für ewig zurückerhälst, nicht mehr als Sklaven, sondern als weit mehr: als geliebten Bruder. Das ist er jedenfalls für mich, um wie viel mehr dann für dich, als Mensch und auch vor dem Herrn.“

Der Brief an die Hebräer

Das Thema dieses Briefes ist relativ einfach umrissen, es lautet: Jesus ist der wahre Hohepriester. Der Verfasser – mit ziemlicher Sicherheit nicht Paulus selbst, sondern eine stark vom Apostel beeinflusste Person  – skizziert zu Beginn in erster Linie die Überlegenheit der neuen Offenbarung Gottes. So schreibt er beispielsweise: „Denn er hat größere Herrlichkeit empfangen als Mose, so wie der, der ein Haus baut, größeren Ruhm genießt als das Haus.“ Der zweite Teil allerdings ist noch interessanter. Der Hebräerbrief skizziert, warum und wie Christus durch sein Opfer den alten Tempelkult obsolet gemacht hat. Durch seinen Tod ist er zum Stifter des neuen Bundes geworden und hat eine vollkommene Sühne bewirkt. Warum allerdings war dieses Opfer, das aus freier Liebe und nicht aus Rache eines blutrünstigen Gottes, geschah so einmalig? Weil es erfolgreich war, im Hebräerbrief steht dazu: „Denn durch ein einziges Opfer hat er die, die geheiligt werden, für immer zur Vollendung geführt.“ Wichtig ist, dass Gott sich selber für uns „opfert“ – schließlich sind er und Christus wesensgleich. Es wird also kein willenloses Opfer getötet, sondern der Kreuzestod geschieht in radikaler, freiwilliger Hingabe. All diese Gedanken klingen kompliziert – sind sie zum Teil auch. Aus diesem Grund sticht der Hebräerbrief deutlich heraus, er wurde lange mehr als ein theologisches Traktat denn ein Brief behandelt. Das allerdings haben in neuester Zeit viele Forscher verworfen, man deutet inzwischen das Dokument eher als eine niedergeschriebene Predigt.

Simon Biallowons

Der Brief an die Römer

Die sieben Katholischen Briefe wurden nicht sofort von der ganzen Kirche anerkannt, es dauerte, bis sie sich durchgesetzt hatten. Die Bezeichnung „Katholische Briefe“ rührt daher, dass diese Schreiben anders als die Briefe des Paulus sich nicht an bestimmte Adressaten, sondern an die Allgemeinheit oder zumindest einen sehr weiten Leserkreis richten. In der griechischen Kirche hat sich die Lehre durchgesetzt, diese Briefe seien älter als die paulinischen Dokumente. Daher folgen diese Schreiben dort direkt auf die Apostelgeschichte

Der Brief des Jakobus

Der Jakobusbrief ist eine Ansammlung verschiedener Belehrungen, Mahnungen und Warnungen. Das Schreiben verzichtet auf typische Briefelemente und kann daher auch nicht als ein Brief aufgefasst werden. Wer genau die Schrift verfasst hat, ist unbekannt. Ob es wirklich ein „Jakobus“ war, können wir heute nicht mehr beurteilen. Interessant allerdings ist, dass der Brief mit einigen Elementen Paulus fast offen zu widersprechen scheint. Hatte Paulus im Schreiben an die Römer noch den Vorrang des Glaubens betont, so besagt der Jakobusbrief: „Willst du also einsehen, du unvernünftiger Mensch, dass der Glaube ohne Werke nutzlos ist?“

Der erste Brief des Petrus

„Da Christus im Fleisch gelitten hat, wappnet auch ihr euch mit diesem Gedanken: Wer im Fleisch gelitten hat, für den hat die Sünde ein Ende.“ So beginnt das 4. Kapitel des Petrusbriefes. Der ganze Brief ist geprägt von einer endzeitlichen Stimmung. Er möchte die Christen bestärken, die Prüfungen im Glauben zu bestehen. Aus diesem Grund liegt in erster Linie ein „Mahnbrief“ vor, theologische Details sind eher zweitrangig. Der Verfasser, vermutlich eher nicht der Apostel Petrus, sondern wohlmöglich sein Gehilfe Silvanus (Silas), soll auf erschreckende Weise recht behalten: Wenige Jahre nach der wahrscheinlichen Abfassung des Schreibens stürzt der Kaiser Nero die Christen in die Verzweifelung. In Rom werden sie brutal verfolgt, wenngleich man diese Progrome noch nicht mit den großen Gewaltexzessen der späteren Kaiser vergleichen kann. Für die Christen aber wird auch diese Prüfung hart und beschwerlich – und der Petrusbrief ruft ihnen zu: „Liebe Brüder, lasst euch durch die Feuersglut, die zu eurer Prüfung über euch gekommen ist, nicht verwirren, als ob euch etwas Ungewöhnliches zustoße.“

Der zweite Brief des Petrus

Es wird heute als allgemein sicher angenommen, dass Petrus nicht der Verfasser dieses Schreibens ist. Die Unterschiede zum ersten Petrusbrief sind enorm, vor allem bezüglich des Wortschatzes, Verwendung des Alten Testamentes und der Gedankeninhalte. Ebenfalls auffällig: die enge Verwandtschaft zum Judasbrief. Der scheint als Vorlage gedient zu haben, von den 25 Versen des Judasbriefes sind 19 ganz oder zum großen Teil im Petrusbrief enthalten. Besonders bei den Warnungen vor den Irrlehrern fällt dies auf, wenn drei Beispiele für Strafgerichte (Engelsturz, Sündflut, Sodom Gomorrha) aufgeführt werden.

Der erste Brief des Johannes

Lukas hat die Apostelgeschichte, Johannes seine drei Briefe: Die Evangelisten haben mehr als nur ihr Hauptwerk geschrieben. Johannes stellt dabei das Thema der Liebe ins Zentrum seines Schreibens. Zwar fehlen auch Warnungen vor Irrlehrern, hier die „Antichristen“, und Mahnungen zum Leben nach den Geboten nicht. Doch im Kern geht es um Aussagen wie diese: „Wer nicht liebt, hat Gott nicht erkannt; denn Gott ist die Liebe.“ Trotz dieses wichtigen roten Fadens wurde eine Stelle bekannter, nämlich das so genannte „Comma Johaneum“. Dabei geht es um die Frage nach einem biblischen Beleg für die Trinitätslehre. Das Comma ist ein eingeschobenes Satzteil, das heute als nicht authentisch und nachträglich zugefügt eingestuft wird. Der Einschub ist hier kursiv und fett markiert und lautet: „Drei sind es, die Zeugnis ablegenim Himmel: der Vater, das Wort und der Heilige Geist, und diese drei sind eins. Und drei sind es, die Zeugnis geben auf Erden: der Geist, das Wasser und das Blut, und diese drei sind eins.“ In der „Nova Vulgata“, die nach dem II. Vaticanum erschien, fehlt der Satzteil.

Der zweite Brief des Johannes

Offiziell wird dieser Brief auch dem Evangelisten Johannes zugerechnet, allerdings gibt es auch Einwände unter den Forschern. Trotzdem finden sich in allen drei Büchern erhebliche Übereinstimmungen, was zwar nicht automatisch für den gleichen Verfasser spricht, aber doch ein starkes Indiz darstellt. Der Hauptzweck des zweiten Johannesbriefes besteht darin, eine uns unbekannte Gemeinde im Glauben zu bestärken. Die Formulierung „Und so bitte ich dich, Herrin, nicht als wollte ich dir ein neues Gebot schreiben, sondern nur das, das wir von Anfang an hatten: dass wir einander lieben sollen“ geht nicht an eine Dame und stellt auch keinen versteckten Liebesbrief dar. Die „Herrin“ ist die angesprochene Gemeinde.

Der dritte Brief des Johannes

Der letzte Brief des Johannes ist in erster Linie ein Dank- und Ermutigungsbrief. Der Adressat heißt Gaius, ein anscheinend wohlhabender, vom Verfasser bekehrter, Christ. Außerdem wird ein Hetzprediger namens Diotrephes in die Schranken gewiesen, während Gaius aufgefordert wird, sich bloß kein Floh von Diotrephes ins Ohr setzen zu lassen.

Der Brief des Judas

Im Judasbrief geht es rund, das Dokument ist eine Kampfschrift gegen gnostische Irrlehren. Der Ton hart und unversöhnlich, die Anspielungen deutlich und kompromisslos. So erinnert der Brief beispielsweise an andere „Irrlehrer“, die für ihren Frevel bezahlen mussten, zum Beispiel die Menschen in Sodom und Gomorrha. Diese Verbaloffensive wird gefolgt von Ermahnungen an die Gläubigen, nicht selber solche Irrwege zu beschreiten. Die genauen Adressaten sind leider unklar, allerdings tippt die Mehrheit der Forscher auf einen Kreis von Judenchristen. Der Verfasser bezeichnet sich als „Bruder des Jakobus“ – welchen Jakobus er genau meint, kann nicht mit Sicherheit gesagt werden. Eines allerdings ist klar: Judas Iskariot, der Jesus verriet, ist nicht der Verfasser dieses Briefes.

Simon Biallowons

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Kaum ein Buch genießt einen so schlechten und finsteren Ruf wie die Offenbarung des Johannes. Die meisten Menschen kennen es nur als die Apokalypse und tragen dabei vor allem düstere Gedanken im Hinterkopf. Immer wieder haben die bildgewaltigen Texte Literaten und Filmemacher inspiriert. Eines der berühmtesten Beispiele ist „Der Name der Rose“ von Umberto Eco. Die vordergründige Handlung besteht aus einer Mordserie in einem Kloster. Das Muster: Die sieben Posaunen aus der Offenbarung des Johannes

Der erste Engel bläst die Posaune. Der Himmel öffnet sich und es fallen Hagel, Feuer und Blut auf das Land. Wo das Blut das Gras trifft, vernichtet es alles Grün. Ein Drittel aller Bäume werden verbrannt, ein Drittel des ganzen Landes ist zerstört. Und dann bläst der zweite Engel seine Posaune…
Es sind solche dunklen Bilder, die dem Menschen die Offenbarung des Johannes fremd machen. Die Bilder sind schauerlich und schrecklich. Bisweilen glaubt man, in einem biblischen Splatter-Movie gelandet zu sein. Ein Movie, das durch übermächtige Gewalten bestimmt wird, zwischen denen der Mensch hilflos auf den Ausgang des Kampfes abwarten muss. Liest man die Zeilen, so scheint das Ende der Welt kurz bevor zu stehen.

Ermutigung während der Verfolgung

Für den Verfasser – es ist umstritten, ob dieser identisch mit dem Apostel Johannes ist – und seine Zeitgenossen ist genau das die Situation. Man vermutet heute, dass die Schrift gegen Ende der Regierungszeit des Kaisers Domitian angefertigt oder zumindest in der nun vorliegenden Form zusammengestellt wurde. Unter Domitian gibt es lokale Christenverfolgungen und so richtet sich die Offenbarung an sieben Gemeinden in Kleinasien. Für diese scheint tatsächlich das Ende der Welt nicht mehr weit weg, wenngleich von großen und systematischen Christenverfolgungen nicht die Rede sein kann. Doch unter Domitian wird der Konflikt zwischen der Obrigkeit und den Christen immer deutlicher. Im 13. Kapitel, eines der berühmtesten, steigen zwei Tiere aus dem Meer. Das erste Tier hat zehn Hörner, sieben Köpfe, bekommt vom Drachen (Satan) die Macht übertragen und „öffnet sein Maul, um Gott und seinen Namen zu lästern, seine Wohnung und alle, die im Himmel wohnen.“ Dieses Tier ist eine klare Anspielung auf die römischen Machthaber, die „mit den Heiligen kämpfen und zu besiegen.“ Das zweite Tier dient dem ersten so, wie das erste Tier dem Drachen, also Satan, dient. Die gesamte Passage weist auf die Bedrohung durch Rom und die Erwartung eines Kampfes zwischen Christentum und Rom/Heidentum, zwischen Gut und Bösen, zwischen Gott und Satan hin. Das Ende ist berüchtigt und enthält eine der berüchtigsten Zahlenkombinationen der Geschichte: 666!

Zahlen als wichtige Symbole

Überhaupt spielen Zahlen in der Offenbarung eine große Rolle, die Querverweise und symbolischen Anspielungen nehmen immer wieder Bezug auf die verschiedensten Bibelstellen. Der Verfasser scheint sehr von Daniel und anderen prophetischen Büchern inspiriert, berühmt ist zum Beispiel das Bild der „Hure Babylon“ als Allegorie für die Gegner der Gläubigen, besonders natürlich Rom.
Die nahe Orientierung an den prophetischen Büchern des Alten Testamentes hat einen besonderen Grund: Die Offenbarung ist das einzige prophetische Buch des Neuen Testamentes. Heißt das also, dass dieses Buch ausschließlich ein Blick in die Zukunft, ein düsterer Verweis auf das nahende Ende ist? Nein! Zunächst einmal muss grundsätzlich klargestellt werden: Die Offenbarung des Johannes soll keine Angst verbreiten. Sie wurde geschrieben, um Hoffnung und neue Kraft zu geben, die momentane Krise durchzustehen. Der Sieg des Guten über das Böse  steht für den Verfasser fest. Der Grund: Jesus Christus. Durch seine Menschwerdung und Auferstehung wird das Übel in der Welt den kürzeren ziehen. Mit dieser Auffassung bestätigt Johannes den christlichen Charakter des Buches und räumt Vorwürfe aus, es handele sich um ein unchristliches Werk eines prophetischen Sehers. Die Tatsache, dass Johannes mit seinem Werk die Glaubensbrüder in Kleinasien ermutigen will, ist dabei gar nicht hoch genug einzuschätzen. Natürlich zieht die Offenbarung, eine erschreckende Bilanz, wenn sie verkündet: „Wer zur Gefangenschaft bestimmt ist, geht in die Gefangenschaft. Wer mit dem Schwert getötet werden soll, wird mit dem Schwert getötet. Hier muss sich die Standhaftigkeit und die Glaubenstreue der Heiligen bewähren.“

Am Ende siegt das Gute über das Böse

Doch am Ende der Apokalypse steht ganz klar: „Dann sah ich einen Engel vom Himmel herabsteigen; auf seiner Hand trug er den Schlüssel zum Abgrund und eine schwere Kette. Er überwältigte den Drachen, die alte Schlange – das ist der Teufel oder der Satan -, und er fesselte ihn für tausend Jahre.“ Und dann, über das Leben im „himmlischen Jerusalem“: „Es wird keine Nacht mehr geben und sie brauchen weder das Licht einer Lampe noch das Licht der Sonne. Denn der Herr, ihr Gott, wird über ihnen leuchten und sie werden herrschen in alle Ewigkeit.“

Simon Biallowons