13. Dezember 2018 Luzia, Odilia

Die Karwoche

Die letzten Tage Christi

Gerade noch ausgelassene Partystimmung, jetzt traurige Abschiedsszenen: Die Karwoche bietet alle Emotionen, die wir kennen. Mitten drin: Jesus, der in Jerusalem seine letzten sechs Tage erlebt. Am Sonntag zieht er in die Stadt ein, am Donnerstag feiert er das letzte Abendmahl, bevor sein grauenvolles Martyrium beginnt – in der Karwoche wird uns bewusst, was Jesus für uns auf sich nahm.

Foto: Julius Schnorr von Carolsfeld, Die Tempelreinigung, aus: Die Bibel in Bildern, Leipzig 1860

Die Karwoche markiert die letzten Tage Jesu Christi. Allerdings gehört der Karfreitag, an dem er stirbt, nicht mehr dazu. Den Auftakt der Karwoche bildet dagegen der Palmsonntag. Es ist der Tag, an dem Jesus in Jerusalem einzieht. Zuvor hatte er auf seiner Wanderschaft zahlreiche Anhänger versammelt, ihm eilt ein Ruf als Wundertäter voraus. In Jerusalem reitet er auf einem Esel durch das Stadttor, die Bewohner sollen ihm zugejubelt und ihn um ihre Rettung angefleht haben. Die Priester und Honoratioren der Stadt werden an diesem Sonntag das erste Mal misstrauisch.

Am nächsten Tag spitzt sich die Lage zu, als Jesus in den Tempel geht. Damals war es üblich, dass man im Tempel Opfergaben kaufen und Geld wechseln konnte, das gehörte zum Tempelkult dazu. Jesus allerdings packt die Wut, er vertreibt die Händler mit den Worten: „Heißt es nicht in der Schrift: Mein Haus soll ein Haus des Gebetes für alle Völker sein? Ihr aber habt daraus eine Räuberhöhle gemacht.“ Auch wenn immer wieder über die Authentizität dieser Stelle gestritten wurde – im Johannesevangelium ereignet sich die „Tempelreinigung“ beispielsweise gar nicht in der Karwoche – so scheint sie doch sehr plausibel. Besonders, da die Mächtigen Jerusalems darin einen Angriff auf ihre Autorität und auf ihre Geschäfte sehen konnten. Und so suchen sie fortan eine Möglichkeit, Jesus umzubringen.

Am nächsten Tag wollen einige Pharisäer Jesus deshalb eine Falle stellen. Sie konfrontieren ihn mit der Frage, ob man denn dem römischen Kaiser steuern zahlen müsse. Ein hinterlistige Frage: Würde Jesus die Steuern ablehnen, so könnten ihn die Pharisäer wegen Hochverrats anklagen. Doch Jesus lässt sich nicht auf das Glatteis führen, lässt sich einen Dinar geben und fragt: Wessen Bild und Aufschrift ist das? Die Pharisäer antworteten ihm: „Des Kaisers.“ Und Jesus sagt zu ihnen: „So gebt dem Kaiser, was dem Kaiser gehört, und Gott, was Gott gehört!“ Damit hat Jesus nicht nur ihre Falle durchschaut, sondern zugleich auch noch unbemerkt ein Statement gesetzt: Er trennt zwischen dem Irdischen, was dem Kaiser gehört, und dem Überirdischen, was Gott gehört. Er deutet damit an, dass es eine andere und höhere Macht gibt, als den römischen Kaiser.

Am Mittwoch allerdings nimmt die Karwoche ihre vorläufig schlimme Wendung. Die Hohepriester bestechen einen Apostel Jesu. Judas erklärt sich gegen Bezahlung bereit, Jesus auszuliefern – die Entscheidung ist endgültig gefallen. Jesus freilich weiß bereits davon und feiert deshalb am Donnerstag ein ganz besonderes Abendmahl: das Letzte Abendmahl.

Simon Biallowons