19. Juni 2018 Romuald

Gundula Gauses Beitrag zum Guten

Seit 25 Jahren präsentiert Gundula Gause die ZDF-Nachrichten im „heute-journal“. Und sie engagiert sich für Afrika.

„Ich glaube an das Gute im Menschen und versuche, trotz vieler schlimmer Nachrichten, mir meine positive Grundhaltung zu bewahren“, sagt Gundula Gause.

Am 8. Februar 1993 präsentierte die gebürtige Berlinerin zum ersten Mal die Nachrichten im „heute-journal“ des ZDF. Dabei ist sie nicht nur als Moderatorin aktiv, sondern als Redakteurin in einem Team auch für den Inhalt mitverantwortlich, also die Auswahl der Meldungen und ihre Aufbereitung in Wort und Bild. Diese Arbeit mache sie auch nach 25 Jahren sehr gerne – die Nachrichtenlage verändere sich permanent, jeder Tag bringe Neues und sei eine neue Herausforderung.

So kennen sie die Fernsehzuschauer seit 25 Jahren. Am 8. Februar 1993 präsentierte sie das erste Mal die Nachrichten im
So kennen sie die Fernsehzuschauer seit 25 Jahren. Am 8. Februar 1993 präsentierte sie zum ersten Mal
die Nachrichten im "heute-journal". Foto:ZDF/Klaus Weddig

„Die Welt wird immer komplizierter“, stellt sie fest. Sie versuche strittige Themen und komplexe Ereignisse verständlich auf den Punkt zu bringen, sodass der Zuschauer „einen Mehrwert, eine Erkenntnis hat. Das ist, finde ich, meine wichtigste Aufgabe.“ Die 52-Jährige beschreibt sich selbst als „homo politicus“, sie sei politisch interessiert, auch im Urlaub verfolge sie selbstverständlich täglich die Weltlage: „Ich liebe es, mich schon früh am Morgen über das Weltgeschehen zu informieren, per Tagespresse genauso wie online.“

Nachrichten sind ihr Kerngeschäft, und das wird auch klar, wenn man mit ihr spricht. Sie ist konzentriert, denkt über ihre Antworten genau nach – und am Ende fasst sie ihren Hauptgedanken oft noch einmal zusammen. Gerne eingeleitet von dem Wort „also“.

Afrika: Für Gause ein Kontinent der Hoffnung

In der durch Digitalisierung und Globalisierung vernetzten Welt ist es ihr Anliegen, sich in diesem großen Ganzen auf Konkretes zu konzentrieren – und auch selbst zu handeln, zu versuchen, einen Beitrag zum Guten zu leisten, so wie sie es mit ihrem Engagement für den Afrikatag von „missio“ tut. Die Protestantin ist seit 2002 Schirmherrin der katholischen Hilfsorganisation, die sich mit der ältesten Kirchenkollekte der Welt, dem Afrikatag zu Beginn eines jeden Jahres, insbesondere für die Menschen in diesem Erdteil einsetzt. Dreimal bereiste sie bereits den Kontinent, für den Herbst sei eine Reise nach Äthiopien in Vorbereitung. „Über ganz Afrika ist ein Netz katholischer Ordensleute gespannt, die dort aus ihrem christlichen Selbstverständnis heraus mit beeindruckender persönlicher Bescheidenheit in einer fremden Umgebung leben und Armen und Ausgegrenzten helfen. Auch darüber lohnt es sich zu berichten“, findet Gause.

Denn leider werde über Afrika immer noch überwiegend nur dann berichtet, wenn Hungersnöte und Armut, Kriege und Anschläge, Machtmissbrauch und Fluchtbewegungen Menschen dort in Not brächten. Dabei sei Afrika auch ein Kontinent der Hoffnung.

2011 besuchte sie missio-Projektpartner im Senegal. Dort begleitet eine junge Ordensschwester Mädchen in ihrem Widerstand gegen die traditionelle Beschneidung. Weltweit müssen nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation 200 Millionen Frauen mit Genitalverstümmelung leben. Es gehe ihr um jedes einzelne Mädchen, sagt Gundula Gause, das davor bewahrt werden könne, dessen Leben gerettet werden könne. So habe sie als europäischer Gast an der Seite der afrikanischen Ordensschwester versucht, den Männern dort zu erklären, welche Schmerzen den jungen Frauen durch eine Beschneidung zugefügt würden, welche gesundheitlichen Probleme daraus resultierten. Sie schließt mit so einem „Also“-Satz: „Also, Information ist da ein erster Schritt und Information ist ja unser Geschäft. Von daher meine ich, kann Berichterstattung und professioneller Journalismus ein Beitrag zum Guten sein.“ Sie macht eine kurze Pause. „Hoffentlich“, schiebt sie hinterher.

Ehrenamtliches Engagement ist ihr grundsätzlich wichtig, und dabei beruft sie sich auf den früheren Bundespräsidenten Joachim Gauck, der ihr 2013 das Bundesverdienstkreuz verlieh. Dessen Mahnung, dass die Gesellschaft ohne Ehrenamt nicht funktioniere, sei auch ihre Überzeugung. „Man erhält so viel zurück: an Dank, an Miteinander und man lernt auch viel. Es sind so wertvolle Begegnungen, die man da haben kann. Auch wenn man meint, der persönliche Beitrag sei ein ‚Tropfen auf den heißen Stein‘, – nein, es ist anders: Viele kleine Tropfen ergeben ein Meer.“ Da ist sie wieder: die Hoffnung von Gundula Gause auf das Gute. Ihr Optimismus trotz aller Widrigkeiten gründe auch auf ihrem Glauben, sagt sie.

Bewusst evangelisch

Den lebe sie auch mit ihrer Familie. Katholisch verheiratet ist sie seit gut 20 Jahren, die Kinder katholisch getauft, mit ihrem Mann besucht sie regelmäßig den Gottesdienst. Konvertiert ist sie jedoch nicht: „Ich bin bewusst evangelisch geblieben“, erklärt sie, denn in dieser ökumenischen Doppelrolle legt sie auch
großen Wert auf den weniger ausgeprägten Dogmatismus der Protestanten. Dazu passt auch ihr Engagement als Botschafterin für das Reformationsjubiläum im Jahr 2017.

„Letztlich bin ich froh und dankbar, in einem christlich geprägten Land zu leben“, erläutert sie und ergänzt: „Wie viele aktive Gläubige würde ich mich freuen, wenn Katholiken und Protestanten weiter aufeinander zugehen.“ Im Glauben stecke für sie auch „ein Wertekonstrukt, das einen tragen kann“. Einfluss auf ihre Arbeit als Nachrichten-Redakteurin habe das allerdings nicht. „Nachrichten sind Nachrichten, da braucht es eine gewisse, distanzierte Sachlichkeit.“ Es gehe um Fakten, aber natürlich versuche sie auch im christlichen Sinne Aspekte einer „guten Nachricht“ zu finden. Und da könne man sich schon auf das jeweilige persönliche Wertegerüst beziehen. Gerade in einer Zeit „alternativer Fakten“, die zudem von der sogenannten „Fake news-Debatte“ sowie von Populismusvorwürfen geprägt sei, gehe es um ehrliche, journalistische Arbeit, die sich gründlich, objektiv und neutral mit dem Weltgeschehen im Kleinen wie im Großen auseinandersetze. Gemeinsam mit ihren Kollegen folgt Gundula Gause einem „unabhängigen, journalistischen Ethos“. Das bedeute: „Respekt vor der Menschenwürde eines jeden.“

Thomas Schnieders

 

Dieser Artikel erschien am 4. Februar 2018 in unseren Zeitschriften Liboriusblatt, Bayerisches Sonntagsblatt und Christliche Woche. Möchten Sie unsere Zeitschriften kostenlos und unverbindlich probelesen? Mehr Informationen erhalten Sie hier.

 

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