13. Dezember 2018 Luzia, Odilia

 

Mariä Lichtmess

Simeons Traum

Wir alle haben Lebensträume. Orte, die wir noch unbedingt sehen wollen. Dinge, die wir noch einmal erleben möchten. Einen Traum hatte auch der Greis Simeon vor über 2000 Jahren. Als er in Erfüllung ging, brach die Erleichterung aus Simeon heraus: „Nun lässt du, Herr, deinen Knecht, wie du gesagt hast, in Frieden scheiden.“ Simeon konnte nun Abschied nehmen – er hatte endlich Jesus gesehen. Am „Tag der Darstellung des Herrn“.

„Darstellung des Herrn“ klingt merkwürdig. Heißt es schließlich nicht, man solle sich kein Bildnis machen von Gott?

Es gibt darauf zwei Antworten: „Darstellen“ meint hier nicht zeichnen oder modellieren. Es geht dabei um einen alten Brauch der Juden. Der besagte, dass der Erstgeborene in Erinnerung an die Errettung aus Ägypten Gott gehöre. Die Eltern mussten deshalb das Kind nach der Geburt in den Tempel bringen. Sie mussten es „darstellen“. Das Darstellen ist also eher ein Vorstellen. Das Kind wird Gott gezeigt. So ist das auch bei Maria und Josef. Sie bringen Jesus in den Tempel zu Gott, seinem Vater. Der Sohn wird dem Vater vorgestellt – die Tiefe dieser Szene bezeugt der greise Simeon durch seinen Gefühlsausbruch und den Lobpreis. Denn Maria und Josef erfüllten im Jerusalemer Tempel nicht nur das alte Gesetz. Sie erfüllten auch den Traum des alten Simeon.

Foto: pixabay

"Meine Augen haben das Heil gesehen"

Über Simeon erfahren wir nicht viel aus der Bibel. Aber sein Lobpreis gehört zu den prägnantesten Stellen im Neuen Testament. Als Simeon Jesus im Arm hält, ruft der Greis aus: „Nun lässt du, Herr, deinen Knecht, wie du gesagt hast, in Frieden scheiden. Denn meine Augen haben das Heil gesehen, das du vor allen Völkern bereitet hast, ein Licht, das die Heiden erleuchtet, und Herrlichkeit für dein Volk Israel.“

In dem „Lobpreis des Simeon“ verbirgt sich ein Schlüsselwort, das die zweite Antwort auf die Eingangsfrage gibt. Gemeint ist das Wort „Licht“ – „Mariä Lichtmess“ ist der andere Name für den Tag, an dem Jesus in den Tempel gebracht wurde. Der Begriff „Lichtmess“ stammt von einer ursprünglich wohl heidnischen Tradition ab. So sollen im antiken Rom alle fünf Jahre Prozessionen abgehalten worden sein, mit denen die Menschen ihre Sünden sühnen wollten. Nachdem das Christentum Staatsreligion geworden war, übernahmen die Christen diesen Brauch. Es setzte sich durch, dass am 2. Februar die Kerzen für das nächste Jahr gesegnet und mit einer Lichterprozession eingeweiht wurden. Das Licht symbolisiert Christus – so wie von Simeon verkündet.

Damit zeigt die Darstellung des Herrn uns noch einmal, dass nun wirklich das Heil angebrochen ist. Was bereits bei der Geburt und der Taufe deutlich wurde, bringt Simeon in den Kontext des Alten Testamentes. Er stellt die Verbindung her zur der Rettergestalt der alten Juden, dem Messias. Damit sind die Verheißungen der Propheten erfüllt.

Die Tempel-Szene drückt noch eine weitere Facette aus. Jesus wird Gott vorgestellt. Er gehört zu Gott mehr als jeder andere, er ist sein Sohn. Den Jesus ist ja auch der „eingeborene“, also der „einzigegeborene“ Sohn des Herrn. Diese enge Verbindung Sohn – Vater, die bereits in der Tauf-Szene im Jordan sehr deutlich wurde, wird hier fortgeführt. Dies wird sich wie ein roter Faden durch die Geschichte Jesu ziehen, bis er schließlich am Kreuz haucht: „Vater, in deine Hände lege ich meinen Geist.“

Simeon weist auf das Los Jesu hin und sagt Maria große Schmerzen voraus

Dieser implizite Ausblick auf die Zukunft wird durch die Prophezeiung des Simeon auch explizit gemacht. Er sagt zu Maria: „Dieser ist dazu bestimmt, dass in Israel viele durch ihn zu Fall kommen und viele aufgerichtet werden, und er wird ein Zeichen sein, dem widersprochen wird. (..) Dir selbst aber wird ein Schwert durch die Seele dringen.“ Simeon weist auf das Los Jesu hin, von den Menschen hingerichtet zu werden. Und er sagt Maria die Schmerzen eine Mutter voraus, die ihren Sohn leiden und sterben sehen muss. Das Bild der durchbohrten Madonna, ein Schwert durch ihr Herz, klingt hier schon an.

Der Tag des Festes ist übrigens kein Zufall. Er geht zurück auf den zweiten Grund, weshalb Maria und Josef zum Tempel pilgerten. So regelte das alte Gesetz auch die Frist, innerhalb der das neugeborene Kind „dargestellt“ werden musste. Nach der jüdischen Vorstellung galt eine Frau vierzig Tage nach der Geburt eines Knaben, achtzig Tage nach der Geburt eines Mädchens als unrein. Erst danach durfte die Frau mit ihrem Kind den Tempel betreten und musste sich einer kultischen Reinigung unterziehen. Deshalb spricht man auch von „Mariä Reinigung“.

Dieser Tag der rituellen Reinigung Mariens orientierte sich also an dem Tag der Geburt Jesu, an Weihnachten. Da früher dieses Fest am 6. Januar gefeiert wurde, beging man die „Darstellung des Herrn“ am 23. Februar. Durch die Verlegung auf den 25. Dezember änderte sich natürlich auch das Datum von Mariä Lichtmesse. Deshalb feiert man heute am 2. Februar.

Dieses Datum war besonders für die Dienstboten und Angestellten wichtig. Da früher mit diesem Tag die Weihnachtszeit endete – heute ist es die „Taufe des Herrn“ – bekamen sie frei. Zudem begann danach ein neues Arbeitsjahr und die Dienstherren wechselten. Deshalb nannte man diesen Tag auch „Schlenkeltag“. Schlenkeln bedeutet im bayerischen Idiom „müßig sein, schlendern“ – die Dienstboten schlenderten in ihrer freien Zeit von Kneipe zu Kneipe.

Simon Biallowons