20. April 2018 Hildegund, Odette

Der Mops ist los!

Früher waren sie dem Kaiser vorbehalten, kamen dann beim Adel in Mode und sind bis heute beliebt. Eine Ausstellung in Düsseldorf zeigt: Ein Leben ohne Mops ist möglich – aber eben auch sinnlos.

Dieser Mops hat es sich auf einem Sessel im Düsseldorfer Museum bequem gemacht. Foto: Museum/Wilfried Meyer
Dieser Mops hat es sich auf einem Sessel im Düsseldorfer Museum
bequem gemacht. Foto: Museum/Wilfried Meyer

Sie haben es sich schon mal bequem gemacht. Auf den stoffbespannten Stühlen aus dem 18. Jahrhundert im Düsseldorfer Hetjens – Deutsches Keramikmuseum sitzen Möpse, sie liegen aber auch darunter. Ein ganz eitles Tier betrachtet sein Ebenbild im Spiegel – wobei Spiegel und Hunde allesamt aus wertvollem Meissener Porzellan gefertigt sind. „Im Zentrum der Ausstellung haben wir einen kleinen Salon eingerichtet“, erklärt Wilko Beckmann. „Sozusagen als Lieblingsplatz des Mopses“, ergänzt der Kurator der Ausstellung „Garantiert stubenrein! – Möpse aus Meissener Porzellan und ihre Freunde“.

Der Mops: ein kaiserliches Tier

Vor 2.000 Jahren wurde der Mops in China gezüchtet und war eigentlich dem Kaiser vorbehalten. „Er lebte in der Verbotenen Stadt, bis von dort einige Exemplare entführt wurden“, berichtet Beckmann. „Wahrscheinlich waren es Palast-Angestellte, die sie dann an Händler verkauften.“ Über Holland und England wurde das Tier im 18. Jahrhundert zu einem beliebten und treuen Begleiter höfischer Damen. „Der Mops kann damit als Teil der europäischen Kulturgeschichte gesehen werden“, stellt er fest.

Die ältesten Möpse der Ausstellung entstanden um 1740. Foto: Schnieders
Die ältesten Möpse der Ausstellung entstanden um
1740. Foto: Schnieders

60 Exponate zeigt das Düsseldorfer Museum, die meisten sind aus Meissener Porzellan und stammen aus einer Privat-Sammlung. 1734 soll der erste Mops aus Porzellan gefertigt worden sein, sagt Beckmann. Wer einen lebendigen Mops hatte, der wollte oft auch noch ein Abbild als Schmuckstück besitzen. Wie etwa die Ehefrau des sächsischen Premierministers. Für sie schufen die Meissener Modelleure um Johann Joachim Kändler (1706–1775) 1738 den eigenen Mops als Abbild. Heinrich Graf von Brühl (1700–1763) war ein so großer Mopsliebhaber, dass er Kändler sogar kommen ließ, damit dieser seinen Liebling nach dem lebenden Modell verewige statt mit Zeichnungen zu arbeiten.

"Freimaurer und Dame vom Mopsorden" ist der Titel dieser Plastik.
Foto: Schnieders

Beim Rundgang durch die Ausstellung fällt auf, dass der Mops von damals dem von heute nicht unbedingt gleicht. Die Schnauze ist spitzer, die Figur schlanker. Der schwerfällige, dicke Mops, der momentan beliebt ist, entwickelte sich erst durch Züchtungen Anfang des 20. Jahrhunderts. Noch mehr kann man aber in Düsseldorf lernen. Beckmann zeigt auf ein Paar, das auf einer steinernen Bank sitzt. Es trägt den Titel „Freimaurer und Dame vom Mopsorden“. Er, mit dem Schurz eines Kavaliers, dem Symbol für Arbeit und Keuschheit, dargestellt, bekommt von der Dame eine Tasse Schokolade gereicht. Diese hat nicht nur einen Mops auf dem Schoß sitzen, sondern ist Mitglied im gleichnamigen Orden. Das ist sicher, denn Kändler als Modelleur hat das so in seine Arbeitsberichte geschrieben.

Der Mops-Orden als Geheimbund

Der Mops-Orden ist ein Zeichen dafür, wie findig Katholiken im 18. Jahrhundert sein konnten: Die Freimaurerei war damals durchaus beliebt. Die Geheimbünde entstanden im Zuge der Aufklärung, Papst Clemens XII. stellte die Mitgliedschaft jedoch 1738 unter die Strafe der Exkommunikation. Frauen war der Zutritt ohnehin nicht gestattet. Der Mops-Orden war eine Alternative, in dem beide Geschlechter zugelassen waren. Die Ursprünge der Bewegung sind nicht ganz klar, aber sie liegen in direktem Zusammenhang mit dem Freimaurer-Erlass des Papstes

Natürlich habe es auch Aufnahmeriten gegeben. „Der Novize musste einen Mops auf das Hinterteil küssen. Vielleicht wurden auch deshalb Porzellan-Möpse so beliebt“, sagt Kurator Beckmann und schmunzelt. „Aber der Orden diente wohl eher zur Belustigung statt gesellschaftliche Ziele zu verfolgen.“

Die Meissener Porzellanmanufaktur war die erste Europas, die solch aufwendige Ensembles herstellen konnte. Foto: Schnieders
Die Meissener Porzellanmanufaktur war die erste Europas, die solch aufwendige
Ensembles herstellen konnte. Foto: Schnieders

Die Freunde des Mopses sind auch in Düsseldorf

Möpse blieben beliebt, was in der Ausstellung ebenfalls zu sehen ist. Denn neben den Meissener Plastiken sind auch einige aus Dänemark und Nymphenburg ausgestellt. Auch ein süßer Bernhardiner-Welpe sowie Windhunde haben es in die Ausstellung geschafft – als Freunde des Mopses sozusagen.

Die Möpse aus dem sogenannten weißen Gold können sich eher die Gutbetuchten leisten, von denen Fotografien auf einem kleinen Schränkchen stehen. Unter den berühmten Mops-Freunden ist selbstverständlich auch Loriot. Schließlich stammt von ihm der berühmte Satz: „Ein Leben ohne Mops ist möglich, aber sinnlos.“ Thomas Schnieders

 

Die Ausstellung „Garantiert stubenrein! – Möpse aus Meissener Porzellan und ihre Freunde“ ist bis zum 3. Juni zu sehen. Das „Hetjens – Deutsches Keramikmuseum“ in Düsseldorf ist täglich außer montags von 11 Uhr bis 17 Uhr geöffnet, mittwochs bis 21 Uhr.
Adresse:
Schulstraße 4,
40213 Düsseldorf.

Mehr Informationen finden Sie auf den Internetseiten des Museums.