22. Juni 2017 Thomas Morus

Optimist und Liedermacher

Seit über 40 Jahren singen nicht nur Kinder seine Lieder. Schon lange komponiert Rolf Zuckowski auch für Erwachsene. Thomas Schnieders hat den Musiker kurz vor seinem 70. Geburtstag am 12.Mai getroffen.

Rolf Zuckowskis neue Vogelhochzeit_TRIKK17Christian Merten_ZDF
40 Jahre nach der Erstveröffentlichung hat Rolf Zuckowski seine Vogelhochzeit neu vertont. Foto: TRIKK17Christian Merten/ZDF

Am Ende dieses Tages werden es einige Interviews sein, die Rolf Zuckowski gegeben haben wird. Er hat seine berühmte Vogelhochzeit neu vertont, das Fernsehen hat sie neu verfilmt, der Musiker rührt also auch die Werbetrommel. Und nicht mehr lange, dann feiert er seinen 70. Geburtstag. Er hat also viel zu erzählen, an diesem Tag in einem Kölner Hotel.

Er sitzt in einem dieser schwarzen Ledersessel, die oft in Hotels stehen und, weil die meisten Menschen darin so sehr versinken, sich eigentlich nicht für eine gute Unterhaltung eignen. Außer für Rolf Zuckowski, der so entspannt und zugewandt darin sitzt, dass man eine Ahnung bekommt, warum dieser Mann auch so erfolgreich ist. Er gibt seinem Gegenüber ein gutes Gefühl: Er hört zu, erzählt aus seinem Leben, seine entspannte Art füllt den Raum aus und überträgt sich. Und natürlich ist er ein guter Musiker und Komponist, der zeitlose Melodien schreiben kann und über 13 Millionen Tonträger verkauft hat. Allein eine Million von „Rolfs Vogelhochzeit“; vor 40 Jahren erschien sie das erste Mal, und er bezeichnet sie als „Kernstück meines musikalischen Lebenswerkes“.

Selten sind Musikstücke so langlebig wie dieses. Für den Musiker liegt das daran, dass viele Kinder sich in der Geschichte wiederfinden. „In der Vogelhochzeit liegen einige Rollen, die Kinder ganz besonders gerne annehmen“, sagt Zuckowski. Etwa wenn es um den behütenden Gedanken geht, wenn die Vogeleltern das Ei ausbrüten und später das Kind versorgen. „Manchmal“, sagt er nachdenklich, „sind das auch klischeehafte Vorstellungen, aber in der Kindheit wächst das ja auch alles erst.“ Das Wichtigste sei aber die Musik, denn „wenn die Melodien nicht die Kraft hätten, dass man sie gerne singt und dass man sie auch nicht flach findet, obwohl sie einfach sind.“ Dazu komme natürlich, dass viele Kinder von damals heute selbst Eltern sind und ihren Kindern ihre Lieder aus der Kindheit vorspielen und vorsingen.

Rolf Zuckowski: Ein Junge von der Elbe

Rolf Zuckowski wird am 12. Mai 1947 in Hamburg geboren, sein Vater ist Seemann, die Mutter Friseurin, er hat drei Geschwister. Seine Liebe zur Musik zeigt sich spätestens am Gymnasium. Er ist Sänger und Gitarrist der Schülerband „The BeAthovens“, sie nehmen sogar eine Platte auf: „Happy to be happy“, darauf sind auch seine Songs. Nach der Schule beginnt er ein Studium der Betriebswirtschaft, schließt mit Diplom ab und wird Assistent der Geschäftsleitung im Musikverlag Hans Sikorski, mit dem er immer noch zusammenarbeitet. Außerdem schreibt Rolf Zuckowski weiter Lieder: Mit dem Schweizer Trio „Peter, Sue and Marc“ reist er mehrfach zum Eurovision Song Contest, der damals noch Grand Prix d‘Eurovision heißt. Nana Mouskouri, Paola und Juliane Werding singen in den folgenden Jahren seine Texte.

Drei Jahre arbeitet er ab 1974 an der Vogelhochzeit. Angeregt wird er durch den Bilderzyklus eines Jugendfreundes. Kurz vor Weihnachten 1977 hält er die ersten Schallplatten in seinen Händen. Bis heute macht er viel Musik für Kinder und ist überzeugt, dass in ihm das Kindliche „eine ganz wesentliche Kraft ist“. „Ich selber habe jedenfalls, zum Glück, noch oft diese Momente, in denen ich bemerke, dieses Kind in dir ist noch nicht weg.“ Wenn er mit seinen Enkelkindern unterwegs sei, merke er oft, dass Kinder die Welt anders wahrnehmen. „Denn Kinder sehen oft die kleinen Dinge und bringen einen oft zum Staunen. So viel Kindlichkeit, glaube ich, sollte jeder versuchen, sich zu bewahren.“ In der Nähe von Kindern fühle er sich immer noch ganz besonders lebendig und nennt auch ein Beispiel: Mit Kindern nehme man im Treppenhaus auch schon mal zwei Stufen auf einmal oder springe die letzten. „Und wenn die Knie das noch mitmachen, dann merkt man schon, dass Kinder einem guttun.“

Rolf Zuckowski mit Elbkindern
Rolf Zuckowski mit Elbkindern. Er ist einer der erfolgreichsten deutschen Musiker.
Foto: Mauricio Bustamante/Musik für dich

Der Liedermacher singt nicht nur für Kinder, er engagiert sich auch darüber hinaus für sie. Zusammen mit seiner Frau Monika hat er die Stiftung „Kinder brauchen Musik“ gegründet. Diese unterstützt Musikprojekte in Kindergärten und Grundschulen, etwa die Anschaffung von Instrumenten oder Klassenfahrten, bei denen sich die Kinder ganz auf das Musizieren konzentrieren können. „Die Musikförderung bei Kindern dient nicht nur ihren musikalischen Talenten, sie stärkt ihre Persönlichkeit, ihre Kreativität, ihre Lernfreunde und ihre sozialen Fähigkeiten.“ Man könnte vielleicht auch sagen: Singen macht glücklich und Musik hilft, Herausforderungen zu bewältigen.

„drüben“

Das gilt auch für ihn selbst: Neben der bekannten Kindermusik macht Rolf Zuckowski seit vielen Jahren auch Musik für Erwachsene. Hier sind seine Texte nachdenklicher, sie wirken zurückgenommener. Das hat natürlich auch zwangsläufig mit seiner Lebenserfahrung zu tun. Aber genau wie die Musik für Kinder sind sie durchzogen von Offenheit und davon, das Leben für sich selbst und andere gut zu leben: „Wie könnten wir mit Kindern leben, ihnen Zukunft geben, wenn wir bei Nacht nichts von der Sonne wüssten? Wir Optimisten.“ Das singt er im Lied „Wir Optimisten“.

Im vergangenen Jahr hat Rolf Zuckowski das Album „Deine Sonne bleibt“ veröffentlicht. Es trägt den Untertitel „Mit Liedern und sanfter Klassik aus der Trauer zum Trost“. Darauf befindet sich das Lied „drüben“. Ein Lied, das nach dem Tod seiner Mutter entstand. Sie lebte in ihren letzten sechs Monaten in einem Pflegeheim, in dem sie jeden Tag Besuch von einem ihrer Kinder bekam.

„Es war eine Zeit, in der wir wohl die intensivste Phase seit unserer Kindheit mit unserer Mutter verbracht haben“, erzählt er nachdenklich. Das gelte auch körperlich: „Wenn meine Mutter sich mit dem Kopf angelehnt hat und dann in ihrer Schwäche eingeschlafen ist, da hatte ich auch das Gefühl, so nah waren wir uns zuletzt bei der Geburt. Sie war diejenige, die dann zunehmend sagte: ‚Ich will doch zu ihm. Ihr müsst mich auch gehen lassen.‘ Sie hat dann irgendwann gesagt: ‚Auch Eltern werden groß. Man hat sie lieb und lässt sie los.‘“

Ihm sei klar geworden, dass „sie rüber will, in eine Welt, von der sie nur ahnte, dass sie ihr guttut. Dass sie da ihre Zweifel, ihre Schmerzen nicht mehr spüren muss.“ Mit dem Wort „drüben“ drückt Rolf Zuckowski in seinem Lied aus, „was andere Leute Himmel nennen mögen oder ewiges Leben, Paradies“. Weil seine Familie nicht strenggläubig sei, habe das Wort am besten beschrieben, was er, seine Mutter und seine Geschwister empfanden.

Gott leise danken, nicht bitten

Ein halbes Jahr später entstand dann „Für dich“; die Lieder müsse man als Pärchen sehen, sagt Rolf Zuckowski. Es gehe zurück ins Leben, aber man sei trotz des Todes nicht alleine: „Werde für dich fröhlich sein, mich jeden Tag des Lebens freun, werd meine Lieder singen und höre dich in ihnen klingen“, singt er darin. Dankbarkeit für das Erlebte spiegelt sich darin, und wenn er dankbar sei, könne er Gott am stärksten spüren. „Ich habe Gott noch nie um etwas gebeten. Ich habe nur für mich selber öfter leise gedankt für Dinge, die möglich geworden sind oder die wir überstanden haben.“

Über 13 Millionen Tonträger hat Rolf Zuckowski verkauft. Darunter allein eine Million der Vogelhochzeit. Foto: M.Gamper/Musik für dich
Über 13 Millionen Tonträger hat Rolf Zuckowski verkauft.
Darunter allein eine Million der Vogelhochzeit.
Foto: M.Gamper/Musik für dich

Die Frage, wer Gott ist, beschäftigt ihn schon seit vielen Jahren. Zuckowski erzählt, dass er vor vielen Jahren den Pastor Traugott Giesen in Keitum auf Sylt habe zu Konfirmanden predigen hören. Wie ein großer Freund habe dieser gewirkt, ihn habe das sehr beeindruckt. In einem seiner Bücher hat Zuckowski den Satz gefunden: „Gott liebt dich und Gott braucht dich“ – das sei ihm zu einer Art Lebensmotto geworden. Der zentrale Gedanke, der ihn angesprochen habe, sei gewesen: „Glaub’ doch nicht, dass die Schöpfung zu Ende ist, du brauchst dich doch nur umzuschauen und du siehst jeden Tag, dass die Schöpfung in vollem Gange ist“, berichtet der Liedermacher. Jeder könne zu ihrem Gelingen beitragen, was die Natur betreffe oder das Miteinander unter den Menschen.

Der Suchende

Die Frage, ob er sich gläubig nennen darf, auch wenn er Gott nicht persönlich spüre, hat er für sich mit „ja“ beantwortet. „Franz von Assisi ist ja auch jemand gewesen, der das Zweifeln und Suchen zum untrennbaren Teil des Glaubens erklärt hat. Das hat mich dann beruhigt.“ Rolf Zuckowski selbst sieht sich als suchenden Gläubigen.

„Ich denke, ein in sich ruhender, alles wissender Gläubiger, über den würde ich heute vielleicht etwas zweifelnd nachdenken. Er ist dann unter Umständen anderen Menschen gegenüber nicht mehr so offen, die suchend sind.“ Finden möchte er allerdings trotzdem ganz gerne, denn er denkt auch, dass ihm das „hoffentlich neue Türen öffnet. Wer weiß“, sagt er schmunzelnd, „ich bin ja noch jung.“

Auf den großen Bühnen macht er sich jedoch seit ein paar Jahren etwas rarer. Er will nicht mehr so viel unterwegs sein, nicht mehr ganz so viele Konzerte geben und mehr Zeit für seine Familie haben. Seine jüngsten Enkel sind drei und sechs, ab und zu habe er dann „Opa-Dienst“, am liebsten abends. Er singt ihnen dann tatsächlich gern aus der Vogelhochzeit vor, auf der Bettkante sitzend. Er sei gerne Opa, sagt Zuckowski, am liebsten einer „der Quatsch macht, der aber auch eine Ruhe vermittelt, die man als Kind braucht“.

Dieser Artikel erschien am 7. Mai 2017 in unseren Zeitschriften Liboriusblatt, Bayerisches Sonntagsblatt und Christliche Woche. Möchten Sie unsere Zeitschriften kostenlos und unverbindlich probelesen? Mehr Informationen erhalten Sie hier.

 

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