08. April 2020 Walter, Beate

 Ein Gärtlein für die Seele

 

Wallfahrten geben vielen Menschen Kraft und Ruhe. Die Augustinerpatres des Klosters Maria Eich in Planegg laden die Pilger nun in einen besonderen Ort der Ruhe ein: Sie haben einen Klanggarten angelegt.

Wir haben ihn ganz bewusst nicht Klang-Oase genannt“, sagt Pater Alfred über den Klanggarten am Augustinerkloster und Wallfahrtsort Maria Eich bei Planegg vor den Toren Münchens. „Denn das Wort Oase erinnert zu sehr an die vielen Wellness-Paradiese. Er nennt den neuen Garten deshalb viel lieber „Seelengärtlein“, denn die Gäste und Pilger sollen hier nicht nur körperlich ausruhen, sondern auch innerlich aufatmen können. „Der ganze Mensch soll im Blick stehen, er soll gleichsam den Atem seiner Seele spüren können“, sagt Pater Alfred.

Pater Alfred hat das Gärtlein feierlich eröffnet.
Foto: Bruder Carsten/Augustiner

Er und seine Mitbrüder griffen mit dem Klanggarten eine Idee ihres Mitbruders Pater Roger Gerhardy auf. Dieser wirkte in Maria Eich als Wallfahrtsseelsorger, doch sein plötzlicher Tod 2014 ließ ihn die Vollendung im Sommer 2015 nicht mehr erleben. „Ursprünglich wollte er alles selber machen, er hatte sogar schon angefangen zu graben und winzige Stecklinge zu setzen“, erzählt Pater Alfred im Rückblick mit einem leichten Schmunzeln. Doch bis die groß geworden wären, um den nötigen Schutz zu geben, wären Jahre vergangen. Deshalb haben Pater Alfred und Gerhardys Nachfolger Pater Matthäus in Zusammenarbeit mit einem Architekten und einer Landschaftsgärtnerei ein Konzept entworfen und in kurzer Zeit umgesetzt.

Am Waldrand liegt das Kloster Planegg. Links vom Hauptweg
der Klanggarten. Foto: Schnieders

Entstanden ist ein geschützter Raum direkt am Waldrand, an dem das Kloster und die Wallfahrtskirche liegen. Begrenzt wird er zu allen Seiten hin von Sträuchern und Bäumen. Liegestühle stehen auf dem sattgrünen Rasen, leise, meditative Musik strömt aus Lautsprecherstelen. Wer mag, kann seinen Blick auf dem Freialtar vor der Gnadenkapelle und dem Kloster ruhen lassen, während Pilger in wenigen Metern Entfernung vorbei gehen oder auf den Bänken vor dem Marienbild sitzen und beten. Bis zu 1000 Gottesdienstbesucher kommen sonntags zu den Messfeiern und der Andacht nach Maria Eich. Auch unter der Woche pilgern viele Gäste von überall her, wie eine spanische Gruppe, die bei herrlichem Sonnenschein das Seelengärtlein noch gar nicht bemerkt hat, sondern direkt in die Wallfahrtskapelle strömt.

Die Geschichte der Wallfahrt beginnt zwischen 1710 und 1712, als die Schmiedesöhne Franz und Kaspar Thallmayr aus Planegg eine Marienfigur in den Hohlraum einer Eiche gestellt haben. Als 1733 durch das Gebet zur Muttergottes eine Tagelöhnerin gesund wurde, begründete dies die bis heute stattfindende Marienwallfahrt. Bereits im Jahr darauf war der Ansturm so groß, dass eine kleine Holzkapelle um die Eiche herum gebaut wurde. Wenige Jahre später wurde daraus eine Kapelle aus Stein und in den 1780er-Jahren kamen die Seitenkapellen und ein Freialtar hinzu.

 

Die Marienfigur ist heute noch in der Kapelle zu sehen.
Foto: Schnieders

 

In die Eiche selbst jedoch schlug 1805 während eines Unwetters der Blitz ein und zerstörte die Baumkrone. Die Kapelle, aus der die Eiche bis dahin hinausragte, wurde geschlossen und der Stamm mit Brettern verschalt. Die Marienfigur ist heute noch in der Kapelle zu sehen: Als das „Frauerl von der Aichen“ ist sie in einen Barockmantel gehüllt.

Auf Wunsch des damaligen Münchner Erzbischofs Kardinal Michael von Faulhaber kamen die Augustiner 1953 nach Maria Eich und übernahmen die Seelsorge. „Einen Gnadenort“ nennt Pater Alfred die Wallfahrtstätte, keine fünf Gehminuten vom S-Bahnhof Planegg entfernt. Im Seelengärtlein, wo nur ganz entfernt Züge und Autos zu hören sind, sollen die Menschen eine zusätzliche Möglichkeit haben, um zur Ruhe kommen. Den ganzen Menschen wollen die Augustiner hier in den Blick nehmen, wie es sich im Paulusbrief an die Korinther spiegelt: „Darum werden wir nicht müde; wenn auch unser äußerer Mensch aufgerieben wird, der innere wird Tag für Tag erneuert.“ (2 Kor 4,16)

Wir sind Pater Roger dankbar für diese wundervolle Idee und haben sie mit viel Freude umgesetzt“, sagt Pater Alfred. „Und wir wünschen uns, dass die Menschen, die hierher kommen, erfahren dürfen, dass sie als Gottes Geschöpfe unter dem Schutz der Gottesmutter mit ihrem ganzen Leben angenommen und in seinem Segen geborgen sind.“

Thomas Schnieders

 

Adresse:
Augustiner Kloster 
Maria Eich

Maria-Eich-Straße 1
82152 Planegg